Startseite
Icon Pfeil nach unten
Mindelheim
Icon Pfeil nach unten
Bad Wörishofen
Icon Pfeil nach unten

Bad Wörishofen: Die unglaubliche Afrika-Mission des FC-Trainers Baris Palta

Bad Wörishofen

Die unglaubliche Afrika-Mission des FC-Trainers Baris Palta

  • |
  • |
  • |
  • |
    Sie kennen sich seit Jahren: Baris Palta nennt seine Bekannte im Dorf in Kenia meist nur „Mama“.
    Sie kennen sich seit Jahren: Baris Palta nennt seine Bekannte im Dorf in Kenia meist nur „Mama“. Foto: Sammlung Palta

    Ein bemerkenswertes Hilfsprojekt in Kenia hat seinen Stützpunkt in Bad Wörishofen. Alles hängt zusammen mit Baris Palta – und wie es zustande kam, ist wirklich bemerkenswert.

    Palta ist zunächst einmal Trainer bei den Kleinfeld-Junioren des FC Bad Wörishofen. Doch daneben erfüllt ihn eine ganz besondere Passion. Er hilft mit einer Gruppe von zehn weiteren Personen auf völlig privater Basis, ohne jede dahinter stehende Hilfsorganisation, seit inzwischen zehn Jahren hilfsbedürftigen Menschen im afrikanischen Kenia.

    Dazugekommen ist er eigentlich mehr oder weniger durch einen Zufall. Zusammen mit einer Gruppe weiterer Unternehmer und Geschäftsleute, die sich bis dahin nicht kannten, nahm er an einem Wohltätigkeits-Projekt teil und folgte einer Einladung dazu zur Besichtigung nach Mombasa, der Hauptstadt von Kenia. Aus eher einer Laune heraus ließen sie es nicht bei dem einen Besuch in Afrika bewenden, sondern beschlossen, auf eigener Basis dort bei den Ärmsten der Armen im tiefen Hinterland zu helfen.

    Aus Gleichgesinnten wurden mittlerweile Freunde

    Baris Palta, der sich dabei um die gesamte Organisation kümmert, und seine Kollegen aus ganz Deutschland, wie Wolfgang aus Berlin, Kai aus Frankfurt oder Markus aus Bremen, beschlossen, es nicht bei dem einen Besuch zu belassen. Der Nächstgelegene stammt aus Ottobrunn bei München. Inzwischen sind sie trotz der großen Entfernungen alle echte Freunde geworden und zu einer festen Gruppe zusammengewachsen.

    Afrika-Hilfe aus Bad Wörishofen
    Afrika-Hilfe aus Bad Wörishofen Foto: Sammlung Palta

    Zunächst also flog die Gruppe erneut nach Mombasa, um dort eigene Kontakte in Dörfer zu knüpfen, wo das Leben noch ganz ein anderes, viel ärmeres wie in der Hauptstadt ist, tiefes Afrika eben. Das Gebiet heißt Metropa, und weil das Dorf einen kaum auszusprechenden Namen trug, nannten sie es fortan einfach „Barcelona“. Dort wurden sie vom Dorfältesten höflich empfangen, erfuhren aber auch, unter welch bescheidenen Bedingungen die Bevölkerung dort leben muss. Es gab zwar eine Schule, in die es hinein regnete, dafür aber viele elternlose Kinder und bedürftige Menschen. Die Gruppe beschloss also, genau dort nun regelmäßig zu helfen.

    Jedes Jahr geht es gemeinsam in das afrikanische Dorf, um zu helfen

    Seitdem fliegen alle zehn Männer gemeinsam jedes Jahr für zwei Wochen nach Kenia, nehmen eigenes Geld mit und packen im Dorf und der näheren Umgebung kräftig an. Ihr Hauptansprechpartner heißt Brighton, der auch meist die nötigen Fahrdienste übernimmt. „Ich fahre inzwischen dort aber auch selbst mit dem Motorrad, nach einem Führerschein oder Helm fragt dort niemand“, berichtet Baris Palta.

    Auf dem Stammbaum einer Familie an einem Kaktus ist auch der Name von Baris Palta verewigt.
    Auf dem Stammbaum einer Familie an einem Kaktus ist auch der Name von Baris Palta verewigt. Foto: Sammlung Palta

    Zu Beginn des Engagements galt es, die marode Schule instand zu setzen, um sie wasserdicht zu machen. Danach wurden vor Ort vernünftige Betten und Schulsachen gekauft. Palta und seinen Freunden ist es dabei ein Anliegen, alles was besorgt werden muss, dort selbst in den kleinen Geschäften einzukaufen und ins Dorf zu bringen. Damit geht kein Cent verloren und die Inhaber der Geschäfte verdienen am Engagement des Wörishofers und seiner Mitstreiter. 1000 Euro Hilfe zum Beispiel stellen dort natürlich einen ganz anderen Betrag dar, die Kaufkraft ist damit hoch.

    Mittlerweile erhält der Wörishofer auch Unterstützung der Lufthansa

    Wenn dann Grund-Lebensmittel wie Reis, Zucker, Mehl oder Hefe besorgt werden, ist das bescheidene Auto der Einheimischen schon einmal so voll beladen, dass der Fahrer kaum noch Platz darin findet. Inzwischen unterhält die Gruppe auch ein eigenes Konto in Mombasa, die Lufthansa unterstütze sie mit einem Charity-Preis bei den Flügen und hilft bei Übergepäck, denn manchmal müssen Hilfsgüter auch von Bad Wörishofen aus nach Afrika gebracht werden.

    Nach zehn Jahren sind Baris Palta und seine Bekannten zu echten Freunden in den Dörfern geworden und die Begegnungen berühren beide Seiten entsprechend emotional. „Allein die strahlenden Augen der Menschen sind ein wunderbares Dankeschön für unsere Tätigkeit“, sagt Palta dazu. „Für viele Kinder waren wir die ersten weißen Menschen, die sie zu sehen bekamen und sie fassten uns erst einmal an, um zu sehen, ob wir echt sind.“ Eine ältere Dorfbewohnerin ist für Baris Palta mittlerweile nur noch die „Mama“ und im Stammbaum einer Familie, der in den Blättern eines großen Kaktus festgehalten ist, findet sich nun auch der Name „Baris“. Die Freunde helfen vor Ort aber nicht nur finanziell. Sie packen auch mit an, etwa wenn handwerliches Geschick gefordert ist.

    Auch mit den Gebräuchen vor Ort sind die Männer mittlerweile bestens vertraut. Wenn Gäste kommen, muss erst Kokoswein getrunken werden, was niemals abgelehnt werden darf. Die Gäste sitzen dann auf Stühlen, während die Einheimischen stehen oder auf dem Boden sitzen, berichtet Palta.

    „Wohnen müssen wir in der Zeit allerdings in einem kleinen Hotel bei Mombasa, denn sonst würden wir vor lauter Zuvorkommen zu sehr vereinnahmt und wir brauchen dann schon auch einen Rückzugsort für uns“, sagt er.

    Er ist bereits gespannt, was der nächste Besuch an Überraschungen bereithält. Wenn Brighton sie am Flughafen abholt, steht er dann auf alle Fälle mit seinem Schild mit der Aufschrift „Family Maya“ bereit. Dies kommt daher, dass die Gruppe, als sie einmal nach ihren Namen gefragt wurde, einfachheitshalber die typisch deutschen Namen Müller, Huber oder Mayer angaben, woraus am Ende das „Maya“ auf dem Schild wurde. Auch das ist eine nette Begebenheit bei einem bemerkenswerten Hilfsprojekt im tiefsten Afrika, das seinen Stützpunkt in der Kneippstadt hat.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren