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Damit sich mehr in der Mindelheimer Altstadt rührt

Kommentar Von Johann Stoll
10.08.2020

Plus Die geplante zweite Tiefgarage sorgt in der Stadt für Diskussionen. Ohne mehr Stellplätze wird es nicht gehen. Warum aber darf ein Investor den Takt vorgeben?

Was braucht die Mindelheimer Altstadt? Leben. Sie braucht Menschen, die gerne kommen, um andere nette Menschen zu treffen und sich zwischen den malerischen Gebäuden wohlzufühlen. Mal ein Eis essen, mal einen Kaffee mit Freunden trinken, Essen gehen und einkaufen – von der Breze bis zur Wurst, vom T-Shirt über Toaster und Literatur bis zur Handtasche. Die Mischung macht’s. Mindelheim hat seit 15 Jahren konsequent die Altstadt verschönert. Die Millionen haben sich gelohnt. Die Gastronomie hat gewonnen. Die Stadt hat den Wirten mehr Freiflächen zugestanden, was die Menschen gerne annehmen. Nicht so einfach ist die Lage dagegen für den Einzelhandel.

Es gibt erfolgreiche Geschäfte, aber auch welche, die nicht vom Fleck zu kommen scheinen. Sie leiden erkennbar unter dem Online-Handel, der es den Kunden allzu leicht macht, das Geld auswärts auszugeben. Aktuell kommt noch eine gewisse Unlust bei Verbrauchern dazu, mit Mund- und Nasenschutz einkaufen zu gehen.

Die CSU im Stadtrat hat klar erkannt, dass vor allem der untere Teil der Maximilianstraße aufgewertet gehört. Eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben. Daran wird gearbeitet. Das Erdgeschoss des früheren Mauritia-Febronia-Gymnasiums könnte zum Beispiel in ein Café und oder einen Bio-Markt umgewandelt werden. Sicherlich bringt dieses Gutachten noch andere und bessere Ideen. Es sollte nur bald mal kommen.

In Mindelheim fehlt es an Parkraum

Wenn nicht alles täuscht, wächst das Bewusstsein, dass man seine Geschäfte vor Ort unterstützen muss, wenn man auch in Zukunft eine lebhafte Altstadt haben will. Das macht Hoffnung. Auch die durch Corona erzwungene Entdeckung der Nähe könnte dieses Bewusstsein befördern. Einig sind sich im Stadtrat alle, dass es noch etwas mehr braucht, um den Geschäften in der Altstadt zu helfen: Es fehlt an Parkraum. Auch wer sich mehr Fußgänger, mehr Radfahrer und mehr Lastenräder vorstellen kann: Zumindest in absehbarer Zeit werden Autofahrer die Altstadt ansteuern. Schon die Bevölkerung aus dem Umland, die gerne nach Mindelheim kommt, wird nicht auf das Auto verzichten können.

Wo aber kann dieser Parkraum entstehen? Am Forum, auf dem alten Norma-Parkplatz oder auf dem Maria-Ward-Gelände oder ganz woanders? Eine vertiefende Untersuchung scheut die Stadt aus Kostengründen. 150.000 Euro seien zu viel. Die Verwaltung ist aber sicherlich in der Lage, Pi mal Daumen eine Kostenschätzung abzugeben. Es bleibt der Eindruck, dass sich die Stadtspitze auf das Projekt Maria-Ward-Kloster versteift hat.

Die besondere Rolle des Freundeskreises Alt-Mindelheim

Die Anfrage an den Investor kam von Bürgermeister Stephan Winter. Dazu hatte das Rathaus auch klare Vorstellungen, wo die Zufahrt verlaufen soll: durch den mit altem Baumbestand gesegneten Teil des Stadtgrabens im Garten des verstorbenen Ehrenbürgers Erwin Holzbaur. Seit das öffentlich geworden ist, gibt es Gegenwind: Denkmal- und Naturschützer lehnen das ab. Gegenteiliger Meinung ist man beim Freundeskreis Alt-Mindelheim. Dieser ist für die Durchfahrt durch das Grundstück von Erwin Holzbaur, der den Freundeskreis über Jahrzehnte geprägt hat.

In einer eigenen nicht öffentlichen Veranstaltung durfte der Vorstand des Freundeskreises dem Stadtrat erläutern, warum es besser ist, den Verkehr von außen zur Tiefgarage zu lenken. Dieser Meinung kann man sein. Weil das aber nicht öffentlich diskutiert wird, weckt das Misstrauen. Sind hier womöglich Eigeninteressen von Immobilienbesitzern im Spiel? Dass der Bürgermeister zu dieser nicht öffentlichen Sondersitzung mit dem Freundeskreis seinen Segen gab, ist zumindest verwunderlich.

Dabei gibt es ja auch gute Argumente für die Zufahrt Frundsbergstraße. Die Tiefgarage kann das ganze Jahr über angefahren werden, zum Beispiel auch in Zeiten von Jahrmarkt oder Frundsbergfest. Und der Verkehr ist besser aus der Altstadt herauszubekommen. Die Viertel in der Altstadt ließen sich so nach und nach aufwerten. Dieses letzte Argument würde allerdings auch zählen, wenn weiterer Parkraum außerhalb des Altstadtrings geschaffen werden würde.

Die Mindelheimer Stadtpolitik spielt auf Zeit

Derzeit spielt die Stadtpolitik auf Zeit. Der Investor soll seine Pläne offenlegen. Und dann? Dann muss es im Stadtrat zum Schwur kommen. CSU-Fraktionschef Christoph Walter zufolge werde derzeit über Schritt zehn debattiert. Sprich: Da sei ja noch nichts entschieden. Die Zufahrtspläne über den Holzbaur-Garten allerdings sind keineswegs aus der Luft gegriffen.

Bürgermeister Winter argumentiert sogar mit dem Bürgerwillen. Die Menschen hätten vor Jahren deutlich gemacht, dass sie weniger Autos in der Altstadt wollten. Das ist richtig. Aber von dieser Zufahrt war damals noch gar nicht die Rede.

Über die Sommerferien ist nun Zeit zum Nachdenken. Wohl sinnvoller, als sich auf das Projekt mit dem Investor zu versteifen, wäre eine Prüfung auch aller anderen Optionen für mehr Parkraum an der Altstadt.

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