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Bad Wörishofen

21.01.2021

Hotels in der Corona-Krise: So kommt die Staatshilfe an

Die Hotels in Bad Wörishofen dürfen in der Corona-Krise weiterhin nicht für touristische Übernachtungen öffnen.
Foto: Markus Heinrich

Plus Fast alle der 115 Hotels in Bad Wörishofen müssen in der Corona-Pandemie nun noch länger schließen. Hoteliers geben Einblick in ihre Lage.

Die Corona-Pandemie hat das Land weiterhin fest im Griff. Gerade die Hotels und Übernachtungsstätten sind davon besonders betroffen. So sind auch in Bad Wörishofen fast alle der 115 Hotels derzeit geschlossen. Manche nehmen noch Geschäftsreisende auf, das ist erlaubt. Der Lockdown wurde gerade erst bis Mitte Februar verlängert. Die Hoffnung der Hoteliers in Bad Wörishofen ruht nun zunächst auf den angekündigten Staatshilfen. Einige Hoteliers berichten, welche Summen sie bereits erhalten haben. Andere treffen sich derweil mit ihren Versicherungen vor Gericht.

Diese sogenannten Betriebsausfallversicherungen wären eine weitere Möglichkeit für die Hoteliers, ihre Verluste zu begrenzen. Doch hier ist etwa Martin Steinle noch in einer Warteschleife „Wir warten hier auf das Ergebnis von Musterprozessen, bei denen es in erster Instanz positiv ausgesehen hat, aber das kann noch dauern“, sagt er. „Immerhin geht es dabei auch um eine sechsstellige Summe. Inzwischen geht es schon an die Substanz“, berichtet der Hotelier.

„Es geht teils um sechsstellige Summen“, sagt ein Hotelier aus Bad Wörishofen

Dafür sind mittlerweile erste Staatshilfen geflossen. Martin Steinle hat für seinen Betrieb bisher eine Anzahlung von 20.000 Euro erhalten. Er könne es somit erwarten, bis der Rest ebenfalls noch ausbezahlt wird. Dass die Hilfen nötig sind, verdeutlicht Steinle mit einem anderen Beispiel. Auch wenn wieder geöffnet werden darf, müsse mit einer Vorlaufzeit von etwa vier Wochen bis zu den Buchungen gerechnet werden. Bei ihm sind es derzeit 10 bis 12 Gruppen, mit deren Ankunft er aktuell nicht rechnen kann. „Und ob das Schachturnier im März stattfindet, ist auch keineswegs sicher“, bedauert er weiter. Den Verlust in seinem Haus im letzten Jahr beschreibt er mit rund 50 Prozent.

Was, wenn die Ausfallversicherung nicht oder nur teilweise zahlen will?

Einen anderen Aspekt bringt Anna Cebulj vom gleichnamigen Hotel mitten in Bad Wörishofen ins Spiel: „So langsam wird es auch immer schwieriger, die Motivation für die Arbeit zu finden.“ Ein Teil der Hilfen, etwa die Hälfte, kam in der letzten Dezemberwoche an, auf den Rest müsste sie noch warten. Bei den Einnahmen fehlten immerhin fünf Monate, dazu die starken Zeiten um Weihnachten und Silvester. „Im März letzten Jahres war unser Haus bereits voll, dann mussten wir die Leute heimschicken“, so Anna Cebulj. Erfreulich sei gewesen, dass die Buchungen im Juni, als die Hotels öffnen durften, sofort wieder anliefen, weil viele Stammgäste darauf gewartet hätten. Das Hotel habe zudem ein gute Ausfallversicherung abgeschlossen, mit der nach einigen Verhandlungen ein Vergleich möglich wurde.

Hubertus Holzbock kann für den Hotel- und Gaststättenverband, dessen Kreisvorsitzender er ist, den Blick über die Stadt hinaus richten. „Die Abschlagszahlungen für den November und Dezember sind angekommen“, berichtet er. „Ich verstehe aber auch, dass es dauern kann, bis alles eintrifft. Immerhin geht es bei größeren Betrieben um Summen im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Wichtig ist, dass man sich darauf verlassen kann“, so seine Einschätzung. Für die Branche insgesamt dürfte der Einbruch bei ca. 40 Prozent liegen, sagt Holzbock. Er lobt den Einsatz des Hotel- und Gaststättenverbandes, der für die Mitglieder kämpfe, auch darum dass dauerhaft ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz für Hotellerie und Gastronomie gelten soll. Daneben hofft er, dass die Kur bei den Kassen wieder Pflichtleistung wird. Die noch größeren Probleme sieht Holzbock bei den ganz großen Hotels, bei denen seinen Informationen zufolge Angestellte bereits entlassen werden mussten.

In manchen Fällen muss ein Richter entscheiden, auch in Bad Wörishofen

Die Hilfen angekommen sind auch beim Kurhotel Schick in der Kaufbeurer Straße, wie Stephanie Hertel erläutert. Mit der Versicherung sei ein Vergleich geschlossen worden, was aber nur einen kleinen Teil ausmachte. „Insgesamt sind wir bisher gut durchgekommen, mussten aber auf die Rücklagen zurückgreifen“, berichtet sie. „Pech für uns war, dass wir im Januar letzten Jahres renoviert hatten und bald darauf der erste Lockdown kam.“ Jetzt hofft sie, dass ein solcher nicht noch einmal kommt und zumindest an Ostern wieder aufgemacht werden kann. Die Zuversicht will sich Stephanie Hertel jedenfalls nicht nehmen lassen.

Ebenfalls zu einem ungünstigen Zeitpunkt kamen die Schließungen für das Kurheim Roswitha und den Besitzer Franz-Peter Schmid. Er erzählt: „Wir haben das Haus vor neun Jahren gekauft und waren gerade aus dem Gröbsten heraus. Dennoch gibt es keinen großen Engpass, weil wir zuletzt gut gewirtschaftet haben. Ein Drittel der staatlichen Hilfen ist ziemlich schleppend eingegangen und mit der Versicherung sind wir bei Gericht.“ Die jetzige Schließung nutzt er noch einmal für Renovierungen und die Zuversicht in die Zukunft will er sich ebenfalls nicht nehmen lassen. Als große Hilfe bezeichnet er die Kurzarbeit.

Hoffen auf das Oster-Geschäft in Bad Wörishofen

Um das Personal macht sich auch Daniela Merk von der Personalabteilung des Luxushotels Steigenberger „Der Sonnenhof“ Gedanken. „Wir haben zwar geschlossen, aber die Auszubildenden sind im Haus. Sie werden an drei Tagen geschult und an den anderen Tagen lernen sie technische Abläufe kennen. Außerdem werden die Angestellten zu Hause stets auf dem Laufenden gehalten“, beschreibt sie den Kontakt dazu. Daneben stocke das Hotel das Kurzarbeitergeld auf und bedachte das Personal an Weihnachten mit kleinen Geschenken. Gute Monate seien der Juli, der August und der September gewesen. Buchungen gingen derzeit dagegen sehr zögerlich ein und man hoffe jetzt, dass zumindest an Ostern wieder geöffnet sein darf. Dennoch gebe es im Sonnenhof ein Defizit, das vom Besitzer, der DEVK, getragen werden müsse. Betroffen ist auch das Hotel Tanneck in der Hartenthaler Straße in Bad Wörishofen. Christoph Ernst berichtet, dass es eine Abschlagszahlung in Höhe von 50.000 Euro gegeben habe, interessanterweise zuerst für den Dezember, danach erst für den November. Die Zahlungen richteten sich mit 75 Prozent nach dem Umsatz des Vorjahresmonats. Das Übergangsgeld III für den Januar gebe es allerdings nur, wenn im Vorjahr kein Verlust gemacht wurde. Auch Ernst fehlt besonders das Weihnachtsgeschäft, das meist die Zeit bis Ostern überbrückt. „Ohne die staatlichen Hilfen hätten sicher viele Betriebe Insolvenz anmelden müssen“, schätzt der erfahrene Hotelmanager. Die Reserven seien jetzt jedoch ziemlich aufgebraucht.

Als Fazit nennt er, dass er nun auf das Ostergeschäft hoffe und sich darüber freuen würde. Wenn dann die Hotels immer noch zu bleiben müssten, wäre es wohl für viele gefährlich für den Bestand.

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