1. Startseite
  2. Lokales (Mindelheim)
  3. Für einen sattelfesten Glauben

Unterallgäuer Radlertag

17.08.2018

Für einen sattelfesten Glauben

Copy%20of%20IMG_8253(1).tif
3 Bilder
Pater Alois Schlachter segnete die Räder der über 1000 Teilnehmer, die zum Unterallgäuer Radlertag nach Baumgärtle gekommen waren.
Bild: Franz Issing

Warum über 1000 Teilnehmer am Feiertag zur Wallfahrtskirche nach Baumgärtle kommen

Nass wurden beim 32. Unterallgäuer Radlertag nur die Drahtesel. Ihre Besitzer dagegen bekamen nur Sonne ab. Weit über 1000 Pedalritter steuerten an Maria Himmelfahrt Baumgärtle an, um ihre Räder segnen zu lassen. Unterschiedliche Gründe ließen die Radler einzeln oder in Gruppen nach Baumgärtle strampeln. Meist schwangen sie sich aus religiösen, mitunter aber auch aus rein sportlichen Motiven in den Sattel. Thomas Holzmann ist zum Beispiel gekommen, „weil meine zukünftige Frau bei der Marienandacht im Chor mitsingt“. Einmal am Ziel angekommen, waren die Mühen der Tretmühle schnell vergessen.

Reizvolle Radstrecken durchs Unterallgäu

Schon um die Mittagszeit füllten mehrere hundert Radfahrer in sportlichem Outfit das weite Rund vor der Kirche. Aus der ganzen Region kamen sie zum traditionellen Treff. Alle lobten die gute Organisation und schwärmten von „landschaflich reizvollen Strecken, auf denen einem auch viel Kraft abverlangt wird“. „Lieber mit dem Rad unterwegs, als mit dem Auto im Stau stehen“, ist seit Jahren die Devise von Radlern des „AdFC Memmingen“. 34 von ihnen schafften die 46 Kilometer lange Strecke in nur zweieinhalb Stunden. „Wir steuern jedes Jahr Baumgärtle an, weil wir den Segen wollen und gutes Essen schätzen“, verrät ihr Sprecher Josef Fendt.

Und was halten Pedalritter mit 87, 89, 92 und 93 Jahren von E-Bikes? „Die sind etwas für alte Leute“, scherzt einer der sportlich fitten Senioren. Von Anfang an dabei ist der 89-jährige Gerhard Handl aus Ottobeuren. „Wochentags halte ich mich mit Joggen und Sonntags mit Radfahren fit“, versichert er.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein „Spaziergang“ war für den 68 Jahre alten Fritz Baumgartner aus Dosingen die Tour ins Unterallgäu. Der passionierte Radler hatte erst kürzlich in sechs Tagen mit seinemFahrrad die Alpen überquert, 440 Kilomter zurückgelegt und 12 000 Höhenmeter überwunden. „Das war schon eher eine Tour der Leiden“, sagt er.

Ein sportlicher Pfarrer

In sportlichem Dress mischte sich auch der Markt Rettenbacher Pfarrer Guido Beck unter die Radlerschar. Der Geistliche strampelte aus seinem Urlaubsort Hüttesheim (Alb-Donaukreis) nach Baumgärtle und verriet „Mich reizt die Strecke und dass ich einmal einen Feiertag ohne Verpflichtungen verbringen kann“.

Bei einer Marienandacht bekam der Unterallgäuer Radlertag dann eine religiöse Dimension. Während die Gruppe „Klangzauber“ aus Breitenbrunn musikalische Akzente setzte warb Pater Alois Schlachter für einen „sattelfesten Glauben“ und für viel Bewegung. Dabei wies er auch, wie er sagte auf den „nachweisbaren Zusammenhang von Depressionen und Bewegungsmangel“ hin. Nach dem Gottesdienst segnete der Ordensmann die Fahrräder. „Das war mein Sonntagsspaziergang“, scherzte er. Stark frequentiert wie die Andacht war auch der Stand der Kreisverkehrswacht. Dort konnte man auf einem Linien- Parcours mit einer 0,6 Promille simulierenden Rauschbrille“ seine Fahrtüchtigkeit testen

Der jüngste, der älteste und der weiteste Radler

Für die Ehrungen beim Radlertag war Landrat Hans-Joachim Weirather zuständig. Er verteilte Urkunden und Geldpreise. Belohnt wurde von ihm Linus Brenner aus Kirchstetten, mit drei Jahren der jüngste Teilnehmer. Mit 93 Jahren war Xaver Bresele aus Kempten der älteste Radler. Die weiteste Anreise hatte mit 65 Kilometern Norbert Richter aus Augsburg. Die größte Gruppe stellten mit 60 Teilnehmern die Radlerfreunde aus Zusmarshausen. „Der große Radlertag in Baumgärtle ist für uns seit neun Jahren absoluter Höhepunkt der Saison“ verkündete deren Chef Franz Leutermayr.

Nach dem Ehrungsmarathon, an dem auch Hubert Rogg aus Winterrieden als Baron von Drais mit einem Holzrad teilnahm, trafen sich die Radler zu einem gemütlichen Beisammensein im Schatten der Wallfahrtskirche, wo Musikanten aus Kammlach zünftig zu ihrer Unterhaltung aufspielten. Gestärkt an Leib und Seele traten sie bei strahlendem Sonnenschein dann die Heimfahrt an.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20IMG_8718.tif
Oberneufnach

Ein Freigeist gibt den Taktstock ab

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket