Startseite
Icon Pfeil nach unten
Mindelheim
Icon Pfeil nach unten
Bad Wörishofen
Icon Pfeil nach unten

Bad Wörishofen: Kneippianum als Klinik - bis zuletzt streng vertraulich

Bad Wörishofen

Kneippianum als Klinik - bis zuletzt streng vertraulich

  • |
  • |
  • |
    Das Kneippianum Bad Wörishofen steht seit November 2018 leer. Zuletzt wurde es sporadisch als Unterkunft genutzt.
    Das Kneippianum Bad Wörishofen steht seit November 2018 leer. Zuletzt wurde es sporadisch als Unterkunft genutzt. Foto: Markus Heinrich (Archivfoto)

    Das Kneippianum Bad Wörishofen wird zur Klinik. Diese Vollzugsmeldung kam auch für manche Entscheider überraschend. Das sind die ersten Reaktionen auf die neue Entwicklung. Bad Wörishofens früherer Bürgermeister Paul Gruschka (FW) erinnert daran, dass Kontakte schon in seiner Amtszeit geknüpft wurden.

    „Tatsächlich habe auch ich erst heute diese überraschende und wohltuend gute Nachricht erhalten“, teilt Doris Hofer am Montag mit, die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Stadtrat.

    „Mehr als erfreulich“, nennt Hofer die Entscheidung zum Kneippianum. „Ich begrüße es sehr, dass das so lange leer stehende Kneippianum nun der Heilung der Menschen gewidmet und damit in der Tradition Kneipps bleibt.“ Für Bad Wörishofen „als Heilbad, Kneippstadt und Gesundheitsdestination“ sei eine psychosomatische Klinik „eine wunderbare Bereicherung mit überregionaler Ausstrahlung“. Sie danke allen Beteiligten, welche diese Ansiedlung möglich gemacht haben.

    Dass ihm aktuell leider noch Infos fehlen würden, teilt Ludwig Filser von der ÖDP mit. Aber auch er ist zufrieden. „Ich finde es sehr gut, dass so etwas Ganzheitliches ins Kneippianum einziehen will“, betont Ratsmitglied Filser.

    Auch Dominic Kastner, der Fraktionsvorsitzende von Generation Fortschritt, wurde von der Nachricht überrascht, wie er sagt. Der Stadtrat habe darüber keine Informationen gehabt. Das Projekt sei bis zum vergangnen Wochenende streng vertraulich gewesen, teilte Bürgermeister Stefan Welzel (CSU) unserer Redaktion mit.

    „Umso mehr freuen wir uns, dass es mit dem Gesundheitsunternehmen Heiligenfeld einen neuen Partner in der Stadt geben wird, der das Kneippianum zusammen mit dem Bauunternehmen Glass wiederbelebt“, erklärt Kastner. „Für die Stadt bedeutet das ein neues medizinisches Angebot und die Weiternutzung eines der stadtprägenden Bauwerke.“ Die Psychosomatik, die eine ganzheitliche Betrachtungsweise von Seele und Körper darstelle, hat „unserer Meinung nach große Schnittmengen mit der Lehre Kneipps und kann das bestehende Gesundheitsangebot im Ort ergänzen beziehungsweise erweitern“, findet Kastner. „Wir sind auch gespannt, wie sich eine Klinik in so zentraler Innenstadtlage infrastrukturell und thematisch in die Tourismus- und Kurstadt eingliedern wird und welche Chancen sich für neue Arbeitsplätze im Gesundheitswesen ergeben werden.“

    FDP setzt auf Zusammenwirken von Naturheilverfahren und Schulmedizin

    Auch die FDP ist mit der Entwicklung zufrieden. „Mit großer Freude habe ich zur Kenntnis genommen, dass es dem Investor gelungen ist, die Niederlassung einer psychosomatischen Klinik für Bad Wörishofen gewinnen zu können“, teilte Stadträtin Alexandra Wiedemann unserer Redaktion auf Nachfrage mit.

    „Das Kneippianum, die Wirkungsstätte von Sebastian Kneipp und seine ganzheitliche Betrachtung des Menschen – Körper, Geist und Seele – sind sicherlich ein besonders kraftvoller Ort, an dem viele Menschen Heilung erfahren können“, findet sie. „Für Bad Wörishofen hoffe ich, dass das Zusammenwirken von Naturheilverfahren und Schulmedizin im großen Stil praktiziert wird.“

    „Diese Nachnutzung wäre ganz im Sinne von Pfarrer Kneipp“, schreibt Thomas Vögele, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler. „Ich bin erleichtert und froh, dass meine Saat nun aufgehen wird“, stellt Bad Wörishofens früherer Bürgermeister Paul Gruschka (FW) in der gemeinsamen Erklärung fest.

    Die Nachricht von der Schließung des Kneippianums im Jahr 2018 habe Bad Wörishofen erschüttert, erinnern die Freien Wähler

    Die Nachricht von der Schließung des Kneippianums im August 2018 habe Bad Wörishofen erschüttert, erinnern die Freien Wähler. „Auch wenn die Kneipp’schen Stiftungen mit der Schließung das Sebastianeum stärken und erhalten wollten. Das Sebastianeum wurde zwischenzeitlich modernisiert und ist als einzige der drei Stiftungen Kneipps noch in Betrieb.

    Er selbst, so Gruschka, habe damals „sofort begonnen an der Nachnutzung des Kneippianums im Sinne von Pfarrer Kneipp zu arbeiten und sich sofort auf die Suche nach Investoren gemacht“. Kurdirektorin Petra Nocker und die Bauverwaltung seien „intensiv“ in Gruschkas Überlegungen eingeweiht gewesen und „alle waren sich einig, dass die beste Nachnutzung eine Klinik wäre“, teilen die Freien Wähler mit.

    Ex-Bürgermeister Paul Gruschka nennt Petra Nocker eine „würdige Kurdirektorin für Bad Wörishofen“

    Nocker habe in Gruschkas Auftrag „schon im August 2018 Kontakt mit mehreren Kliniken, darunter auch die Heiligenfeldkliniken“ aufgenommen, teilen die Freien Wähler mit. „Es ist sicher auch ihrem Verhandlungsgeschick, ihrer Hartnäckigkeit und Ihrer guten Vernetzung im Bereich Kur- und Tourismus, aber auch im Klinkbereich zu verdanken, dass diese Nachnutzung nun zustandekommen wird“, loben die Freien. Nocker sei „eine würdige Kurdirektorin für Bad Wörishofen“, schreibt Gruschka.

    „Weitblick“, der zu „einer Spitzenlösung verholfen“ habe bescheinigte am Dienstag der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) dem damaligen Bürgermeister Gruschka in einer eigens versandten Pressemitteilung. Gruschka habe bereits im September 2018 in einem Brief an die Abgeordneten Pohl, Pschierer und Holetschek den Vorschlag einer psychosomatischen Klinik unterbreitet, weil im Bezirk Schwaben das Angebot an Vertragsbetten noch gering war. Auch er selbst habe den Barmherzigen Brüdern damals seine Hilfe bei der Suche nach einer Zukunftslösung angeboten, erinnert Pohl.

    Bürgermeister Stefan Welzel schildert den Einsatz für die Ansiedlung seit Mai 2020

    Bürgermeister Stefan Welzel machte in seiner Erklärung deutlich, dass es sich seit Mai 2020 „intensiv um die Realisierung des Projekts gekümmert“ habe. „Das ist eine ausgezeichnete Nachricht für die Gesundheitsstadt Bad Wörishofen“, sagt er zu der künftigen Nutzung. „Mit der Ansiedelung von Heiligenfeld ist es uns gelungen, das Kneippianum zu erhalten und sogar im Gesundheitsbereich fest für die Zukunft zu etablieren.“ Die Menschen in Bad Wörishofen hätten einen besonderen Bezug zum Kneippianum.

    Von der Klinik in Bad Kissingen hatte sich Welzel nach eigenen Angaben im September 2020 bei einem Ortstermin einen Eindruck verschafft: „Heiligenfeld kennt sich in der Psychosomatik hervorragend aus und hat ausgezeichnete Referenzen.“

    Dass eine Nachnutzung für das Kneippianum keine einfache Sache sei, sagen die Freien Wähler auch. Die Presse schrieb nicht ohne Grund von Kneipps schwierigem Vermächtnis; um so größer ist nun die Freunde, dass dieses schwierige Vermächtnis erfüllt werden kann.“

    Auch die SPD stimmt in die positiven Reaktionen ein. „Ich freue mich sehr über diese Nachricht, die ich offiziell erst heute Mittag erhalten habe“, teilt Ratsmitglied Jürgen Thiemann mit. „Eine psychosomatische Klinik für gesetzlich Versicherte stärkt auf jeden Fall die Position Bad Wörishofens als Gesundheitsstadt und entspricht ziemlich genau den Vorstellungen des Stadtrats, was die zukünftige Nutzung des Kneippianum-Areals anbelangt.“ Er danke allen, die „ihren Beitrag zu dieser positiven Entwicklung geleistet haben“, so Thiemann.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein
    Dieser Artikel kann nicht mehr kommentiert werden