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Unterallgäu: Raunächte: Diese Legenden gibt es im Unterallgäu

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Raunächte: Diese Legenden gibt es im Unterallgäu

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    Diese Radierung von Francisco de Goya zeigt zwei Hexen auf dem Weg zum Blocksberg. Vielleicht sind sie Teil der „wilden Jagd“.
    Diese Radierung von Francisco de Goya zeigt zwei Hexen auf dem Weg zum Blocksberg. Vielleicht sind sie Teil der „wilden Jagd“. Foto: Goya

    Wilde Gestalten mit feuerschnaubenden Streitrössern fegen über „Uottenburren hinweg“: Derart uralten Erzählungen und Legenden von den sagenhaften Raunächten hat der Ottobeurer Mundartpoet Hermann Schmid nachgespürt. Schon seine Oma habe ihm früher erzählt, dass Raunächte tatsächlich „raue Tage“ bedeutet haben.

    Die Kelten hätten nach dem Mondjahr gezählt und die Germanen nach dem Sonnenjahr, so Schmid. Und über die Zeit „zwischen den Jahren“ – den winterlichen „Raunächten“ – seien uralte Erzählungen erhalten geblieben.

    In den Raunächten sind mystische Gestalten unterwegs

    In der letzten Woche im alten und der ersten Woche im neuen Jahr geht es um die „Wilde Jagd“, auch „Wotansritt“ oder „Wuetesjagd“ genannt. Bei den mystischen Geistergeschichten der Altvorderen haben sich laut Schmid die „irdischen und die ungreifbaren Räume“ vermischt. In treibenden Wolken hätten die Menschen „wilde Haufen aus waffenklirrenden Gestalten mit feuerschnaubenden Streitrössern“ gesehen, die über das damals noch verträumte „Uottenburren“ hinwegfegten.

    So funktioniert das Räuchern

    Das Räuchern mit Kohle ist die traditionelle Methode, die in den Raunächten angewandt wird. Für eine Hausreinigung entsteht dabei eine Menge Rauch. André Heichel empfiehlt dafür eine mit Sand gefüllte Schale aus Keramik oder Messing, dazu Räucherkohle und eine Zange oder einen Löffel für das Räucherwerk.

    Die Räucherkohletablette wird dazu angezündet – an kleinen sprühenden Funken ist erkennbar, dass der Selbstzündemechanismus sich in Gang setzt. „Falls es nicht gleich klappt, die Kohle über eine Kerze halten“, empfiehlt der Profi. Nach etwa fünf Minuten, wenn sich eine grau-weiße Ascheschicht gebildet hat, kann das Räucherwerk mit einer Zange oder einem kleinen Löffel aufgelegt werden.

    Die verglimmten Reste sollte man mit der Zange von der Kohle schieben und wenn erforderlich neues Räucherwerk auflegen. „Bleiben verglimmte Reste auf der Kohle, kommt es zu unangenehm verbrannter Geruchsbildung“, erklärt André Heichel.

    Die Brenndauer der Kohle beträgt etwa eine Stunde, den Rest sollte man unter Aufsicht im Gefäß vollständig verglühen lassen. Unvollständig verglühte Kohle darf nie im Abfall entsorgt werden.

    Wer das Räuchern als Aromatherapie einsetzt, kann alternativ ein Räucherstövchen mit einem Metallsieb benutzen. Das Räucherwerk wird darauf mit einem Teelicht sanft erwärmt, anstatt zu verglühen duften die Kräuter, Harze und Hölzer darauf sanft.

    Der an Sprachentwicklung und Heimatgeschichte gleichermaßen interessierte Autor erklärt, was er unter „Altvorderen“ meint: keltische, ladinische und illyrische Alteingesessene und schubweise zugereiste alamannische Völkerwanderungsflüchtlinge seien das damals gewesen. Den Sagen zufolge sollen sich die Wüteriche am westlichen Bannwald gesammelt haben. Offenbar sausten die sogenannten „Uotwüteriche“ wie Windsbräute über die Schelmenheide zum Buschelberg, wo sie verschwanden.

    Wer seinen Kopf zu weit hinaussteckte, dem schwillt der "Mollagrend" an

    Die „Uraltottobeurer“, die schon der Runenschrift kundig gewesen waren, so Schmid, sollen den Überlieferungen nach während der Raunächte alle „Oihoimischa“ davor gewarnt haben, in den wilden Stunden die Holzbretter aus den Fensterhöhlen zu nehmen. Sie sollten die Eichenbretter zum Schutz der Köpfe lieber geschlossen halten. Schmid verrät den Grund: Man vernehme während der „Wuetesjagd“ eine wundersame, überirdisch schöne Musik. Doch wer neugierig lauschen wolle und deshalb den Kopf aus dem Windloch strecke, dem schwelle dann der „Mollagrend“ so an, dass er nicht mehr in die Stube zurückfinde.

    Schelmisch merkt Schmid dazu an, dass aus dieser fernen Zeit offenbar der Begriff „Großkopfete“ stamme und resümiert mit Augenzwinkern: „Unklar ist allerdings, ob sich dieser so bezeichnete Personenkreis heutzutage zu Raunachtzeiten immer noch gelegentlich zu weit aus dem Fenster lehnt.“

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