„Straight From Our Hearts Into Your Face“ – so lautet die Botschaft der vier Musiker. Seit 2022 sind sie die Band LoveGun und proben gemeinsam in einem Tonstudio in Mindelheim. Dort heißt es jeden Donnerstagabend: Songs schreiben, proben und natürlich ordentlich rocken. Nun hat sich der Fleiß ausgezahlt: Christopher, Patric, Karan und Alexander (Axl) ist der große Wurf gelungen. Bei einem Online-Contest schickten sie einen Song ein und bekamen die Antwort: Glückwunsch, ihr seid beim Summerside Festival dabei! Im Juni stehen sie jetzt in der Schweiz vor Tausenden Besucherinnen und Besuchern auf der großen Bühne, neben weltbekannten Bands wie Billy Talent. Wie fühlt sich das an?
Mindelheimer Band belegt den vierten Platz beim Voting
Für den Gitarristen Patric Urbainski (36) ist der Auftritt in diesem neuen Umfeld etwas ganz Besonderes. „Billy Talent hat mich die halbe Jugend lang begleitet“, erzählt der gelernte Mediengestalter. Entsprechend groß sind bei ihm Vorfreude und Stolz. Gleichzeitig beschreiben die vier Musiker aber auch, dass sie riesigen Respekt vor der großen Bühne haben. „Fühlt sich an wie kotzende Schmetterlinge im Bauch“, sagt Patric und grinst.
Schlagzeuger Christopher Wilhelm ist „im richtigen Leben“ Sozialpädagoge und erzählt, dass er im Netz recherchiert, den Wettbewerb entdeckt und dann einfach das Material eingeschickt habe. Einige Monate später sei die Nachricht gekommen, dass sie zu den Finalisten gehören. Um Stimmen zu sammeln, habe man dann viele Menschen mobilisiert: „Gefühlt das halbe Allgäu“, sagt der 36-Jährige mit einem Schmunzeln. Am Ende sei die Band bei der Onlineabstimmung mit knapp 1000 Stimmen auf Platz vier gelandet.
Gründung der Band: Von der Kneipe ins Tonstudio
Christopher schildert, der Ursprung der Band habe ganz unkompliziert in einer Facebook-Gruppe begonnen. Dort habe er nach einem Gitarristen gesucht und ziemlich schnell Patric gefunden. Die weiteren Mitglieder seien anschließend über persönliche Kontakte dazugekommen. Christopher erzählt, dass sich die Vier dann 2022 zum ersten Mal als komplette Band getroffen haben. Axl erinnert sich, dass es nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich sofort gepasst habe. Wie er erzählt, sei er beim ersten Treffen etwas später aufgetaucht als verabredet, weil er zuvor noch im „Ritterkeller“ gesessen und ein Bier getrunken habe. Als er den Rest der Gruppe per Handy über seine Verspätung informierte, habe Patric als Antwort ebenfalls ein Foto von einem Bier geschickt. Die Stimmung sei dadurch sofort locker gewesen – und auch beim Vorspielen habe es dann direkt gut funktioniert.
Der Proberaum in Mindelheim gehört einem langjährigen Freund von Christopher. Nach seinem Studium in Kempten lebte er zeitweise in einer Wohngemeinschaft, die sich direkt neben dem Raum befand. Für den 36-Jährigen war das die ideale Voraussetzung, um regelmäßig Schlagzeug zu spielen. Auch wenn Christopher inzwischen nicht mehr dort wohnt, ist der Proberaum für ihn und die Band LoveGun weiterhin der zentrale Anlaufpunkt. Die vier Musiker können dort nicht nur proben, sondern dank der professionellen Ausstattung und eines angeschlossenen Tonstudios ihre Einfälle direkt aufnehmen. „Besser geht es quasi gar nicht“, sagt der Schlagzeuger zufrieden.
„Der Bandname hat nichts mit Kiss zu tun“
Zur Bedeutung des Namens sagen die vier Musiker, dass er oft mit der Band Kiss in Verbindung gebracht werde. „Er hat aber tatsächlich nichts mit Kiss und deren Song namens Love Gun zu tun“, so Patric. Ihre Band sei kurz nach der Hochphase der Corona-Pandemie zusammengekommen. „Die Zeit danach hat sich für viele ziemlich schwer und deprimierend angefühlt.“ Deshalb habe man sich vorgenommen, mit der Musik wieder gute Stimmung zu verbreiten und Liebe in die Welt zu schießen.
Der Name habe aber auch mit den musikalischen Wurzeln der Band zu tun. LoveGun orientiere sich an Sounds, mit denen viele aufgewachsen seien. Unter anderem sei der Einfluss von Bands wie Limp Bizkit aus den frühen 2000er-Jahren spürbar. Diese Musik sei für viele mit positiven Erinnerungen verbunden. LoveGun soll Liebe transportieren, aber trotzdem cool klingen“, fügt Christopher hinzu.
Rap trifft Metal: So findet die Band ihren eigenen Sound
Axl heißt eigentlich Alexander Petrich und ist Milchtechnologe. Der 45-Jährige erzählt, dass die Entstehung von Song zu Song unterschiedlich sei. Manche Stücke gingen schnell bis zur Aufnahme, andere bräuchten deutlich länger, weil sie komplexer seien und mehr Details verlangten. Je nach Song könne das wenige Wochen dauern oder auch mehrere Monate.
Die Band beschreibt ihren Stil als Mischung, die sich ergeben habe. Für den Gesang ist Karan zuständig. Der 37 Jahre alte Projektmanager sagt, man habe sich nicht hingesetzt und beschlossen, ein bestimmtes Genre wie Rap-Rock oder Heavy Metal zu machen. Die anderen kämen stärker aus dem Rock, er selbst sei musikalisch durch Heavy Metal geprägt. Entscheidend seien viele Proben gewesen und dann haben sich die vier entschlossen: „Lasst uns probieren, beides zu mischen.“
Von Mindelheim nach Indien
Für die Band ging es in der Anfangszeit in mehreren Studios zur Sache: Zunächst habe man mit einem Studio eine Vereinbarung getroffen, um zwei Songs aufzunehmen. In einem zweiten Studio sei dann ein erster Demosong entstanden, später wurden dort auch vier weitere Titel eingespielt. Das Besondere an der jüngsten Veröffentlichung ist laut Christopher jedoch die Art der Entstehung. Die Songs seien in Mindelheim entstanden, die abschließende Bearbeitung habe dann aber in Indien stattgefunden, wie Sänger Karan berichtet. Dort hätten Freunde von ihm, die in diesem Bereich Erfahrung haben, bei der Fertigstellung geholfen. Für die Band sei die internationale Zusammenarbeit etwas ganz Besonderes.
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