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Bad Wörishofen

05.11.2019

Schwules Filmfest setzt Maßstäbe

Pride steht auf dem Plakat – und stolz waren Organisator Michael Scharpf (links) und Kinobetreiber Rudolf Huber am Ende auch auf den Verlauf des 25. schwulen Filmfestes in Bad Wörishofen.
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Pride steht auf dem Plakat – und stolz waren Organisator Michael Scharpf (links) und Kinobetreiber Rudolf Huber am Ende auch auf den Verlauf des 25. schwulen Filmfestes in Bad Wörishofen.
Bild: Thessy Glonner

Livemusik zu einem hochdramatischen Filmwerk, eine Vorstellung der Turngemeinschaft Allgäu im Kino – die 25. Auflage gerät zu etwas Besonderem.

„Anders als die Anderen“ – besser als mit dem Titel des vor genau 100 Jahren erstmalig präsentierten Kinokunstwerks hätte der Gay Summit Club (GSC) Allgäu – in Zusammenarbeit mit dem Filmmuseum München – die 25. Auflage des schwulen Filmfests im Kino in Bad Wörishofen kaum bereichern können. Damals entwickelte sich der Streifen zum Skandalfilm. Heute zieht eine Veranstaltung wie das schwule Filmfest alle an, egal ob „Homo“ oder „Hetero“. Akzeptanz und Toleranz gehören inzwischen zur Normalität. Das zeigte sich schon daran, dass die Karten für das Event – das zu einem der ältesten dieser Art zählt – für den ersten Tag total und für den erstmals anberaumten zweiten Tag fast ausverkauft waren. Klar, dass Organisator Michael Scharpf und Kinobetreiber Rudolf Huber da zufrieden waren.

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Der sowieso schon hochdramatische Stummfilm „Anders als die anderen“, in dem wegen „gesellschaftlicher Schande“ letztlich nur der Suizid als Ausweg schien, wurde für die Zuschauer in Bad Wörishofen zum besonders emotionalen Erlebnis. Die großartige Filmkreation wurde von der versierten japanischen Konzertpianistin Masako Ohta live am Klavier mit sensibelstem Einfühlungsvermögen begleitet. Sittenbildkino der ganz feinen Art wurde zur großen Freude des Publikums mit der Exklusivpräsentation von „A Very English Scandal“ mit Hugh Grant – laut Scharpf – „in seiner bislang besten Rolle, als machtbesessener Politiker“ gezeigt. Nach der wahren Geschichte über die heimlich ausgelebte Homosexualität eines Vorsitzenden der Liberal Party.

Spannung, schwarzer Humor und Dramatik mit Hugh Grant

Spannung pur, reichlich schwarzer Humor und Dramatik zeichnen den Film aus, für den Ben Whisaw als herrlich einfältiger Naivling sogar den Golden Globe erhielt. Wie brisant damals das Thema noch war, zeigt sich im Dialog, in dem der Verteidiger des Angeklagten über dessen Widersacher resümiert: „Ein bekennender Homosexueller, eine neue Welt, die sich auftut.“ Ein weiteres Highlight im Kultkino der Kurstadt war der international mit zahlreichen Preisen bedachte Spielfilm „Priscilla - Königin der Wüste“. Rudolf Huber ist es gelungen, aus England die Vorführrechte der außergewöhnlichen Geschichte über drei Travestiekünstler zu bekommen.

Schwules Filmfest setzt Maßstäbe

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Schwules Filmfest setzt Maßstäbe
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So war das 25. schwule Filmfest Bad Wörishofen
Bild: Thessy Glonner

Beate Schmid aus Schwabmünchen zeigte sich besonders ergriffen von der „Zerrissenheit der Mutter“ im Film „Out in the Dark“. Hochwertige Kurzfilme trugen ebenfalls zur Begeisterung bei, speziell die fantastische, klassische Ballett-Choreografie, getanzt im Kirchenambiente.

Turner zeigen im Kino Bad Wörishofen ihr Können

Die Turngemeinschaft Allgäu bot unter viel Applaus akrobatische Künste, und Fotograf Andreas Klemm stellte seinen neuen Kalender vor, den er mit den Turnern umgesetzt hat. Wie sorgfältig Organisator Scharpf die Filme auswählt, kann man nachvollziehen, wenn man weiß, dass er sich dafür ein Dreivierteljahr Zeit nimmt. Wie Scharpf und Huber auf die einzelnen Darbietungen einstimmen, das macht richtig Laune, und so gibt es seit Jahren zahlreiche Stammkundschaft, die sich nichts vom GSC-Programm entgehen lässt.

So wie Stephan Schleich aus Bad Wörishofen. Gemeinsam mit seiner Frau Caroline fieberte er jedem der Filme voller Vorfreude entgegen. Töchterchen Leni durfte die Eltern dann in der Pause besuchen. Die angebotenen Speisen und auch die Auswahl an leckeren hausgebackenen Kuchen und Torten war riesig – auch dafür ist das Festival weithin bekannt.

„Wir – das gesamte Team – sind happy über die Resonanz“, äußerte sich Scharpf zum Jubiläumsevent von GSC und fügte überzeugt hinzu: „Selten eine so gelöste, entspannte und gleichbleibend gute Stimmung erlebt, einfach ein schönes Fest.“

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