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Sudetendeutscher Tag bringt Teilnehmer aus Kaufbeuren und Bad Wörishofen zusammen

Kaufbeuren/Brünn

Beeindruckende Friedensgeste bei Versöhnungsmarsch: Tausende gedenken den Opfern der Vertreibung

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    Beim Gedenkmarsch: die Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (links) und Volkmar Halbleib (rechts) mit Libor Rouček, früherer Vizepräsident des Europaparlaments.
    Beim Gedenkmarsch: die Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl (links) und Volkmar Halbleib (rechts) mit Libor Rouček, früherer Vizepräsident des Europaparlaments. Foto: Büro Pohl

    Viel Wirbel gab es um den ersten Sudetendeutschen Tag in Tschechien. Auch aus Bad Wörishofen und Kaufbeuren waren Teilnehmer dabei. „Die Versöhnung von Bayern und Böhmen ist auf einem hervorragenden Weg“, stellt Bernhard Pohl anschließend fest. Nicht nur mittendrin, sondern in erster Reihe mit dabei war Dr. Dietmar Gräf aus Bad Wörishofen.

    Sowohl in Kaufbeuren als auch in Bad Wörishofen gibt es immer noch rührige Vertretungen der Sudetendeutschen, die einst Beispielsweise Neugablonz begründeten und in Bad Wörishofen die Gartenstadt prägten. Weit über tausend Menschen wohnten laut Pohl der Kranzniederlegung am Massengrab in Pohrlitz bei „und gedachten den Opfern des Brünner Todesmarsches“. Der Landtagsabgeordnete der Freien Wähler nahm in seiner Eigenschaft als Sprecher seiner Fraktion für Heimatvertriebene am Sudetendeutschen Tag in Brünn teil. Als Dritter Bürgermeister vertrat er auch die Stadt Kaufbeuren.

    Am anschließenden Versöhnungsmarsch von Pohrlitz nach Brünn, also in umgekehrter Richtung wie der Todesmarsch, nahmen mehr als 2000 Menschen teil. Die „unsachlichen und verletzenden Plakate“ von etwa zwei Dutzend Demonstranten konnten den bewegenden Eindruck laut Pohl nicht trüben. „Es war ein gewaltiges Signal“, das Tschechen und Deutsche 80 Jahre nach der Vertreibung gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten an der tschechischen Bevölkerung und der Tschechen an den Sudetendeutschen durch die Vertreibung begangen haben. „Das ist echte Friedensarbeit“, hob Pohl hervor.

    Aus Kaufbeuren waren Ingrid Zasche, Inge Fehrmann und die frühere Stadträtin Annelies Wittwer dabei, für alle ein unvergessliches und bleibendes Erlebnis. Einen besonderen Anteil an der Ausrichtung des Sudetendeutschen Tags in Brünn, aber auch an der beeindruckenden Friedens- und Versöhnungsarbeit hat Bernd Posselt, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft, dessen Familie bekanntlich aus Gablonz an der Neiße stammt und der in besonderem Maße mit Kaufbeuren und Neugablonz verbunden ist.

    Dr. Dietmar Gräf gab beim Sudetendeutschen Tag in Brünn zwei Konzerte.
    Dr. Dietmar Gräf gab beim Sudetendeutschen Tag in Brünn zwei Konzerte. Foto: Helmut Bader (Archivbild)

    Mit der bayerischen Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) nahm Pohl am Versöhnungsmarsch teil, zuvor war er gemeinsam mit seinem Kollegen Volkmar Halbleib (SPD) bei der Kranzniederlegung der Ministerin. Pohl traf auch langjährige Weggefährten mit der Aussöhungs- und Verständigungsarbeit zwischen Bayern und Böhmen, so den früheren Vizepräsidenten des Europaparlaments Libor Rouček und den früheren Bundestags- und Europaabgeordneten Milan Horáček. Mit dabei war auch Dr. Dietmar Gräf aus Bad Wörishofen, Musiker, Komponist und Mitglied der Sudetendeutschen Akademie. Gräf wurde gebeten, zwei Konzerte zu geben. „Bei meinem Konzert am Pfingstsonntag war die Jesuitenkirche total überfüllt“, berichtet Gräf. Die Gesamtleitung hatte sein Freund, der Domkapellmeister Kolar. Man hatte Gräf gut untergebracht, im ehemaligen bischöflichen Palais. Gräf berichtet, es habe mehr als 100 Veranstaltungen gegeben. Als Ehrengast nahm der Wörishofer zudem am Pontifikalamt und bei der Hauptkundgebung teil.

    Der erste Sudetendeutsche Tag in Tschechien sollte ein besonderes Ereignis werden. Stattdessen sorgen im Vorfeld Proteste und eine politische Resolution im tschechischen Parlament für neue Spannungen, die Rede war von Nationalismus. Gräf hatte allerdings bereits im Vorfeld über sein Netzwerk erfahren, dass die Lage vor Ort gänzlich anders sei. Die Kirchen stünden dem Treffen wohlgesonnen gegenüber, ebenso die Oberbürgermeisterin von Brünn, die Diözese, die Hochschulpräsidenten und die Professorinnen und Professoren. (mhe, mz)

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