Startseite
Icon Pfeil nach unten
Mindelheim
Icon Pfeil nach unten
Oberrieden
Icon Pfeil nach unten

AfD-Bürgerdialog in Mittelrieden: Standing Ovations drinnen, Protest draußen

Mittelrieden

AfD-Bürgerdialog in Mittelrieden: "Für mich ist das ein großer Naziverein“

  • |
  • |
  • |
  • |
    Ein Besucher des AfD-Bürgerdialogs in Mittelrieden unterhält sich mit den Demonstranten von "Mindeheim hält zam".
    Ein Besucher des AfD-Bürgerdialogs in Mittelrieden unterhält sich mit den Demonstranten von "Mindeheim hält zam". Foto: Ulla Gutmann

    Kurz vor 19 Uhr lassen die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes keine Besucher mehr in den Saal des Gasthauses Sonne in Mittelrieden. Das Interesse am Bürgerdialog der AfD ist riesig. Im Saal drängen sich gut 200 Besucherinnen und Besucher, vor dem geöffneten Seiteneingang stehen die, die nicht mehr eingelassen wurden. Sie alle wollen hören, was der hiesige Landtagsabgeordnete Christoph Maier, Fraktionschefin Kathrin Ebner-Steiner und Gastredner Gerald Grosz aus Österreich zu sagen haben. Lautstark empfangen wurden sie auf dem Parkplatz von den rund 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmern einer Gegendemonstration, die das Bündnis „Mindelheim hält zam“ organisiert hatte.

    Im voll besetzten Saal des Gasthauses Sonne in Mittelrieden sprachen (von links) der österreichische Autor Gerald Grosz, Fraktionschefin Kathrin Ebner-Steiner und der Landtagsabgeordnete Christoph Maier. Zu den Gästen gehörte zudem dessen Kollegin Christin Gmelch aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.
    Im voll besetzten Saal des Gasthauses Sonne in Mittelrieden sprachen (von links) der österreichische Autor Gerald Grosz, Fraktionschefin Kathrin Ebner-Steiner und der Landtagsabgeordnete Christoph Maier. Zu den Gästen gehörte zudem dessen Kollegin Christin Gmelch aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Foto: Sandra Baumberger

    Während sie unter anderem „Nazis raus“ und „Hass ist keine Meinung“ skandieren, strömen die Gäste in den Saal. Ein paar wenige suchen das Gespräch mit den Demonstranten. „Das finde ich gut, dass Sie herkommen“, sagt eine von ihnen zu einem der Besucher. Er sagt, er habe die AfD aus Protest gewählt, der Beginn eines durchaus sachlichen Gesprächs. Auch Kreisrat Ernst Gradl geht auf die Demonstranten zu. „Nazis sind gefährlich“, hält ihm eine Frau vor, worauf er entgegnet: „Ja sicher, das finde ich auch.“

    „Die AfD ist für mich ein großer Naziverein“, sagt eine 82-jährige Demonstratin

    Offenbar hält er sich und seine Mitstreiter nicht für Nazis, doch Brigitte Möller ist vom Gegenteil überzeugt. „Die AfD ist für mich ein großer Naziverein“, sagt die 82-Jährige, die ein Plakat mit der Aufschrift „Stoppt AfD! Für Demokratie!“ in die Höhe reckt. „Ich hab die Kriegs-Ruinen noch gesehen – live.“ Dass die AfD, die in Teilen als rechtsextremistisch eingestuft wird, so viele im Unterallgäu anspricht, bereitet ihr Sorgen. „Ich weiß nicht, wo die waren im Geschichtsunterricht. Vielleicht Kreide holen oder im Kartenlager?“ Dann entdeckt sie einige Frauen am Eingang zum Gasthaus. „Mein Gott, die wissen gar nicht, was sie sich antun. Die sind doch nur die Petersilie auf der Platte“, sagt sie kopfschüttelnd.

    "Jeder Mensch ist wertvoll, überall", "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" und "Kein Ort für Rechtsextreme" stand unter anderem auf den Plakaten, mit den denen rund 30 Männer und Frauen auf dem Parkplatz des Gasthofs Sonne in Mittelrieden gegen den AfD-Bürgerdialog protestierten.
    "Jeder Mensch ist wertvoll, überall", "Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen" und "Kein Ort für Rechtsextreme" stand unter anderem auf den Plakaten, mit den denen rund 30 Männer und Frauen auf dem Parkplatz des Gasthofs Sonne in Mittelrieden gegen den AfD-Bürgerdialog protestierten. Foto: Ulla Gutmann

    Drinnen gibt es für jeden Besucher ein Freigetränk und anschließend drei Reden mit vorhersehbarem Inhalt. Christoph Maier beklagt unter anderem, dass die Oppositionsarbeit seiner Partei permanent blockiert werde, und betont, dass sie trotzdem indirekt wirke. Anschließend spricht Kathrin Ebner-Steiner über den Erfolg der AfD bei der jüngsten Kommunalwahl, kriminelle Ausländer und das Bürgergeld, das abgeschafft werden müsse, weil es sich um „Migrantengeld“ handle.

    Der österrechische Populist Gerald Grosz begeistert das Publikum in Mittelrieden

    Zu guter Letzt tritt Gerald Grosz ans Mikrofon. Der Populist aus der Steiermark zieht das Publikum mit seiner teils geifernden, teils betont gemäßigten Rede in seinen Bann. Die Stimmung im Saal könnte nicht besser sein, immer wieder wird geklatscht und herzhaft gelacht, wenn er Markus Söder wahlweise als „Weißwurscht-Faschisten“, „Fettauge auf der Rindsbrühe“ und „begnadetsten Maulhelden aller Stammtische“ bezeichnet. Seine These: Die deutsche Regierung habe den Bürgerinnen und Bürgern Freiheit, Wohlstand und Sicherheit versprochen und dieses Versprechen gebrochen. Er habe keinen ethnischen Volksbegriff, sondern unterscheide wie der Philosoph Georg Hegel nur zwischen Gut und Böse. Und die Bösen wolle er nicht in Europa haben. Am bemerkenswertesten ist vielleicht sein Rat: „Wir müssen aufpassen, uns nicht mit unserem eigenen Gift zu vergiften.“

    Am Ende gibt es Standing Ovations und als Gerald Grosz dazu einlädt, Selfies mit ihm zu machen, stehen die Leute Schlange. Auch Fotos mit Kathrin Ebner-Steiner sind begehrt. Sie gibt sich leutselig, nahbar: „Ich bin die Kathrin.“ Der angekündigte Bürgerdialog beschränkt sich auf die anschließenden Gespräche an den Tischen und darauf, wie Maier auf Nachfrage dieser Redaktion erklärt, dass er und die beiden anderen Redner ja auch Bürger seien.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren