Wer wissen möchte, ab wann es im Kneippstädter Ortsteil Kirchdorf eine Schule gab, wie die Schulverhältnisse während des 2. Weltkrieges dort waren, oder wann und Lehrer Johann Appelt geheiratet hat, kann dies und vieles mehr in dem Buch „Schulgeschichte Kirchdorf“ nachlesen, das vor Kurzem wieder aufgetaucht ist.
Akribisch ist in dem Buch fast Schuljahr für Schuljahr aufgeführt, wer unterrichtet hat, wie viele Kinder jeweils eingeschult oder entlassen wurden. Der erste Eintrag stammt aus dem Jahr 1790, die Chronik endet mit dem Schuljahr 1967/68. Leider ist nirgends vermerkt, wer die Einträge gefertigt hat.
Die Chronik berichtet ab 1925 lückenlos über jedes Schuljahr
Der erste Eintrag befasst sich mit der Entstehung des Schulgeschehens und geht zurück auf die Zeit, als es noch keine allgemeine Schulpflicht gab. Es heißt dort: „Wann in Kirchdorf eine Volksschule errichtet wurde, lässt sich nicht bestimmt nachweisen. Aus den handschriftlichen Jugenderinnerungen des Schriftstellers Ludwig Aurbacher (Die sieben Schwaben) geht aber klar hervor, dass im Jahre 1790 in Kirchdorf schon Schule und Lehrer war.“ Bis 1925 wird in der Chronik noch in etwas größeren Zeitabständen berichtet, von da an jedoch wird jedes einzelne Schuljahr aufgeführt.
So wird aus dem Jahr 1845 über den Schulhausbau erzählt: „Das Schulzimmer war früher in dem Mesnerhause auf der südöstlichen Seite zu oberer Erde; allein es war feucht, zu ungeräumig u. als Schulzimmer gar nicht geeignet.“ Länger debattiert wurde offensichtlich auch damals schon, ehe man zu dem Entschluss kam, „ein eigenes von der Lehrer- und Mesnerwohnung abgesondertes Schul-Lokal zu bauen.“ Zur Jahrhundertwende, am 2. August 1900, übernahm Ignaz Sandner die Schulstelle. Noch im selben Jahr entschloss sich die Gemeinde „nach zwar stürmischer und lebhafter Debatte zu einem Schulhausneubau mit zwei Lehrsälen und einer Lehrerwohnung“. Es lag „200 Schritte südlich der Kirche in der Mitte des Dorfes und war trocken. Somit wurde möglich gemacht, dass das Schulhaus auf einem herrlichen Platze gleich einem Schlösschen über der Ortschaft thront.“ An Auslagen sind insgesamt 23.319 Mark und 53 Pfennige vermerkt.
1925 wurde noch feierlich das 25-jährige Dienst-Jubiläum von Lehrer Sandner begangen, ehe dieser in die Nähe von Dillingen versetzt wurde, was „von der Gemeinde missfällig aufgenommen wurde“. 1933 wird zunächst über einen Besuch des Frundsbergfestes in Mindelheim berichtet, „der der Schuljugend viel Freude bereitet hat“. Doch dann heißt es, dass sämtliche Lehrkräfte an der feierlichen Vorstellung des neuen Bezirksoberamtmannes Dr. Eder in Mindelheim teilzunehmen hätten. Ein Dankbrief für eine Spende Kirchdorfs zum Winterhilfswerk für einen Ort in der Oberpfalz ist dann bereits mit „Heil Hitler“ unterschrieben.
Mit dem Kriegsbeginn wurde auch das Schulleben in Kirchdorf ein anderes. Schon 1940 wurden „die Schüler des 8. Jahrganges, die in der Landwirtschaft tätig sind, vom 1. April bis 1. November wegen Arbeitermangel beurlaubt. Das Schuljahr ging zu dieser Zeit noch jeweils von April bis März des nächsten Jahres. Über das Jahr 1941 wird berichtet, dass die Fortdauer des Krieges das Schuljahr bestimmt.
In Kirchdorf startet der Unterricht nach dem Krieg erst im Dezember 1945 neu
Erst am 22. Dezember 1945, heißt es dann, habe „nach langer Pause wieder ein Unterricht unter der Leitung des jungen Lehrers Hans Detmar begonnen, dessen Aufgabe es war, die verwirrte Schuljugend an regelmäßigen Schulbesuch zu gewöhnen“. Mit dem 24. April 1945 war der Unterricht eingestellt worden. „Am 8. Mai kapitulierte Deutschland bedingungslos. Die furchtbare Tyrannei des Nazismus hatte damit nach 12-jähriger Schreckensherrschaft ihr Ende gefunden“ durfte jetzt geschrieben werden.
Mit dem Beginn des Schuljahres 1946 ist der Name Hans Appelt erstmals vermerkt. Auch seine feierliche Heirat „mit Fräulein Rosa Würstle mit einem langen Hochzeitszug in die geschmückte Kirche“ ist festgehalten. Hans Appelt sollte das Kirchdorfer Schulleben für viele Jahre bestimmen. Doch auch außerschulische Ereignisse wie die erste Nachkriegsbürgermeisterwahl 1948 mit Bernhard Müller als neuem Gemeindeoberhaupt, sind in der Chronik vermerkt.
In den 1950er-Jahren war langsam wieder Normalität eingekehrt, dennoch wurde die Chronik akribisch weitergeführt. Elisabeth Gallenmüller übernahm 1954 als Lehramtanwärterin mit 43 Kindern die 1./2. Klasse, Maria Müller die 3.,4.und 5. Mittelklasse mit 32 Kindern und Hans Appelt die Oberstufe bis zum 8. Schuljahr mit 44 Kindern. Normalität mit Ereignissen wie der Einschulung und den Entlassungen, Bundesjugendspielen, Ausflügen oder Impfungen und vieles mehr prägten danach das Schulleben in Kirchdorf.
Die Aufzeichnungen enden mit dem Schuljahr 1967/68. Hier ist vermerkt, dass die Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Gemeinde „recht zufriedenstellend“ sei.
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