Wiedergeltingen Heuer braucht Josef einen neuen Stuhl. Denn letztes Jahr ist er ständig von seinem Platz am Hochaltar heruntergerutscht. Oft hatte Nair Lutzenberger in der Messe deshalb nur Augen für den Josef. Sie hat gehofft, dass er nicht runterfällt. Regelmäßig musste sie nach den Gottesdiensten mit der Leiter hochklettern und ihn wieder auf seinen Platz setzen. Dieses Jahr soll er festsitzen und bekommt dafür von ihr einen selbst gebauten Stuhl.
Nair Lutzenberger ist Mesnerin in der Wiedergeltinger Pfarrkirche St. Nikolaus. Und weil im Advent nicht nur der Josef in der Krippe am Hochalter einen neuen Platz braucht, sind diese Wochen für sie Hochzeit. Eigentlich hat sie einen Vertrag über acht Stunden in der Woche. In der Weihnachts- und Osterzeit kommt es aber schon mal vor, dass sie acht Stunden am Tag arbeitet. Das ist dann eben Ehrenamt. Auch ihr Mann und die beiden Kinder helfen fleißig mit.
Nächste Woche beginnt der Weihnachts-Endspurt
Denn nächste Woche beginnt für Nair Lutzenberger der Endspurt. Erst holt sie mit ihrem Mann aus Bronnen die drei Christbäume für die Kirche: zwei für den Hochaltar, einen für den Seitenaltar. Beim Aussuchen muss sie unbedingt dabei sein: „Nicht jeder Baum darf in die Kirche, er muss mir schon gefallen.“ Wenn die Bäume dann an ihrem Platz stehen, wird geputzt. Nach den Feiertagen übrigens gleich noch einmal – besonders dreckig wird der Boden, wenn es geschneit hat. Deshalb hat die Mesnerin weiße Weihnachten gar nicht so gern.
Die Adventsvorbereitungen fangen bei Nair Lutzenberger aber schon im Sommer an. Dann überlegt sie, was sie alles anschaffen oder reparieren muss. Dieses Jahr zum Beispiel hat sie eine Frau aus der Pfarrei gefunden, die für die Kirche in mühevoller Kleinarbeit 90 Sterne aus weißem und goldenem Papier gefaltet hat. 200 solcher Sterne gab es zuvor schon. Nächste Woche wird Lutzenberger damit gemeinsam mit ein paar Frauen die Christbäume schmücken.
Im Oktober hat sie herumgefragt, wer Tannengrün übrig hat. Denn davon braucht die Mesnerin einen ganzen Anhänger voll: für den Adventskranz, für die Krippe, für den Kirchenschmuck. Lutzenberger hofft, dass die Kirche bis Freitagmittag vorbereitet ist – wenn keine Beerdigung dazwischen kommt.
Dieses Jahr gefällt der Mesnerin der Kalender gut: Weil der Heilige Abend an einem Samstag ist, hat sie länger Zeit, die Kirche herzurichten. Denn damit kann sie erst nach der Sonntagsmesse anfangen. Wenn Heiligabend an einem Montag oder Dienstag ist, wird es sehr stressig.
Heuer wird es entspannter – so weit man dieses Wort verwenden kann. In Wiedergeltingen ist um 16 Uhr Kindermette und um 20.30 Uhr Christmette. Zwischen dem Aufräumen nach dem ersten Gottesdienst und dem Vorbereiten des zweiten bleiben Nair Lutzenberger und ihrer Familie gerade mal zwei Stunden Zeit, um Weihnachten zu feiern.
Ohne Helfer würde die Mesnerin die Arbeit nicht schaffen
Seit 2004 ist sie Mesnerin und sie mag ihre Arbeit sehr. „Wichtig ist eine gute Organisation“, sagt sie. Über der Sakristei hat Lutzenberger einen Raum, in dem sie – ordentlich in Kisten verpackt – den Weihnachtsschmuck aufbewahrt. Und nach jedem Fest schreibt sie sich auf, was sie wie gemacht hat.
Aber ohne Helfer geht es nicht. Josef Napieralski zum Beispiel kümmert sich um die Kindermette. Bei zwei Proben übt er mit den 17 Kindern, die die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorspielen, wie man ins Mikrofon spricht und den Text betont. Dazu singt der „Sonnenstrahlen“-Chor.
Nach den Messen an den beiden Weihnachtsfeiertagen geht es für Nair Lutzenberger am 27. Dezember gleich nahtlos weiter: mit dem Sternsingen. Dann probiert sie mit den 16 Kindern die Königskostüme an und übt mit ihnen Texte und Lieder. Am 31. Dezember werden die Sternsinger in einem Gottesdienst ausgesendet, am 2. und 3. Januar sind sie in Wiedergeltingen unterwegs.
Danach kann Nair Lutzenberger erstmal kurz verschnaufen. Bis zum Dreikönigstag. Danach muss sie den Hochaltar nämlich schon wieder umbauen: Das Christkind kommt weg, ein Engel kommt hin. Der Josef darf sitzenbleiben.