Herr Dr. Putzhammer, früher wurden psychisch kranke Menschen teils als verrückt abgestempelt. Wie blickt die Gesellschaft heute auf Betroffene?
DR. ALBERT PUTZHAMMER: Was man früher als Stigmatisierung bezeichnet hat, sehe ich so heute nicht mehr. Ich finde, dass viele Menschen offen mit ihrer Krankheit umgehen. Und dass gesellschaftlich vernünftig diskutiert wird. Das ist eine positive Entwicklung. Ich würde auch nicht sagen, dass es vor 150 Jahren ganz schlecht war. In der Psychiatrie-Geschichte zeigt sich immer ein Auf und Ab. Psychiatrie ist ein Spiegel der Gesellschaft.
Sind wir jetzt gerade in einer guten Zeit?
PUTZHAMMER: Das ist schwer zu sagen. Man findet heute schwieriger als noch vor 20 Jahren geeignete, weniger anspruchsvolle Arbeitsplätze für Menschen, die chronisch erkrankt sind. Dafür haben wir ein besseres Hilfesystem, etwa mit Werkstätten. Der ganze Umgang mit psychischer Krankheit ist aber viel toleranter geworden.
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