Kita St. Martin in Ettringen: Diese Allgäuer Kindergärtnerin hat Generationen begleitet
Ettringen
„Erika, ich hab‘ dich vermisst“: Diese Allgäuer Erzieherin hat Generationen begleitet
Erika Silbernagl leitet seit 20 Jahren die Kita St. Martin in Ettringen. Sie verrät, was sich in den Jahren verändert hat – und wo der Druck gestiegen ist.
Erika Silbernagl leitet seit 20 Jahren die Kindertagesstätte St. Martin in Ettringen. Ihren Traumberuf Erzieherin fand sie vor über 40 Jahren.Foto: Kathrin Elsner
Mit einem liebevollen Lächeln läuft Erika Silbernagl durch die Gänge der Kindertagesstätte St. Martin in Ettringen. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, ich mach‘ das aus Überzeugung“, sagt die heute 58-Jährige, die sich vor über 40 Jahren für die Ausbildung zur Erzieherin entschied. „Ich hab‘s nie bereut.“
Schon als Erika Silbernagl mit 17 Jahren in ihrer Heimat Gilching die Ausbildung zur Erzieherin begann war für sie klar, ihren Traumberuf gefunden zu haben. „Das war einfach meins, ich habe schon immer sofort einen Draht zu Kindern gehabt.“
Nach einem Praktikumsjahr, zwei Jahren kostenpflichtiger Vollzeit-Schule und einem Jahr Berufspraktikum nahm sie 1990 im Kindergarten St. Josef in Türkheim ihre erste Stelle als gelernte Erzieherin an. „Ich habe mich von Anfang an im Kindergarten total wohlgefühlt“, erinnert sie sich.
„Wir haben das Glück, dass in Ettringen die Welt noch sehr in Ordnung ist“
In Türkheim blieb sie sechs Jahre lang, bis 1996 ihre Tochter und 1999 ihr Sohn auf die Welt kam. Nach einer rund dreijährigen Halbtagesstelle in Klosterlechfeld bewarb sie sich 2006 als Leiterin der Kindertagesstätte St. Martin in Ettringen, wo sie bis heute glücklich arbeitet. „Wir haben das Glück, dass in Ettringen die Welt noch sehr in Ordnung ist“, freut sie sich.
Die gegenseitige Wertschätzung von Kindern, Eltern, Kindertagesstätten-Team und der Gemeinde als Träger sei einzigartig. „Hier darf jeder so sein wie er ist.“ Den derzeit 123 betreuten Kindern in der Kindertagesstätte einen sicheren Hafen zu bieten und zu vermitteln „du bist gut so wie du bist, du darfst so sein wie du bist, man muss nicht perfekt sein“, sei ihr in der heute so schnelllebigen und auf Perfektion drängenden Welt besonders wichtig: „Geborgenheit ohne Leistungsanspruch – die Kinder können, müssen aber nicht.“
Gelebte Inklusion sei für sie ebenso eine Herzensangelegenheit. Eine derart liebevolle und wertschätzende Einstellung wirkt offensichtlich nach. Immer wieder begegne sie heute jungen Erwachsenen, die sie in schöner Erinnerung an ihre Kindergartenzeit herzlich grüßen und nette Worte mit ihr wechseln, erzählt sie und strahlt. „Da geht mir immer das Herz auf.“ Besonders berührt habe sie eine Begegnung an der „Ettrinarria“-Gardrobe, wo sie zu Faschingszeiten ehrenamtlich mithilft. „Erika, ich hab‘ Dich so vermisst, ich hab‘ so oft an Dich gedacht“, habe ein junges Mädchen im Teenager-Alter gesagt und sie umarmt: „Da hätte ich fast geweint.“
Was hat sich in 20 Jahren in diesem Allgäuer Kindergarten verändert?
Was hat sich in den letzten Jahrzehnten im Kindergarten verändert? „Die Kinder sind Kinder geblieben“, betont Erika Silbernagl, das Umfeld habe sich jedoch verändert. Gerade durch die Medien prasseln heute sehr viele Informationen zur Kindererziehung auf die Eltern ein – was verunsichert, Druck aufbaut und das Hören auf das eigene Bauchgefühl wesentlich erschwere.
Das „Normale“ komme oft zu kurz, der Anspruch sei heute, den Kindern etwas bieten zu müssen. „Früher waren mehr Omas da“, beobachtet sie. Durch die Berufstätigkeit der Eltern kommen heute die Kinder viel früher in die Betreuung – oft schon mit einem Jahr.
2009 wurde in Ettringen die erste Krippengruppe ins Leben gerufen, heute gehören neben fünf Kindergartengruppen zwei davon zur Normalität. Auch die Öffnungszeiten seien mit der Zeit immer länger geworden. Heute habe die Kindertagesstätte von 7 bis 16 Uhr geöffnet, die buchbare Betreuungszeit sei flexibel.
Unterallgäu: Der Druck in den Kitas steigt
Mehr Druck als vor 40 Jahren gäbe es mit Blick auf Bildung. „Wir werden immer mehr zur Bildungseinrichtung“, sagt Silbernagl. Dies sei zwar gesetzlich vorgesehen, es fehle jedoch immer wieder die Zeit. Auch deshalb sei der Wunsch groß, dass sich der heute nicht mehr zeitgemäße Anstellungsschlüssel ändere. Die Kommunikation mit den Eltern sei heute noch intensiver. Vor rund einem Jahr wurde sogar eine eigene Kindertagesstätten-App etabliert, über die Informationen verteilt, in den Gruppen kommuniziert und die Eltern mit einem Tages- oder Wochenrückblick am Geschehen in der Kita teilhaben können.
Für Erika Silbernagl ist die Leitung der Kindertagesstätte eine sehr vielseitige Aufgabe, als wichtiges Bindeglied zwischen Kindern, Team, Eltern und dem Träger laufen bei ihr alle Fäden zusammen. Bis 2020 leitete sie darüber hinaus noch selbst eine Kindergartengruppe und hilft dort immer wieder aus. Eigentlich sei das sogar das Schönste für sie, erzählt sie: „Wenn ich sehe, dass mich die Kinder anlachen, geht einfach die Sonne auf.“
Auch die gute Zusammenarbeit in dem 30-köpfigen sehr wertschätzenden Team bedeute ihr viel. „Ich bin so dankbar für die Zeit, ich sehe es als Geschenk, dass ich hier sein darf.“ Ein besonderes Anliegen sei ihr zudem, den Eltern wieder Mut zu machen und ihnen zu vermitteln: „Wir können den Kindern den Regen nicht ersparen, aber wir können Ihnen zeigen, wie man im Regen tanzt und anschließend die Schönheit des Regenbogens gemeinsam erleben.“
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