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Mindelheim

16.06.2020

Was bringt eine Tiefgarage Mindelheim wirklich?

Soll in Mindelheim eine zweite Tiefgarage entstehen? Diese Frage diskutieren die Stadtpolitiker und viele Bürger. Befürworter sehen mehr Parkraum als Chance für die Läden und Gastronomiebetriebe, zum Beispiel in der Mindelheimer Maximilianstraße. Aber braucht es dafür eine neue Tiefgarage?
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Soll in Mindelheim eine zweite Tiefgarage entstehen? Diese Frage diskutieren die Stadtpolitiker und viele Bürger. Befürworter sehen mehr Parkraum als Chance für die Läden und Gastronomiebetriebe, zum Beispiel in der Mindelheimer Maximilianstraße. Aber braucht es dafür eine neue Tiefgarage?
Bild: Oliver Wolff

Plus Kreisheimatpfleger Peter Kern fordert mehr Einsatz von der Stadt Mindelheim für den Einzelhandel und die Gastronomie. Parkraum ist da nur ein Teil des Problems

In die aktuelle Debatte um eine mögliche zweite Tiefgarage für die Mindelheimer Altstadt hat sich Peter Kern eingeschaltet. Kern ist seit 35 Jahren Architekt und seit 13 Jahren Kreisheimatpfleger im Unterallgäu. Sorgsamer Umgang mit historischer Bausubstanz ist ihm seit Jahrzehnten ein besonderes Anliegen. Kern zeigt Verständnis für den Wunsch, neuen Parkraum in der Mindelheimer Innenstadt zu schaffen. Ob dafür allerdings eine Tiefgarage das richtige Mittel ist, bezweifelt er.

Zumal das wohl die teuerste Lösung wäre. Die Mindelheimer Altstadt sei fast wie am Reißbrett geschaffen worden, sagt Kern und zeichnet das auf einem Blatt Papier auf. Es gibt vier Eingänge und eine Ringstraße, die den Verkehr aufnehmen kann. An allen vier Zugängen könnte mehr Parkraum geschaffen werden, wenn dort nachverdichtet werden würde, betont Kern. Mit einer zweiten und dritten Parkebene ließen sich die Kapazitäten verdoppeln.

Parkhäuser in Ständerbauweise könnten für Mindelheim eine Lösung sein

Alle Geschäfte und Lokale der Innenstadt könnten in weniger als fünf Gehminuten erreicht werden. Solcher Parkraum wäre relativ kostengünstig in Ständerbauweise zu lösen. Planer sprechen hier von Regalen. Dass dies optisch ansprechend gestaltet werden kann, zeigten zahlreiche Beispiele, etwa in Freiburg.

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Aus Sicht des Kreisheimatpflegers sollte die Stadt die Planung selbst in die Hand nehmen und nicht „auf den Zug eines Investors aufspringen“. Peter Kern will nicht missverstanden werden. Investoren seien gut für eine Stadt. Aber die Stadt müsse die Rahmenbedingungen vorgeben. Zuerst müssten immer Fragen geklärt werden wie: Ist etwas gut für die Stadtentwicklung? Ist etwas kontraproduktiv?

Planung sei immer sehr gut angelegtes Geld, so Kern, der an den Architekten Karl Erdmannsdorfer erinnert, der das schon vor 100 Jahren in einem Buch beschrieben hat. Gute Planung erspare Zeit und Ärger. Erdmannsdorfer war übrigens Ausbilder des Architekten Paul Wiedemann. Und der wiederum war ein enger Freund des früheren Ehrenbürgers Erwin Holzbaur.

Eine Tiefgaragen-Zufahrt über den Holzbaur-Garten sei "denkmalpflegerisch nicht zu vertreten"

Dass Peter Kern die Zufahrt zu einer möglichen Tiefgarage über den Garten von Erwin Holzbaur und den Stadtgraben ablehnt, ist wenig überraschend. „Das ist denkmalpflegerisch nicht zu vertreten“. Holzbaur habe die Stadtmauer sehr gepflegt. Schon bei der Ochsen-Tiefgarage sei ein Teil der historischen Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert geopfert worden. „Das ist viel mehr als ein Bauwerk“, sagt Kern. Solche Denkmale hätten hohen Quellenwert. Sie zeigten auf, „wie wir entstanden sind“.

Peter Kern

Identität und kollektives Wissen gingen verloren. „Wir müssen in Mindelheim aufpassen, dass wir uns nicht damit begnügen, historisierend zu leben“. Kern spielt damit auf Sanierungen in der Altstadt an, die das Alte nur auf den ersten Blick bewahrt haben.

Mindelheim soll ein Förderprogramm auflegen und mehr Werbung machen

Viel mehr sollte die Stadt für den Einzelhandel und die Gastronomie tun. Ein Förderprogramm auflegen und mehr Werbung machen, das empfiehlt Kern. In der Altstadt kauft man dann gerne ein, wenn man sich wohlfühlt, ist er überzeugt. Gastronomie und Einzelhandel gehören also zusammen. Die Innenstadt sollte belebt werden. Statt „drive in“ sollte es „stay in“ heißen. Viel großzügiger sollte Außenbewirtschaftung erlaubt werden, sagt Kern. Davon würde auch der Einzelhandel profitieren, ist er überzeugt.

Für aus der Zeit gefallen hält Kern auch die Stellplatzsatzung. Große Städte wie Berlin haben davon bereits Abstand genommen. Die Mobilität verändere sich. Kern ist sicher, dass in zehn, 20 Jahren Carsharing weit verbreitet sein wird. Er kann sich vorstellen, dass ein autonom fahrendes Elektrofahrzeug Menschen in die Innenstadt fährt.

Wenn in Mindelheim eine weitere Tiefgarage kommen sollte, dann mit Zufahrt über die Fuggerstraße

Sollte nach einer intensiven Prüfung eine Tiefgarage am Klosterareal die richtige Lösung für die Altstadt sein, dann plädiert Kern eindeutig für die Zufahrt über die Fuggerstraße. Das Argument, damit würde Verkehr in die Altstadt gelockt, lässt Kern nicht gelten. „Die paar Anlieger mehr spielen eine untergeordnete Rolle“, so Kern. Die Größenordnung sei zu vernachlässigen.

Im Übrigen hat der Stadtrat selbst sein Konzept aufgeweicht, indem er den motorisierten Verkehr am Unteren Tor für beide Durchfahrten kurzfristig freigab. Nach dem Bürgerbeteiligungsprozess war das anders vorgesehen. Fußgänger sollten besser geschützt werden.

Mehr zur geplanten Tiefgarage in Mindelheim lesen Sie hier:

Debatte um Mindelheimer Tiefgarage: Wo nur hin mit der Zufahrt?

Mehr Parkplätze und mehr Radwege in Mindelheim

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