Kammlach Mit der Botschaft „Gemeinsamkeit macht das Unterallgäu stark“ hat Landrat Hans-Joachim Weirather gestern den Wahlkampf um den Landratsposten eröffnet. Beim Dreikönigstreffen der Freien Wähler im Gasthof „Zum Schwanen“ in Kammlach betonte der Kreischef die Erfolge der vergangenen fünf Jahre, die er als Gesamtbilanz aller Kreisräte beschrieb. Seinen wenigen Kritikern aus den Reihen der CSU rief er zu, ohne diese beim Namen zu nennen: Durch derartiges Handeln würden die eigenen Kolleginnen und Kollegen in Misskredit gebracht. Sie sollten fair und sachlich bleiben.
Damit spielte Weirather auf den jüngsten Vorstoß der Kreisräte Franz Mutzel und Roswitha Siegert an, die das Protokoll zweier Personalratssitzungen als nicht richtig moniert hatten, obwohl eine davon bereits vor eineinhalb Jahren stattgefunden hatte (wir berichteten).
Der Erfolg im Landkreis sei ein gemeinsamer. Das Unterallgäu stehe bei wichtigen Kennzahlen hervorragend da. In vielen Feldern liege der Landkreis bundesweit unter den Top 10. Kein Landkreis in Bayern sei sicherer als das Unterallgäu. Im Kreistag seien gemeinsam die Weichen für Erfolge gestellt worden. Für mittelständische Unternehmen seien die Rahmenbedingungen im Landkreis günstig.
Millionen Euro fließen in bessere Gebäude
Als Beispiele nannte Weirather die Schulerweiterungen der zurückliegenden Jahre. In Bad Wörishofen seien gut vier Millionen Euro für ein Schulgebäude verbaut worden, in Babenhausen knapp neun Millionen, in Ottobeuren 8,5 Millionen. Energetisch saniert worden seien einige Schulgebäude, etwa das Sonderpädagogische Förderzentrum oder die Berufsschule in Mindelheim. Ein Viertel des Energieverbrauchs seit 2006 sei dadurch eingespart worden. So soll es weitergehen. In sechs, sieben Jahren sollen alle Schulen im Landkreis generalsaniert sein. Kosten laut Weirather: 45 Millionen Euro brutto. Bis zu 60, 70 Prozent Energie gegenüber 2006 sollen am Ende eingespart werden.
Den Bau neuer Kreisbauhöfe hob Weirather weiter hervor, den Bau von Brückenprojekten bei Lautrach und Türkheim, wobei vor allem das Erstere erst nach einem Verhandlungsmarathon möglich war.
Monate vor der Atomkatastrophe von Fukushima in Japan seien im Planungsverband Donau-Iller bereits die Weichen für die Windkraft gestellt worden. Dem Verband steht Weirather seit 2009 vor. Vorranggebiete wurden benannt. Viele Nachbarn beneideten die Region um die Geschwindigkeit und Qualität dieser Arbeiten.
Bei allem sei der Schuldenstand im Vergleich zu anderen schwäbischen Landkreisen niedrig gehalten worden. Schulden sollten verringert, nicht vermehrt werden.
Gemeinsam sei ein Seniorenkonzept erstellt worden. Ziel sei, Menschen auch im höheren Alter ein lebenswertes Umfeld zu schaffen. Als richtig habe sich gezeigt, die Kreisseniorenheime nicht zu privatisieren, wie von der CSU vor Jahren angeregt. Bei den Kreiskliniken seien die meisten Entscheidungen einmütig getroffen worden. Öffentlich sei ein anderer Eindruck entstanden. Vor zehn Jahren habe die CSU eine Privatisierung gefordert. „Heute sind fast alle im Verwaltungsrat und im Kreistag für die kommunale Trägerschaft“, sagte Weirather. Ihn freue das als Zeichen der Gemeinsamkeit.
Zusammenarbeit mit Memmingen: „Nur über meine Leiche.“
Einer möglichen Zusammenarbeit der Kreiskliniken mit Memmingen habe er den Weg bereitet. „Als ich 2006 als Landrat begann, sagte ein leitender Mitarbeiter der Kreiskliniken: Nur über meine Leiche“. Das sei überwunden, gestorben sei gottlob niemand. Gemeint war niemand anderer als der frühere Chefarzt Dr. Wolfgang Pflederer, der seinen Posten auf Druck Weirathers hatte räumen müssen. Diesen Fall kreiden einzelne aus der CSU Weirather noch heute an. Dass inzwischen auch der Bürgermeister von Ottobeuren, Bernd Schäfer, für das Ottobeurer Krankenhaus gute Perspektiven mit Memmingen sieht, nannte Weirather sehr anerkennenswert.
Für die Rede erhielt Weirather viel Beifall. In knapp drei Wochen, am Donnerstag, 26. Januar, kommen die Freien erneut in Kammlach zusammen. Dann soll Weirather offiziell als Kandidat für die Landratswahl nominiert werden.