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MZ-Interview: Mit Kaiser im Reinen, nicht aber mit der CSU

MZ-Interview

Mit Kaiser im Reinen, nicht aber mit der CSU

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    Wahlsieger Hans-Joachim Weirather freut sich, dass sich sein Einsatz im Wahlkampf gegen Marita Kaiser gelohnt hat. Alle Probleme mit der CSU sind nach den Irritationen in der Schlussphase aber noch nicht ausgeräumt.
    Wahlsieger Hans-Joachim Weirather freut sich, dass sich sein Einsatz im Wahlkampf gegen Marita Kaiser gelohnt hat. Alle Probleme mit der CSU sind nach den Irritationen in der Schlussphase aber noch nicht ausgeräumt. Foto: Laurin Schmid

    Mindelheim Mit 62,29 Prozent der Stimmen ist Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler) am Sonntag für eine zweite Amtszeit als Landrat des Unterallgäu wiedergewählt worden. In einem ersten Interview nach der Wahl stellte er sich den Fragen der MZ-Redaktion. Das Gespräch führte Johann Stoll.

    Herr Weirather, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl! Kommt da ein Gefühl der Genugtuung auf?

    Ich freue mich natürlich. Der Einsatz hat sich gelohnt. Aber ich weiß um die Verantwortung. Ich weiß, was mit dem Amt des Landrates alles verbunden ist. Ich kenne den Landkreis Unterallgäu in all seinen Facetten. Ich weiß, wo die großen Aufgaben auf Lösung warten. Ich will dieser Verantwortung auch gerecht werden.

    Wie sind Ihre ersten Tage nach der Wahl verlaufen?

    Ich habe sehr viele Glückwünsche erhalten, auch von ganz unvermuteter Stelle. Sei es vom anderen Ende der Welt von Freunden oder sei es aus Kreisen der CSU. Das stimmt mich zuversichtlich, dass es trotz der einen oder anderen Irritation beste Hoffnungen gibt, dass die Zusammenarbeit eine sehr gedeihliche werden wird.

    Die Freien Wähler und auch Sie haben wiederholt den Wahlkampfstil von Marita Kaiser und der CSU als ins Persönliche gehend kritisiert. Sind bei Ihnen Wunden zurück geblieben?

    Was Frau Kaiser betrifft, nein. Frau Kaiser hat sich am Wahlabend bemüht, das Ganze mit Qualität zum Abschluss zu bringen. Das ist ihr gelungen. Weitere Nachbetrachtungen erspare ich mir.

    Es ist also nichts zurückgeblieben? Es gab ja diesen Rundbrief der CSU wenige Tage vor der Wahl.

    Ich habe gerade von Frau Kaiser gesprochen. Dieser Mitgliederrundbrief, der mir aus CSU-Kreisen zugespielt wurde, der hat mich schon berührt. Insbesondere, wer diesen Brief alles unterschrieben hat und mit welcher Funktion die Namen verbunden wurden. Ich finde es beispielsweise nicht hinnehmbar, dass Herr Birkle als Vorsitzender des Gemeindetags unterschrieben hat.

    Das hat Herr Birkle inzwischen als Fehler der CSU-Geschäftsstelle dargestellt.

    Das nehme ich so zur Kenntnis. Genauso wenig ist es in Ordnung, dass ein engagierter CSU-Politiker wie Herr Weber in seiner Eigenschaft als Bezirkstagsvizepräsident hier unterschrieben hat. Herr Pschierer steht als Staatssekretär darauf. Hier haben in der Hitze des Gefechts einige vergessen, an welcher Stelle sie welche Rolle einnehmen. Der Inhalt war üble Agitation. Da muss man mir eine gewisse Verärgerung nachsehen.

    Werden Sie auf die CSU zugehen und versuchen, die Irritationen aus der Welt zu schaffen?

    Ich habe niemanden beschimpft, ich habe niemanden desavouiert, ich habe niemanden beleidigt. Ich wüsste nicht, bei wem ich mich zu entschuldigen habe.

    Sind Sie nachtragend?

    Nein. Ich habe manchmal ein langes Gedächtnis, aber ich bin nicht nachtragend.

    Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 42 Prozent etwas niedriger als 2006. Nicht einmal jeder Zweite macht von seinem Wahlrecht Gebrauch. Wie erklären Sie sich das?

    2006 hat es vier Kandidaten gegeben. Damals war die Wahlbeteiligung ähnlich schlecht. Da war alles im Angebot, was sich der Wähler nur wünschen kann: SPD, Grüne, Freie Wähler und CSU. Es war gut vonseiten des Bayerischen Landtags, das Bayerische Kommunalwahlgesetz zu ändern. Wenn nur eine singuläre Entscheidung ansteht wie die Wahl des Landrats, dann haben wir halt keine so große Mobilisierung der Wähler wie wenn gleichzeitig auch ein Kreistag oder Bürgermeister und Gemeinderäte gewählt werden. Nachdem Dr. Haisch 2006 seinen Rücktritt erklärt hatte, ist es jetzt folgerichtig, wenn man versucht, diese Wahlperiode wieder an die Kommunalwahlen anzupassen. Dann bin ich zuversichtlich, dass wir bei der Wahl des Landrates in acht Jahren wieder eine bessere Wahlbeteiligung haben werden.

    Werden Sie in den nächsten acht Jahren etwas anders machen? Aus der CSU war im Wahlkampf immer wieder zu hören, Sie seien zu wenig bei den Leuten präsent.

    Da kann ich nur lachen. So einen kompletten Unsinn kommentiere ich nicht. Wer es nicht glaubt, soll sich bitte mal bei meiner Frau, meinen Kindern, meiner Sekretärin oder meinem Büroleiter erkundigen. Die können alle ganz kompetent Auskunft geben, wann ich wo bin.

    Sie fühlen sich also ungerecht behandelt?

    Wenn ich nicht in einer so guten und ausgelassenen Laune wäre, wüsste ich darauf eine sehr derbe Antwort.

    Memmingens Oberbürgermeister war am Wahlsonntag in Mindelheim und hat Ihnen zu Ihrem Erfolg gratuliert. SPD, Grüne und ÖDP haben eine Wahlempfehlung für Sie abgegeben. Haben wir es im Unterallgäu künftig nur noch mit zwei politischen Blöcken zu tun?

    Wenn ein Oberbürgermeister mir zur Wahl gratuliert, dann resultiert das aus einem guten Verhältnis, das wir als Menschen und Amtsträger haben. Als Herr Holzinger vor nicht allzu langer Zeit einen Wahlsieg zu feiern hatte, gehörte ich auch zu den Gratulanten. Dass wir gut miteinander klarkommen, ist in meinen Augen sehr schön und sehr wichtig. Schließlich sind die Verflechtungen zwischen der Stadt Memmingen und dem Unterallgäu sehr eng. Es wäre leichtfertig, wenn man dieses enge Verhältnis zueinander nicht pflegen würde.

    Es hat mich gefreut, dass ich von SPD, den Grünen und der ÖDP Wahlempfehlungen bekommen habe, und das, obwohl wir nicht in allen Dingen einer Meinung sind. Wir haben verstanden, trotz inhaltlicher Meinungsverschiedenheiten eine Basis zu finden.

    Der politische Alltag lässt ja nicht lange Zeit zum Verschnaufen. Was sind die wichtigsten Themen der kommenden Wochen und Monate?

    Es gibt keinen Paradigmenwechsel, wir haben auch keinen neuen Landkreis. Die Dinge gehen in Kontinuität weiter. Ich glaube, dass die Wähler im Unterallgäu sich für Kontinuität ausgesprochen und mir deshalb das Vertrauen geschenkt haben. Ganz Alltag ist aber diese Woche noch nicht. Ich freue mich wirklich sehr über die verschiedenen Gratulanten. Es ist auch schön, auch im Landratsamt zu spüren, dass Mitarbeiter sich über meine Wiederwahl freuen.

    Abschließend noch eine Frage zu den Freien Wählern. Ist die Wahlanalyse schon erfolgt?

    Ja. Ein Kreisvorsitzender Dr. Reinhold Bäßler war am Sonntag etwas geknickt, weil die Freien ausgerechnet in seiner Heimatgemeinde nicht so gut abgeschnitten haben. Wir haben ihn aber gleich wieder aufgerichtet. Das Team hat wunderbar zusammengearbeitet. Es wird in den nächsten Tagen ein Helferfest für die vielen Unterstützer geben. Da werde ich Gelegenheit haben, in guter Laune allen noch einmal Dankeschön zu sagen.

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