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Unterallgäu: Stellenabbau: Verhandlungen bei Lang Papier gescheitert

Unterallgäu

Stellenabbau: Verhandlungen bei Lang Papier gescheitert

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    Pressekonferenz Lang Papier: Werksleiter Thomas Krauthauf. Lang will in Folge der verschlechterten Wirtschfatslage 85 Stellen streichen.
    Pressekonferenz Lang Papier: Werksleiter Thomas Krauthauf. Lang will in Folge der verschlechterten Wirtschfatslage 85 Stellen streichen. Foto: Florian Eisele

    Paukenschlag für die Mitarbeiter und den Betriebsrat von Lang Papier: Gestern Mittag erklärte die Leitung von Lang Papier in Ettringen die Gespräche zwischen Betriebsrat und Arbeitgeberseite für gescheitert.

    An die Stelle von Verhandlungen zwischen Unternehmensführung und Arbeitnehmern soll nun ein Einigungsstellenverfahren treten, mit dem eine Lösung für die geplanten Stellenstreichungen gefunden werden soll. Lang Papier, das zum finnischen Mutterkonzern Myllykoski gehört, kündigte Anfang Oktober an, aufgrund der wirtschaftlichen Lage 85 Stellen streichen zu wollen. In Ettringen sind derzeit 550 Personen beschäftigt.

    Dass die Verhandlungen nun gescheitert sein sollen, mag ein hörbar geschockter Betriebsratsvorsitzender Bernd Ulbrich kaum glauben: "Wir fühlen uns komplett überrollt. Anscheinend ist der Konzernführung das Schicksal der Belegschaft gerade mal zwölf Stunden wert." Zwölf Stunden - genauso lange dauerten nach Angabe des Betriebsrates die bisherigen drei Gesprächsrunden zusammengerechnet. Von Verhandlungen will Ulbrich aber eigentlich nicht sprechen: "Uns ging es in allen bisherigen Gesprächen immer darum, Grundlagen zu schaffen und uns über die Pläne der Geschäftsleitung zu informieren." Über dieses Stadium sei man im Wesentlichen nicht hinausgekommen. "Jetzt wurden uns als Betriebsrat alle Möglichkeiten des Betriebsverfassungsgesetzes genommen."

    Die Vertretung der Angestellten wollte sich von der Geschäftsführung zeigen lassen, in welchen Bereichen diese ein Potenzial sehe, um Stellen zu streichen. Schließlich ist die Belastung bei Lang Papier hoch: Im Jahr häufen die Angestellten des Unternehmens durchschnittlich 10 000 Überstunden an. Und in diesem Jahr habe es wegen der vielen Aufträge sogar Überlegungen gegeben, den Weihnachtsurlaub zu streichen und durchzuarbeiten - ein Vorstoß, der allerdings wieder zurückgezogen wurde.

    Auch für Thorsten Falke von der Industriegewerkschaft IG BCE ist das Vorgehen der Konzernführung nicht nachvollziehbar. "Das ist ein überhebliches Verhalten des Arbeitgebers. Außerdem wundert mich, dass etwas scheitern kann, was noch gar nicht begonnen hat", so der Gewerkschafter. Von einer umfassenden Information könne laut Falke zudem keine Rede sein: Die von der Konzernführung an den Betriebsrat herangetragenen Informationen seien "dilettantisch" und offenbarten die Konzeptlosigkeit von Lang. So habe es keine Erklärung gegeben, wie die Arbeitskraft von 85 Stellen, die gestrichen werden sollen, aufgefangen werden könne.

    Dass Lang Papier nun den Gang zur Einigungsstelle wagt, dahinter steht für Falke ein Konzept: "Damit soll es nicht mehr um die Frage gehen, ob es Stellenstreichungen gibt, sondern nur noch um das Wie." Begründet sieht Falke dies in dem Zeitdruck, der auf den Verantwortlichen lastet. "Die Verantwortlichen stehen finanziell unter Druck und wollen Lang zu einem vernünftigen Preis verkaufen - auf Kosten der Belegschaft." Hintergrund: Der finnische Papierkonzern UPM interessiert sich für mehrere Standorte innerhalb des Myllykoski-Konzerns, unter anderem für Lang Papier. Mit einer vorgezogenen Stellenstreichung solle der Kaufpreis für Lang nach oben getrieben werden.

    Eine Vermutung, die von der Unternehmensführung dementiert wird. "Die Positionen sind zu weit auseinander. Wir sehen keine Chancen, auf diese Weise in vertretbarer Zeit eine Einigung zu erzielen", so Werksleiter Thomas Krauthauf. Vorwürfe, dass die Gegenpartei nicht umfassend informiert worden sei, weist Krauthauf zurück. So hätte die Unternehmensleitung beispielsweise Fragebögen des Betriebsrates ausgefüllt. Dass es wegen der wirtschaftlichen Lage einen enormen Zeitdruck gibt, bestätigt Krauthauf jedoch. "Wir sind nun seit elf Wochen in Gesprächen und der Betriebsrat hat sich keinen Millimeter auf uns zubewegt. Und mit jedem Monat, in dem nichts passiert, verlieren wir Geld." Dass die Verhandlungen nun den Weg über die Einigungsstelle gehen, sei nicht mehr vermeidbar gewesen. Von Florian Eisele

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