Für viele ist der 29. Februar ein ganz normaler Arbeitstag. Doch angenommen, man bekäme diesen Tag geschenkt und dürfe damit machen, was man will – was würde man tun? Wir haben vier Menschen dazu befragt.
Ohne Uhr geht er nicht aus dem Haus
Zeit muss man sich selber schenken
Den ganzen Tag über den Fußballplatz toben
Ein paar Minuten müssen drin sein
Ein geschenkter Tag? „Das gibt’s ja nicht oft“, sagt Pfarrer Erik Herrmanns aus
. Sein Terminplan ist voll, doch ein paar freie Minuten am Tag müssen drin sein, meint er. Für die Passionszeit gibt ihm ein Heft passende Anstöße zur Besinnung. Zumindest ein halber geschenkter Tag ist für Herrmanns der Montagvormittag, da hat er frei. Hätte er einen ganzen Tag zur freien
Verfügung
, würde er sich vor allem Zeit für seine Mitmenschen nehmen. „Daraus schöpfe ich Kraft, und natürlich aus der Beziehung zu Gott.“ Gut fände er es, wenn es den 1. Januar nur alle vier Jahre gäbe. „Ich finde, das ist ein komischer Tag: Den halben Tag verschläft man, und in der anderen Hälfte des Tages räumt man auf.“Schüler Jonas Schächer hat eine genaue Vorstellung, was er mit einem geschenkten Tag anfangen würde. „Ich würde den ganzen Tag Fußball spielen“, sagt der FC Bayern-Fan, der in der F-Jugend der Spielgemeinschaft
Tussenhausen
/Mattsies kickt. Dribbeln, Tore schießen und mit seiner Mannschaft stundenlang über den Rasen toben – für den Zweitklässler wäre es der perfekte Tag. Genauso gut würde ihm ein Ausflug mit der Familie gefallen. „Wir könnten zum Beispiel ins
Kino
gehen“, sagt der Siebenjährige. Wenn er für den geschenkten Tag einen anderen Tag aus dem Kalender streichen könnte, dann wäre es der Montag nach den Ferien.Statt am ersten Schultag wieder die Schulbank zu drücken, würde er viel lieber auf dem Fußballplatz stehen.
Hanni Hofer
aus
Oberkammlach
hat nicht nur heute, sondern regelmäßig mit geschenkten Tagen zu tun: Als Hospizhelferin begleitet sie Todkranke, die oft jeden weiteren Tag als Geschenk empfinden – und sie schenkt ihnen ihren Tag. In der Regel ist der dicht gefüllt mit persönlichen, familiären und beruflichen Terminen. Doch wenn es ihr dann doch einmal gelingt, sich Freiraum zu schaffen, dann sei das ein geschenkter Tag. So wie vor einigen Wochen, als sie dem Nebel in Richtung
Obersdorf
entfloh. Und noch etwas empfände sie als Geschenk: Wenn in den Nachrichten nur alle vier Jahre einmal Negatives käme. „Auch wenn das utopisch ist. Aber man könnte doch auch mal bringen, wie viele Ehen nicht geschieden werden oder wo Menschen sich bemühen“, findet sie.Der 29. Februar ist für Uhrmachermeister
Jürgen Kolonko
aus
ein ganz gewöhnlicher Arbeitstag. Die deutsche Tugend Pünktlichkeit ist dem Siebzigjährigen jedoch wichtig, ohne Uhr am Handgelenk gehe er nicht aus dem Haus, sagt er. Bekäme er einen Tag geschenkt, würde er zuerst einmal im Familienkreis schön gemütlich frühstücken. Dann vielleicht einen großen Spaziergang machen und in der freien Natur Sport treiben. „Die Gesundheit zu erhalten ist in meinem Alter das Wichtigste“, sagt
Jürgen Kolonko
.