Für die einen ist er einer der stimmungsvollsten Christkindlmärkte weit und breit. Andere kritisieren den Standort des Mindelheimer Weihnachtsmarktes am Kirchplatz seit Jahren als zu abgelegen. Der Einzelhandel in der Altstadt erfahre durch ihn keine Impulse. Nun soll heuer im Dezember alles anders werden.
Weihnachtliche Stimmung im Herzen der Mindelheimer Altstadt
Den malerischen Weihnachtsmarkt am Kirchplatz mit Karussell, Buden und Bühne wird es 2022 nicht mehr geben. Stattdessen soll Budenzauber an mehreren Stellen auf der Nordseite der Maximilianstraße bis zum Schrannenplatz herrschen und so weihnachtliche Stimmung ins Herz der Stadt getragen werden.
Dazu hat ein Arbeitskreis ein völlig neues Konzept erarbeitet, dem der Stadtrat nach intensiver und teils kontroverser Diskussion mit 18 gegen eine Stimme zugestimmt hat. Profitieren davon sollen in erster Linie Einzelhandel und Gastronomie, die schwere Zeiten wegen der Corona-Pandemie durchmachen mussten, sagte Bürgermeister Stephan Winter.
Zwei Jahre lang konnte der Weihnachtsmarkt wegen Corona auf dem Kirchplatz nicht stattfinden. Zu groß schien den Behörden das Ansteckungsrisiko. Diese Pause nahm die Stadt nun zum Anlass, den Standort einer gründlichen Prüfung zu unterziehen. Ein Arbeitskreis wurde gegründet, dem Vertreter der Fraktionen aus dem Stadtrat, des Einzelhandels und der Gastronomie angehört haben. Vier Sitzungen hat das Gremium für das neue Konzept investiert.
Der Markt in Mindelheim soll vor allem pandemiesicher sein
Vor dem Stadtrat erläuterte Kulturamtsleiter Christian Schedler die Neuerungen. Das Kulturamt ist seit vielen Jahren Organisator des Weihnachtsmarktes. Erste Überlegung sei gewesen, einen pandemiesicheren Weihnachtsmarkt zu organisieren. Es sollte also ein Markt werden, bei dem sich die Menschen nicht allzu nahe kommen können. Es kann derzeit ja nicht ausgeschlossen werden, dass es im Herbst und Winter wieder zu vermehrten Ansteckungen mit dem Virus kommt.
Zweite Vorgabe: Es soll ein Weihnachtsmarkt für Bürgerinnen und Bürger, für den Einzelhandel und die Gastronomie werden. Besucher sollen ins Zentrum der Stadt gezogen werden, sagte Schedler.
Der neue Weihnachtsmarkt soll sich über die gesamte Maximilianstraße bis hin zum Schrannenplatz erstrecken.
Die geschlossene Atmosphäre des Kirchplatzes ist so aber nicht mehr möglich. Statt dessen werden Inseln mit Marktbuden geschaffen. Drei Buden sollen an der Sparkasse stehen, drei beim Café Engel, drei vor dem Maximilian’s, drei am Rathaus, drei Café Dollce und vier vor dem Modehaus Deschler. Kunsthandwerk und Verzehrbuden sollen kombiniert werden. Christian Schedler sagt dazu: Mit Speck fängt man Mäuse.
Einige Buden werden auch auf dem Mindelheimer Marienplatz stehen
Auch auf dem Marienplatz sollen vereinzelt Buden Platz finden. Der Wochenmarkt dienstags und samstags soll aber auch im Advent dort bleiben. Der Märchenwald, der in den vergangenen zwei Jahren im Innenhof des Klosters Maria Ward untergekommen war, zieht auf den Schrannenplatz um.
Manfred Salger (CSU) nannte das Konzept „total unausgereift“. Vier Wochen lang würden Parkplätze wegfallen. „Ich halte das in der wichtigen Vorweihnachtszeit für fatal“. Er fürchtet auch um die Sicherheit von Kindern, wenn der Autoverkehr nahe an den Buden vorbeigeführt wird. Und er sorgt sich um die Standbetreiber, die Kunstgegenstände verkaufen wollen. Wenn die geschlossene Atmosphäre eines Weihnachtsmarktes wegfällt, könnten die Umsätze zurückgehen, fürchtet er.
Fritz Birkle (CSU) ist wenig begeistert. Das sei kein Weihnachtsmarkt mehr, sondern ein Straßenmarkt entlang einer stark befahrenen Strecke. Da komme keine Weihnachtsstimmung auf.
Bürgermeister Winter verwies auf den Arbeitskreis, in dem alle eingebunden gewesen seien. Es wäre frustrierend, wenn das neue Konzept wieder verworfen würde. Da würden dann Einzelhändler zu recht sagen, der Stadtrat mache eh, was er wolle.
Roland Peter (Freie Wähler ) verspricht sich mehr Leben in der Innenstadt. Er warb dafür, den neuen Weg zu probieren. Auch Thomas Burtscher (Grüne) und Ursula Kiefersauer (BG) sprachen sich für die Neuerungen aus, ebenso Mehmet Yesil (SPD). Peter Miller (ÖDP) sagte, aus der Not Corona müsse man eine Tugend machen. Wenn auf der Mindelburg ein Weihnachtsmarkt stattfinden werde, brauche man auf jeden Fall Attraktionen in der Altstadt. Jan-Eric Ahlborn (ÖDP) machte es kurz: „Ich finde es toll“. Er glaube, dass das ein attraktives Angebot sein werde. Und auch Josef Doll (Grüne) zeigte sich zuversichtlich: „Das wird funktionieren.“
Im Januar wollen Mindelheimer Stadträte Bilanz ziehen
In jedem Fall will sich der Stadtrat im Januar zur Manöverkritik zusammenfinden. Dann werde Bilanz gezogen, was funktioniert hat und was nicht. Es könne sogar sein, dass dann die alten Pläne wieder aus der Schublade gezogen werden, deutete der Bürgermeister an.