Ihre Karriere begann ja zunächst beim Theater; was ist für Sie wichtiger gewesen, Theater oder Film?
C.HRISTIAN KOHLUND: Ich komme ja aus einer alten Schweizer Theaterfamilie. Maria Schell zum Beispiel hatte ihr erstes Engagement bei meinem Großvater. Meine Eltern haben ihr ganzes Leben auf der Bühne verbracht, meine Schwester Franziska war eine tolle Schauspielerin und wunderbare Regisseurin, mit der ich wahnsinnig gerne zusammengearbeitet habe. Meine ersten Engagements brachten mich zum Schillertheater nach Berlin und danach zum Bayerischen Staatsschauspiel nach München. Dort hatte ich dann die Gelegenheit, bei den ersten Filmproduktionen mitzuwirken, meist Gastrollen in Krimis wie „Der Alte“ oder „Derrick“. Mein Hauptaugenmerk galt aber dem Theater.
Was war Ihre erste große Rolle beim Theater?
KOHLUND: Das war der Graf von Strahl im Käthchen von Heilbronn an der Freien Volksbühne in Berlin. Ich habe immer darauf geachtet, Stücke zu spielen, die anspruchsvoll waren. Am Theater konnte man sich besser ausprobieren und für sich selbst etwas dazulernen. Das Theater war mir auch in den späteren Jahren, in denen ich mehr und mehr gedreht habe, sehr wichtig. Ich habe die Bühne nie wirklich verlassen.
Würden Sie sagen, dass das Theaterspiel eine wichtige und solide Grundlage für die Dreharbeiten war und ist?
KOHLUND: Das stimmt absolut. Man muss natürlich berücksichtigen, dass die Medienlandschaft damals eine völlig andere war. Wenn ich an meine Kollegen von damals denke, waren die ganzen Fernsehstars Theaterschauspieler, wie zum Beispiel ein Siegfried Lowitz, ein Klausjürgen Wussow oder eine Gabi Dohm. Heute gibt es viele sogenannte Schauspieler, ohne dass ich das jetzt böse meine, die mit Theater nichts zu tun haben wollen, die wollen einfach vor die Kamera. Die Zeiten haben sich verändert, was nicht immer negativ sein muss. Was für mich richtig war, muss für einen anderen nicht stimmen. Mein Anspruch war immer, mich zu hundert Prozent mit einer Rolle zu identifizieren.
Sie erwähnten anfangs, dass Sie mit kleinen Rollen in Krimis anfingen. Schließt sich mit dem „Zürich-Krimi“ jetzt der Kreis?
KOHLUND: Der Erfolg dieser Serie freut mich wirklich sehr. Ich hatte ja sehr viele kommerzielle Formate wie die Schwarzwaldklinik oder das Traumhotel, die auch unglaublich erfolgreich waren. Als das Traumhotel nicht mehr weiter produziert wurde, kam das ARD auf die Idee, mit mir eine Anwaltsgeschichte zu machen. Auch hier gab es eine Verbindung zum Theater. Ich habe viele Jahre das Ein-Personenstück „Im Zweifel für den Angeklagten“ gespielt, einige Produzenten hatten mich darin gesehen und die Idee zum Zürich Krimi war geboren. Ich habe unheimlich viel Freude an dieser Arbeit mit einem fantastischen Team und wir haben schon zwei Folgen für das kommende Jahr abgedreht.
Gibt es noch andere Formate, die Sie gerne machen würden?
KOHLUND: Ich habe mich jetzt auf den Zürich-Krimi konzentriert. Zwischendurch hatte ich mal eine sehr schöne Gastrolle im Bergdoktor. Außerdem arbeite ich an meinen Lesungen, dann habe ich angefangen, eine konzertante Version von „Im Zweifel für den Angeklagten“ zu machen, die ich in Zukunft noch ausbauen möchte.
Wie sehen Sie generell die Zukunft im Theater, im Film?
KOHLUND: Wenn Sie sich die Theaterliteratur anschauen, sind die meisten Rollen für ganz junge Menschen geschrieben. Gerade bei Frauen kommt dann plötzlich ein ganz großes Loch zwischen jugendlicher Liebhaberin und Mutter Courage. Es fehlt an Autoren, die Frauen in der Mitte des Lebens mehr berücksichtigen. Dazu kommt, dass für die Kultur immer weniger Geld da ist und man weniger Zeit für eine Produktion hat, dennoch die gleiche Leistung bringen muss. Das ist schon sehr anstrengend. Das Problem trifft nicht nur die Schauspielbranche, sondern auch viele andere Berufszweige.
Das heißt, Sie sehen die Zukunft jetzt nicht unbedingt sehr rosig?
KOHLUND: Ich mache mir echte Sorgen über das, was gerade auf der Welt los ist, das erschüttert mich wirklich sehr. Das, was seit drei Jahren in Europa geschieht, hätte ich mir niemals vorstellen können. Ein großes Problem ist sicher auch die Flut an Informationen, die über uns hinwegrauschen und die man nur noch aufnimmt, aber nicht versteht.
Dazu kommt die KI, mit der Texte, Bilder und Sprache manipuliert werden können.
KOHLUND: Richtig. So genial die Technologie ist, was mir Angst macht, ist die Tatsache, dass diejenigen, die diese Technik missbrauchen, immer zwei Schritte voraus sind. Ich sehe die große Gefahr, dass meine Kinder und Enkelkinder irgendwann mal nicht mehr wissen, was wahr und was falsch ist. Ich denke, dass in den nächsten zehn Jahren der Schaden der KI größer sein wird als der Nutzen. Auch die Hetze im Schutz der Anonymität des Internets ist schlimm, das kann einen Menschen ruinieren. Und dafür gibt es praktisch keinen Schutzmechanismus.
Zur Person
Christian Kohlund (75) ist der Sohn der Schauspieler Erwin Kohlund und Margrit Winter, seine Schwester Franziska Kohlund war Schauspielerin und Regisseurin. Er absolvierte eine Ausbildung am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und war anschließend an vielen Theatern engagiert. Nebenher studierte er in der englischen Universitätsstadt Cambridge. Kohlund hat zwei Kinder und lebt mit seiner Ehefrau Elke Best in der Nähe von Passau.
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