Zu keiner Zeit des Jahres gibt es mehr Bräuche und Traditionen als zwischen dem ersten Advent und dem Jahreswechsel. Auch wer mit Brauchtum sonst wenig bis nichts anfangen kann, ist plötzlich mittendrin im Kerzen-, Plätzchen- und Dekowahn. Und dann sind da ja noch diese inoffiziellen Bräuche, die sich aus den Familientraditionen entwickelt haben. Da wäre etwa das Reste-Essen, das gleich nach Weihnachten beginnt. Natürlich wurden wieder zu viele Wienerle eingekauft, war die Gans zu groß und wer hätte eigentlich all den Nachtisch am ersten Weihnachtstag essen sollen? Bis Silvester werden also gemeinsam die Reste vom Weihnachtsessen verputzt. Dazu kommen noch die letzten Scheiben Stollen und dann sind da ja noch die Plätzchen von Tante Martina, die – ist irgendwie auch Tradition – nicht so richtig gut schmecken, aber auch wegmüssen. Wenn im Kühlschrank und in den Regalen dann wieder mehr Platz ist, naht ja schon der Jahreswechsel. Für Raclette oder Fondue wird wieder eingekauft, als gäb’s kein Morgen und der Sekt zum Anstoßen würde für zwei Silvesterpartys reichen. Aber auch da helfen zum Glück traditionsreiche Resterezepte. Derart gestärkt kann man sich dann dem rituellen Nadelsaugen rund um den trockenen Christbaum zuwenden und in aller Ruhe die schönsten Geschenkpapiere und Schleifen aufbügeln. Keinesfalls fehlen darf in diesen Tagen auch der Schwur: „Nächstes Jahr schenken wir und aber weniger!“ Dass der Bruch dieses Gelübdes ebenfalls eine lange Tradition hat, versteht sich von selbst.
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