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Hartmut Feyerle aus Markt Wald engagiert sich bei den Maltesern

Markt Wald

Hartmut Feyerle besucht ehrenamtlich Senioren: „Engel sein ist einfach schön“

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    Hartmut Feyerle aus Markt Wald ist ehrenamtlicher Besucher bei den Maltesern. Er rät allen, das auch mal auszuprobieren.
    Hartmut Feyerle aus Markt Wald ist ehrenamtlicher Besucher bei den Maltesern. Er rät allen, das auch mal auszuprobieren. Foto: Sina Nachtrub

    „Wenn du da bist, geht‘s mir gut.“ – Dieser Satz bringt auf den Punkt, warum Hartmut Feyerle aus Markt Wald jede Woche seinen Freund Oscar (Name von der Redaktion geändert) besucht. „Allein diese Worte von ihm sind die zwei Stunden schon wert“, sagt der 70-Jährige. Er ist ehrenamtlich als Besuchs- und Begleitdienst bei den Maltesern aktiv und besucht Oscar wöchentlich. Inzwischen ist daraus eine Freundschaft entstanden.

    „Schon wenn ich zur Tür reinkomme, ist er gut gelaunt“, erzählt der ehemalige IT-Leiter aus Markt Wald mit einem Grinsen. Vor zwei Jahren lernte er den über zehn Jahre älteren Oscar kennen. Während der Corona-Pandemie engagierte sich Feyerle bereits ehrenamtlich in einer Teststation. Nachdem diese geschlossen hatte, kamen die Malteser auf ihn zu, dass man einen Besuchsdienst für einen Mann mit Demenz suche. Da er im Familienkreis selbst schon Erfahrungen mit der Krankheit sammelte, dachte er sich, er könne es ja mal ausprobieren.

    Die Malteser vermitteln Besuchsdienste für Seniorinnen und Senioren

    Der Malteser Hilfsdienst vermittelt für Seniorinnen und Senioren einen Besuchs- und Begleitdienst. Denn besonders ältere Menschen sind häufig von Einsamkeit betroffen. Laut Daten des statistischen Bundesamts ist knapp ein Viertel der über 80-Jährigen in Deutschland einsam, bei den 65- bis 79-Jährigen sind es etwas mehr als 15 Prozent. Frauen sind tendenziell etwas häufiger betroffen, besonders nach dem Tod des Partners oder durch Krankheiten steigt das Risiko für Einsamkeit.

    Seit zwei Jahren besucht Hartmut Feyerle Oscar mindestens einmal pro Woche, geht im Sommer mit ihm spazieren, hilft bei Bestellungen im Internet oder spielt mit ihm. „Wenn es ihm gut geht, spielen wir ‚Mensch ärgere dich nicht‘. Wenn‘s ihm nicht so gut geht, gibt es so ein Spiel bis sechs Jahre, ‚Quips‘ nennt sich das“, erzählt der 70-Jährige. „Wir schauen einfach immer, dass wir ein bisschen Spaß haben.“

    Einen schönsten Moment mit Oscar könne er gar nicht benennen, weil sie einfach immer eine gute Zeit hätten, erklärt Feyerle. Dass die Besuche nicht nur Oscar, sondern auch ihm selbst Freude bereiten, wiederholt Feyerle mehrmals im Laufe des Gesprächs. Neben dem Spaß geht es ihm aber auch besonders darum, die pflegende Person zu entlasten. Dass die Treffen der beiden Männer für sie eine große Unterstützung sind, bestätigt auch die Ehefrau des an Demenz erkrankten Oscars. „Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis. Mein Mann freut sich jedes Mal und bedankt sich, wenn er kommt“, erzählt sie. Die Beziehung sei inzwischen fast familiär. Sie appelliert, dass mehr Menschen, insbesondere Männer, dieses Ehrenamt machen sollten.

    Besonders Männer fehlen als Ehrenamtliche

    „Bei Treffen von Ehrenamtlichen der Malteser bin ich oft der einzige Mann“, berichtet auch Feyerle. Dabei würden genau die in dem Ehrenamt fehlen, da viele der älteren Herren eine bessere Verbindung zu einem anderen Mann aufbauen könnten. Doch gerade Männer hätten oft Berührungsängste: „Beim Stammtisch sagen immer viele: ‚Das könnte ich nicht.‘ ‚Freilich könntest du das‘, sag ich dann“, so Feyerle.

    Der ehemalige IT-Leiter, der inzwischen in Rente ist, rät jedem, der die Zeit dafür hat, es einfach mal auszuprobieren. „Das, was man zurückkriegt, kann einem selbst auch helfen“, sagt der 70-Jährige. Außerdem könne auch eine richtige Freundschaft entstehen, Oscar und seine Frau würden ihn im Sommer auch mal spontan besuchen kommen. Und wenn es doch nicht passen sollte, könne man auch jederzeit wieder aufhören. „Aber es ist wirklich nicht schlimm“, betont Feyerle. Mit Oscar wolle er sich auf jeden Fall treffen, solange sie beide noch fit sind. „Wobei, solange ich noch fit bin“, schiebt er hinterher, „wenn es Oscar nicht mehr so gut geht, kann ich immer noch daneben sitzen und was vorlesen.“

    Die eigene Welt werde im Alter immer kleiner

    Die Welt werde im Alter, besonders mit Demenz, immer kleiner, erklärt Feyerle. Früher reiste man um die Welt, irgendwann gibt es nur noch Urlaub in Bayern und schließlich ist man nur noch daheim. Mit seinen Besuchen, so hofft er, kann er die vier Wände für Oscar ein wenig auflösen. Zum Geburtstag schenkte er ihm deshalb mal einen Bergkristall, den er selbst mit Beleuchtung ausstattete, weil Oscar früher so gern wandern ging. „So Oscar, da hast du jetzt ein Stückchen Berg“, sagte er dann zu ihm. Dieses Geschenk rührte Oscar zu Tränen.

    Ob er sich selbst als einen Engel des Alltags bezeichnen würde? Auf diese Frage lacht der 70-Jährige zunächst bloß, dann antwortet er: „Doch, ich glaube für Oscar bin ich schon eine Art Engel, weil er sich so freut. Und ich muss sagen: Engel sein ist einfach schön.“

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