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Ettringen: Wo in Ettringen Windräder stehen könnten

Ettringen

Wo in Ettringen Windräder stehen könnten

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    So könnte es aussehen, wenn die möglichen Windräder bei Ettringen tatsächlich gebaut werden. Die Kirch-Siebnacher Kirche ist links zu sehen.
    So könnte es aussehen, wenn die möglichen Windräder bei Ettringen tatsächlich gebaut werden. Die Kirch-Siebnacher Kirche ist links zu sehen. Foto: Michael Schönemann, BIDA

    Auf den Bürgerversammlungen in Ettringen mit seinen Ortsteilen Siebnach und Traunried standen die aktuellen Ereignisse im Vordergrund der Diskussion. Nicht zuletzt wurde die Schließung des Edeka-Marktes mit seiner Postfiliale im Zentrum der Wertach-Gemeinde bedauert, der nun ein Stück Nahversorgung und Infrastruktur weggebrochen ist. Hauptpunkte waren dann die Folgen der Hochwasserkatastrophe im Unterallgäu und neue Pläne für die Windkraft. In Ettringen könnten sechs Windräder mit einer Nabenhöhe von 200 Metern entstehen, erfuhren die Bürgerinnen und Bürger.

    Wenig Trost konnte Bürgermeister Robert Sturm zum Aus für den Edeka spenden, da der Laden keine kommunale Aufgabe darstelle. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass sich ein Nachfolger zur Übernahme der Geschäftsräume findet. Hart getroffen wurden nicht wenige Ettringer vom Dauerregen zum Ende der Pfingstferien mit massiv ansteigenden Pegelständen und Überflutungen. Zweiter Bürgermeister Roland Wagner schilderte in Siebnach, wie die Feuerwehr versuchte, der Wassermassen Herr zu werden, die Fluten umzulenken und vollgelaufene Keller auszupumpen. Alle Schläuche der Feuerwehr seien zu guter Letzt im Einsatz gewesen. Kontrovers wurde im Anschluss über mögliche vorbeugende Maßnahmen diskutiert, die beim nächsten Jahrhundert-Regen ein ähnliches Ausmaß an Schäden verhindern helfen könnten.

    Wo Bachmuscheln in Ettringen leben, wird es mit Hochwasserschutz schwierig

    So soll etwa geprüft werden, ob das stellenweise Aufkiesen von Feldwegen unkontrollierten Wasseransammlungen entgegenwirken könne. Heikel ist die Situation allerdings dort, wo bislang probate Maßnahmen mit Erfordernissen des Naturschutzes kollidieren. So ist das Ausbaggern von Bachläufen nicht mehr ohne Weiteres möglich, wenn hier die Besiedelung mit der streng geschütztem und bedrohten Bachmuschel nachgewiesen ist – ein Konflikt, der, wie im Fall der Scharlach, keine einfache Lösung zulässt. Bürgermeister Robert Sturm plädierte dafür, zielgerichtet nach eigenen Lösungen zu suchen, die man kurzfristig umsetzen könne und nicht auf überregionale Konzepte zu warten, für deren Realisierung es Jahre brauche.

    An der Scharlach bei Aletshofen, wo wegen des Bachmuschel-Besatzes das Hochwasser nicht so einfach abfließen kann, sehen die Maisfelder aus wie Reisfelder.
    An der Scharlach bei Aletshofen, wo wegen des Bachmuschel-Besatzes das Hochwasser nicht so einfach abfließen kann, sehen die Maisfelder aus wie Reisfelder. Foto: Sturm

    Beim anstehenden Ausbau der Windkraft liegen die Dinge allerdings genau andersherum, denn hier hält der Regionalverband Donau-Iller die Fäden in der Hand und entscheidet hoheitlich über die Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraft und solchen, die für eine derartige Nutzung als ungeeignet aus der Planung ausscheiden. 1,8 Prozent der Landesfläche sollen verbindlich Windkraftanlagen vorbehalten sein. Der Ettringer Gemeinderat hatte sich bereits Ende der 1990er Jahre mit der umweltfreundlichen Energiegewinnung beschäftigt und am nördlichen Gemeinderand auf eigene Faust eine Vorrangfläche ausgewiesen, später potenziell zusätzliche Standorte in der Nähe des ehemaligen Wertachtal-Senders im Osten. Diese entfallen allerdings bei der Berücksichtigung, weil ihnen der Schutz des Vogels Milan entgegensteht.

    Für Windkraft sind offenbar zwei Gebiete in Ettringen geeignet

    Aus Sicht des Regionalverbands Donau-Iller sind zwei Gebiete nördlich von Siebnach mit der Flurbezeichnung Kreuzwiese und Elmau für die Windenergienutzung besonders gut geeignet. Der zum Tagesordnungspunkt referierende Michael Schönemann vom BIFA-Umweltinstitut berichtete, dass sechs Windräder mit einer Nabenhöhe von etwa 200 Meter in diesem Bereich entstehen könnten. In seiner Sitzung am 2. Juli habe der Regionalverband Donau-Iller diese Entscheidung im Raumordnungsverfahren beschlossen. Sie gilt vorläufig, denn im nächsten Schritt soll die Öffentlichkeit mit ihren möglichen Einwänden und Anregungen beteiligt werden. Ab 6. September werden dazu die Pläne im Rathaus zur Einsicht ausgelegt. Überdies sind sie im Internet auf den Seiten des Regionalverbands Donau-Iller und unter https://www.karten.energieatlas.bayern.de abrufbar. Michael Schönemann betonte, dass dann die Zeit für betroffene Bürger gekommen sei, ihre Einwände geltend zu machen. Nach Abwägung erfolge der finale Beschluss des Regionalverbands und dann könne es ziemlich schnell gehen, bis die Windräder stehen. Natürlich müssen dazu die Eigentümer der Vorrangflächen mitspielen – bei den von ihnen zu erwartenden Renditen aber wohl nur eine theoretische Frage.

    Michael Schönemann erläuterte, was in Sachen Windkraft auf Ettringer Gemeindegebiet möglich ist.
    Michael Schönemann erläuterte, was in Sachen Windkraft auf Ettringer Gemeindegebiet möglich ist. Foto: Reinhard Stegen

    Angesichts so viel Aktualität hatte Bürgermeister Robert Sturm wenig mitzuteilen, an das sich die Ettringer nicht schon insgeheim gewöhnt hätten: keine Pro-Kopf-Schulden, ein ausgeglichener Haushalt trotz eines zwischenzeitlichen Einbruchs an Gewerbesteuereinnahmen, Förderung für den weiteren Breitband-Ausbau und den Radweg-Ausbau zwischen dem derzeitigen Ende bei der Goldenen Weide und Ettringen. Den Baubeginn für den Siebnacher Kindergarten auf dem Grundstück des erworbenen Pfarrhofs sieht er aus heutiger Sicht Mitte 2025.

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