An den Eheringen wird meistens nicht gespart
Der Goldkurs ist trotz des jüngsten Einbruchs noch immer auf Rekordniveau, das hat Folgen. Können sich junge Paare überhaupt noch Eheringe leisten? Ist es ratsam, zum jetzigen Zeitpunkt alten Familienschmuck zu verkaufen? Wir haben mit den Betreibern der Goldschmiede Unsin und Bayern-Gold24 gesprochen. Beide bieten auch einen Goldankauf an und gaben Einblicke.
Goldschmiedemeisterin Birgit Unsin holt eine Auswahl an Eheringen aus dem Vitrinenschrank. Filigrane Ausfertigungen in Gelb-, Weiß- und Rotgold sowie Kombinationen der edlen Materialen sind zu sehen. Die Preissteigerung sei in den letzten zwei Jahren mit rund einem Drittel enorm gewesen. Können sich junge Paare überhaupt noch Eheringe leisten? „Heute zu heiraten ist schon ein Luxus“, findet Birgit Unsin, die mit ihrem Vater Siegfried Unsin eine Goldschmiedewerkstatt und einen Laden in Bad Wörishofen betreibt, „alles ist teurer geworden, nicht nur die Eheringe“. Diese leisten sich die Paare trotz erheblicher Preissteigerung in der bevorzugten Ausführung, sei ihre Erfahrung. „In der Regel heiratet man ja nur einmal, da wird an den Eheringen eigentlich nicht gespart.“
An Beliebtheit verloren hätten sie in den letzten Jahren aus einem ganz anderen Grund. „Die Jugend steht nicht unbedingt auf Goldringe“, jüngere Paare seien aus optischen Gründen immer häufiger auf Platin, Silber oder Edelstahl ausgewichen, unter den Goldringen seien die weißgoldenen inzwischen besonders beliebt. Auch Individualität liege hoch im Kurs, rund 30 Prozent der Paare lasse sich Eheringe nach den eigenen Vorstellungen vom Goldschmied fertigen. Auch die Gravuren seien ausgefallener möglich und reichen beispielsweise vom Fingerabdruck über den Herzschlag aus einem EKG bis hin zur Unterschrift des Partners. Meist nicht aus Kosten- sondern Erinnerungsgründen lassen manche Paare auch die Eheringe der Großeltern oder Eltern einschmelzen, um aus diesem Material ihre eigenen zu gestalten, erzählt Birgit Unsin. Auch das Umarbeiten von Familienerbstücken in ein modernes Schmuckstück sei seit vielen Jahren beliebt. „Da ist das Material da und es fällt nur noch die Arbeitszeit an“.
Der Absatz von Schmuckstücken sei trotz hohem Goldkurs in etwa gleich geblieben, was in den letzten eineinhalb Jahren stetig zugenommen habe sei der Goldankauf. Die Menschen verkaufen vermehrt auch alte Familienerbstücke und seien froh, dass diese so lange gelegen seien und sie jetzt eine entsprechende Rendite erzielen können. Besonders schöne angekaufte Stücke arbeiten Birgit und Siegfried Unsin auf und versuchen einen Weiterverkauf, andere Stücke werden eingeschmolzen. Ob Schmuck, Münzen, Besteck oder Zahngold – bezahlt wird immer nur der Materialwert des Edelmetalls und der Edelsteine. „Wir können einen guten Preis bezahlen, weil wir das Meiste in unserer Goldschmiedewerkstatt selbst weiterverwenden“, erklärt Siegfried Unsin. Ist es denn ratsam, derzeit Gold(schmuck) zu verkaufen? „Der Kurs ist spitzenmäßig zur Zeit“, gibt Birgit Unsin zu bedenken. Ihrer Erfahrung nach verkaufen derzeit die wenigsten Menschen, weil sie das Geld benötigen, sondern eher, weil sie sich von dem Erlös größere Anschaffungen oder Urlaube finanzieren möchten. „Jetzt oder nie“, sei die Devise, die oft schon lange herumliegenden Schmuckstücke zu Geld zu machen. „Man sollte zum Fachgeschäft gehen“, rät die Goldschmiedin Verkaufswilligen, hier könne man sich jederzeit nach dem Tageskurs durchrechnen lassen, wie viel die Schätze Wert sind. Auch Gegenstände aus Silber, Platin, Kupfer und Zinn werden angekauft, ebenso Zahngold.
Auch beim Schmuck- und Edelmetallhändler Bayern-Gold24 gibt es interessante Einblicke. Betritt man den Ankaufsraum des Familienunternehmens, fühlt man sich einen Moment lang in eine andere Zeit versetzt. Wunderschön gearbeitete Taschenuhren, Silberkannen, Münzen und kleine Kunstwerke zieren die Regale – allesamt von Kundinnen und Kunden zu Hause aussortiert und aufgrund des hohen Materialwertes verkauft. Matthias Demirel-Paulus legt einen silbernen, mit filigranem Rosenmuster gearbeiteten Tortenheber auf die Edelmetallwage. Der reine Materialwert des wunderschönen Erbstückes liegt bei 300 Euro, da wundert es nicht, dass ihn sein Besitzer zum Einschmelzen verkauft hat. „Der Materialwert hat alles in den Schatten gestellt, jede Handarbeit, jede Geschichte“, betont der junge Schmuck- und Edelmetallhändler, der mit seinem Vater Roman Demirel-Paulus seit vielen Jahren einen Laden in Bad Wörishofens Stadtmitte hat. „Die Leute verkaufen alles, aber wir sind eigentlich gegen das Einschmelzen“, betont er. Sein Vater stimmt zu: „Da wird leider auch viel Kulturgut eingeschmolzen“, sagt Roman Demirel-Paulus und zeigt eine sehr geschichtsträchtige silberne Weinkaraffe, „ich versuche ein Hüter des Kulturgutes zu bleiben und zu retten, was zu retten ist“.
Auch Markenschmuck und Markenuhren, beispielsweie von Cartier, werden heutzutage nicht selten eingeschmolzen, da der hohe Materialwert die mühsame Suche nach einem zahlungswilligen Sammler obsolet mache. Der Ankauf von Goldschmuck habe aufgrund des hohen Goldkurses stetig zugenommen, vermehrt hätten Kunden sogar ganze Bankschließfächer aufgelöst und den Inhalt verkauft. Besonders beliebt sei auch die Devise „Alt gegen Neu“. Alter Goldschmuck wird gegen handlungsfähige Goldmünzen oder Goldbarren als Investment getauscht. „Das ist unsere Empfehlung, wenn jemand das Geld nicht braucht“, betont Matthias Demirel-Paulus. Behalten solle man seiner Meinung nach nur Schmuck, den man auch trägt. In Gold als Investment einzusteigen könne er zu jeder Zeit raten, da Gold in den letzten eintausend Jahren das Einzige gewesen sei, das wertstabil geblieben ist. Der Kurs sei für die jeweilige Zeit schon immer hoch gewesen.
„Wir sind eine große Anlaufstelle, man kann alles schätzen lassen bei uns“, erklärt der junge Diamantgutachter, besonders schöne alte Schmuckstücke werden auch schon mal als Vintage-Schmuck weiterverkauft.
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