Bad Wörishofen Die Kreisverkehrswacht Mindelheim kommt auch nach der Wahl eines neuen Vorsitzenden nicht zur Ruhe. Die als Vorsitzende und Geschäftsführerin zurück getretene Marion Prediger will sich nicht damit abfinden, dass ihre Zeit bei der Kreisverkehrswacht vorbei sein soll. Sie ist nach wie vor der Meinung, dass sie noch immer Verantwortung bei der Kreisverkehrswacht trägt: „Noch bin ich im Vereinsregister als Vorsitzende eingetragen und damit für die Existenz und die ordentliche Abwicklung aller Versammlungen verantwortlich“, so Prediger. Ihr Fazit: „Die Versammlung ist ungültig“.
Da kann der am vergangenen Donnerstag von den acht stimmberechtigten Mitgliedern einstimmig gewählte Vorsitzende, der Bad Wörishofer Grünen-Stadtrat Daniel Pflügl nur noch die Achseln zucken: „Die ganze Situation ist fast schon gruselig. Ich werde jedenfalls alles daran setzen, dass die Verkehrswacht Mindelheim schnellstmöglich wieder zur Ruhe kommen kann“, so Pflügl. Daran könnten die Vorwürfe von Marion Prediger auch nichts ändern, betont Pflügl: „Ich bin jetzt der Vorsitzende.“ Dass Prediger seine Wahl für ungültig hält, nimmt er ganz locker: Von einem Formfehler wegen eines angeblich nicht geschriebenen Protokolls könne jedenfalls gar keine Rede sein.
Im Gegenteil: Bad Wörishofens Bürgermeister Paul Gruschka habe ein Protokoll verfasst, das den Beteiligten jetzt auch zugeschickt worden sei, um gegebenenfalls Änderungen vornehmen zu können. Und schon in den nächsten Tagen wartet Pflügl, dass er dann mit diesem Protokoll einen Notartermin anberaumen und seine Eintragung als Vorsitzender beim Vereinsgericht veranlassen könne. Pflügl findet es „nur noch schade“, dass die Querelen bei der Kreisverkehrswacht den Verband seit Monaten in ein schlechtes Licht rücken – und er sieht seine Aufgabe jetzt vor allem darin, schnell „aufzuklären, was da an welchen Ecken alles schief gelaufen ist“. Ihm sei auch bewusst, dass es dabei wohl nicht immer nur um inhaltliche, sondern offenbar auch „um zwischenmenschliche Dinge und Gefühle“ gegangen sei.
Die schweren Vorwurfe gegen den Vorgänger von Marion Prediger im Amt des Vorsitzenden führen jetzt sogar vor Gericht (MZ berichtete). Angesichts der laut Pflügl „krassen und strafrechtlich relevanten Beschuldigungen“ will er prüfen, ob der bereits anberaumte Prozesstermin nicht doch noch verschoben werden kann, um auch ihm als jetzt Verantwortlichen Zeit und Gelegenheit zu geben, die Vorwürfe zu beurteilen: „Ich habe keine Unterlagen und kann daher gar nicht prüfen oder einschätzen, ob die Anschuldigungen zu Recht erhoben werden oder nicht“, so Pflügl, der als Kripo-Kommissar in Memmingen arbeitet.
Dass ausgerechet er von Bürgermeister Paul Gruschka als neuer Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Mindelheim aus dem Hut gezaubert wurde, war für viele überraschend – schließlich sind sich Pflügl und Gruschka im Wörishofer Stadtrat immer wieder heftig in die Haare gekommen, als es um die Umsetzung des umstrittenen Verkehrskonzepts ging. Für Pflügl war es dennoch keine Frage, sich von Gruschka überreden zu lassen: „Mir geht es nur um die Kreisverkehrswacht und ihre wichtigen Aufgaben“, betont er. Darüber hinaus sieht er aber in diesem Miteinander mit Gruschka durchaus auch eine Chance für die künftige Zusammenarbeit im Stadtrat: „Das zeigt, dass wir trotz unterschiedlicher Meinungen auch gut und zielführend zusammen arbeiten können. Wir müssen zurück zur Sachpolitik“.
Auch beim bayerischen Dachverband, der Landesverkehrswacht, beobachtet man die Vorgänge rund um die Mindelheimer Verkehrswacht seit Längerem mit Sorge: „Wir hoffen, dass jetzt ein Neuanfang gelingt“, so Landesgeschäftsführer Manfred Raubold, mit dem sich Daniel Pflügl auch schon abgestimmt hatte. Für ihn und die Landesverkehrswacht sei „das Kapitel Prediger“ bei der Mindelheimer Verkehrswacht mit der Neuwahl Pflügls nun aber auch erledigt.
Angesichts der massiven Vorwürfe, die Marion Prediger auch nach der Mitgliederversammlung am vergangenen Wochenende erhoben hat, erscheint das derzeit zumindest fraglich. In mehreren E-Mails und auch auf der Internetplattform Facebook hat Prediger zu einem Rundumschlag ausgeholt, der kaum einen verschont lässt, der am Donnerstag dabei war. Sie werde weiter „um diese Verkehrswacht kämpfen. Ich lasse mich durch keinerlei Drohungen, Beleidigungen, Mobbing oder Erpressungen davon abhalten“, so Prediger in einer E-Mail an die Mindelheimer Zeitung.
Darin bekommt nicht nur der Landesvorsitzende der Verkehrswacht, der CSU-Landtagsabgeordnete Florian Herrmann, sein Fett weg, sondern auch ihre Kritiker, die bei der jüngsten Mitgliederversammllung ihre Absetzung organisiert hätten. Sogar Verbindungen bis hinauf zur bayerischen Landespolitik stellt Prediger in ihren Schreiben her. Gruschka und dem 3. Bürgermeister von Mindelheim, Roland Ahne (SPD) wirft sie unter anderem vor, eine „Hexenjagd gegen mich“ zu führen und dafür die Verkehrswacht „zu opfern“. Und auch an ihrem Nachfolger Daniel Pflügl lässt sie kein gutes Haar: „Er ist als Vorsitzender vollkommen ungeeignet“.
Für sich selbst nimmt sie in Anspruch, als Vorsitzende der Kreisverkehrswacht gemeinsam mit ihrem Team viel Positives geleistet zu haben. Dafür nennt Prediger die neu geworbenen Mitglieder und „unglaublich viele Projekte“.
Im Zusammenhang mit der Berichterstattung der MZ über die Mitgliederversammlung der Kreisverkehrswacht im Hotel „Luitpold“ legt Hotelbesitzer Winfried Stapfer Wert auf die Feststellung, dass aus seiner Sicht keine Rede davon sein könne, dass es im Tagungsraum „eiskalt“ gewesen sei. Der Raum sei angemessen beheizt gewesen, betont Stapfer – das hätten ihm mehrere Sitzungsteilnehmer auch ausdrücklich so bestätigt.