Mindelheim Die Kreisklinik in Mindelheim verarbeitet ihre Röntgenaufnahmen seit Kurzem digital. Bisher mussten die Aufnahmen wie ein Film aufwendig entwickelt werden, nun werden sie digital aufgezeichnet. Die neue Technik soll sowohl für die Ärzte als auch für Patienten von Vorteil sein.
Erst kürzlich habe es auf der Intensivstation eine Situation gegeben, in der sich die Digitaltechnik bewährt habe, sagte Chefarzt Manfred Nuscheler am Montag bei einer Präsentation der neuen Geräte. Auf den Röntgenaufnahmen eines Patienten sei zunächst nicht ersichtlich gewesen, ob die eingesetzte Magensonde auch tatsächlich bis in den Magen reiche. Früher wäre in so einem Fall eine neuerliche Aufnahme nötig gewesen. Durch eine veränderte Belichtung der Digitalaufnahme habe sich dies jedoch erübrigt. „So konnten wir dem Patienten eine weitere Aufnahme ersparen“, sagte Nuscheler. Die neue Technik erleichtert auch die Arbeit im Operationssaal. Mit ein paar Mausklicks könne er sich nun alte Röntgenbilder auf den Bildschirm holen, erzählt Chirurg Oliver Schneckenburg. „Früher musste ich lange rumkruschteln.“
Ganz billig ist das digitale Röntgen nicht. Das neue System hat um die 150 000 Euro gekostet. Allein der hochauflösende 42-Zoll-Bildschirm in einem der Operationssäle hat einen Wert von 8000 Euro. Alleine hätte die Klinik diese Ausgaben derzeit nicht bewältigen können. Vermutlich hätte das Krankenhaus erst in den Jahren 2012 oder 2013 mit dem sukzessiven Aufbau des Systems beginnen können, schätzt Franz Huber, der Vorstand der Kreiskliniken Unterallgäu. Wenn das Bauunternehmen Riebel nicht mit einer 90 000-Euro-Spende für den finanziellen Anschub gesorgt hätte.
Mit der Einführung des digitalen Röntgens schließt Mindelheim zu vielen anderen Kliniken auf. An die 70 Prozent der Krankenhäuser sind nach Angaben der Gerätehersteller bereits mit der Digitaltechnik ausgestattet. „Viele Großkliniken verfügen schon über solche Systeme, sagt Huber. Häuser, die für die Grund- und Regelversorgung da seien, hingen dagegen oft noch ein bisschen hinterher.
Der Ausbau des digitalen Röntgens ist ein weiterer Schritt in Richtung Vernetzung der Krankenhäuser. Dadurch, dass die Digitalaufnahmen von jedem zugelassenen Rechner im Krankenhaus aus zugänglich sind, kann sich ein Chirurg auch während einer Operation Rat eines Kollegen einholen. Strenge Datenschutzregeln lassen das momentan nur innerhalb eines Hauses zu. Ausgeschlossen ist aber nicht, dass sich ein Mindelheimer Arzt irgendwann in Echtzeit Beistand eines auswärtigen Experten holen kann.