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Mindelheim: Endlich wieder ein Neujahrsempfang nach der Zwangspause

Mindelheim

Endlich wieder ein Neujahrsempfang nach der Zwangspause

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    Beim Neujahrsemfpang tauschten sich im Forum rund 300 Gäste aus.
    Beim Neujahrsemfpang tauschten sich im Forum rund 300 Gäste aus. Foto: Johann Stoll

    Nur eine Teilnehmerin hat diesmal auf dem Neujahrsempfang der Stadt Mindelheim durch Abwesenheit geglänzt: die heitere Note. Bewusst hatte sich Kulturamtsleiter Christian Schedler, der in der Vergangenheit als Moderator gerne so manche pointierte verbale Spitze zur Freude der Besucher im Forum setzte, diesmal Zügel angelegt. Seit gut zehn Monaten tobt in der Ukraine der Angriffskrieg Russlands, und da schienen Satire, Ironie und tiefere Bedeutung fehl am Platz zu sein.

    Gekommen waren rund 300 Festgäste aus Wirtschaft, Politik, Kirche, Schulen und Vereinen. Ehrenbürger, Ehrenringträger, Verdienstmedaillenbesitzer gaben sich ebenso die Ehre wie Unternehmer, Schulleiterinnen und Schulleiter, Behördenchefs, Kommunalpolitiker und Ärzte. Und auch jene ließen sich nicht zweimal bitten, die beim Wähler heuer angesichts einer Landtagswahl besonders um Aufmerksamkeit buhlen: die Abgeordneten Franz Josef Pschierer (FDP) und Bernhard Pohl (Freie Wähler).

    Wegen der Corona-Pandemie musste der Empfang zweimal ausfallen. Die Tradition seit dem Jahr 2000, dass sich wichtige Akteure in der Stadt zu Beginn des Jahres treffen und Ideen austauschen, war damit unterbrochen.

    Barbara Lochbihler von Amnesty International kam nach Mindelheim

    Dieser Austausch hatte vielen gefehlt. Das war nach der Festrede durch die frühere Grünen-Europapolitikerin und Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Barbara Lochbihler, beim gemütlichen Beisammensein mit Händen zu greifen. Selbst nach 22 Uhr war der Saal noch gut gefüllt.

    Das Miteinander betonte Bürgermeister Stephan Winter. Gerade wenn die Probleme überhandzunehmen scheinen, setzt der Rathauschef auf die Kraft, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Dann entstünden neue Ideen und es müsse niemandem vor der Zukunft bange sein.

    Christian Schedler, der aus Oberbayern stammt, betonte das schwäbische „Zemakomma“. Er griff damit eine Kapitelüberschrift aus dem neuen Bildband über das Unterallgäu auf. Der Mensch brauche Begegnung. Das grandiose Stadtbild und die freie Natur wirkten wie eine Einladung, sie mit Lebensfreude zu erfüllen. Neuer Schwung im „Lebenskarussell“ der Stadt verspricht das Frundsbergfest im Sommer. Etwas von diesem Schwung und guter Laune brachten „Funky Joes feat. Severin G.“ mit ihren Jazzklängen mit, also Severin Gasteiger, Johannes Steber und Johannes Wacker an Schlagzeug, Trompete und Gitarre.

    Die Unternehmer Christian Grob und Brigitte Kleiner.
    Die Unternehmer Christian Grob und Brigitte Kleiner. Foto: Johann Stoll

    Der Abgeordnete Pschierer rief zu MZ auf – zu Mut und Zuversicht. Er würdigte – ebenso wie Winter zuvor – die Leistungen der Unternehmer und aller Ehrenamtlichen. Berufsschule und die Mindelburg sollten vom Freistaat finanziell unterstützt werden.

    Hier deutete Bernhard Pohl an, dass wohl Mittel in den Haushalt eingestellt werden. Ihm ist auch wichtig, dass Privatschulen wie die kirchlichen in Mindelheim finanziell besser ausgestattet werden.

    Beim Neujahrsempfang blickte der Bürgermeister auf die Investitionen

    Bürgermeister Stephan Winter unterstrich die erreichten Erfolge. Zehn Millionen Euro wurden in vier Kitas investiert, das Freibad klimaneutral saniert und Wohnraum werde in Mindelheim, Oberauerbach und Nassenbeuren geschaffen. Für ihre Familienfreundlichkeit und ihre Bemühungen um den Klimaschutz war Mindelheim ausgezeichnet worden. Den Neubau des Klinikums nannte Winter einen wichtigen Baustein für die Lebensqualität.

    Beim Mindelheimer Neujahrsempfang endlich wieder "Zemakomma"

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    300 Gäste aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft feiern beim Neujahrsempfang der Stadt Mindelheim im Forum den Beginn des Jahres.

    Dieses Projekt griff auch Landrat Alex Eder auf. Er bat die Mindelheimer Bevölkerung, das große Ganze zu sehen und sich nicht in Details zu verlieren wie die Einschränkungen durch die Bauarbeiten. Der Klinikverbund investiere hier, weil der von der Zukunftsfähigkeit des Standortes überzeugt sei. Vom Kreis kommen 40 Millionen Euro.

    Der Landrat betonte die gute Lage. In Bayern liegt der Landkreis unter 96 Gebietskörperschaften an fünfter Stelle, wie die Prognos AG ermittelt hat. Die Arbeitslosenquote beträgt 1,9 Prozent. Damit ist das Unterallgäu deutschlandweit an zweiter Stelle.

    Die Flüchtlingswelle sei eine Herkulesaufgabe fürs Unterallgäu, sagte der Landrat

    Als „absolute Herkulesaufgabe“ nannte Eder die neue Flüchtlingswelle. Es fehle an Wohnraum und Kita-Plätzen. Die meisten Flüchtlinge kämen aus Ländern, die zerbombt wurden: an erster Stelle Afghanistan mit 58 Prozent, gefolgt von Syrien mit 21 und Irak mit 17 Prozent. „Neun von zehn Menschen fliehen aus Ländern, in denen auch der Westen Krieg geführt hat“, so Eder. Die Menschen sollten endlich lernen, friedlich miteinander umzugehen. Bomben seien kein geeignetes Mittel für Frieden.

    Das mochte Festrednerin Barbara Lochbihler so nicht stehen lassen. Mit Blick auf die Ukraine stellte sie klar, dass es bei einem Angriffskrieg – in diesem Fall durch Russland – ein Recht auf Selbstverteidigung gibt. Das ist in der Charta der Vereinten Nationen ausdrücklich festgelegt. Russland greife mit dem Krieg alle Werte demokratischer Gesellschaften an.

    In Mindelheim ging es auch um die Menschenrechte

    Lochbihler sprach über Menschenrechte. Alle Menschen müssten in die Lage versetzt werden, in Würde leben zu können. Dazu zählte sie den Klimaschutz, weil Trockenheit und Überflutungen die Ernährung ganzer Bevölkerungen gefährdet.

    Autoritäre Regierungen hätten dankbar aufgenommen, dass die USA ohne Rechtsgrundlage das Foltercamp Guantanamo auf Kuba errichtet hat. Die allgemeinen Menschenrechte seien keine Erfindung des Westens. Sie seien politischer Wille der Weltgemeinschaft. Lochbihler sieht zahlreiche Bestrebungen, die Menschenrechte zu relativieren, um so den eigenen Machterhalt zu sichern.

    Die Redner des Abends (von links): Landrat Alex Eder, Bürgermeister Stephan Winter, die Menschenrechtlerin Barbara Lochbihler, die Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer und Bernhard Pohl sowie Kulturamtsleiter Christian Schedler.
    Die Redner des Abends (von links): Landrat Alex Eder, Bürgermeister Stephan Winter, die Menschenrechtlerin Barbara Lochbihler, die Landtagsabgeordneten Franz Josef Pschierer und Bernhard Pohl sowie Kulturamtsleiter Christian Schedler. Foto: Johann Stoll

    Die Rechte von Frauen stünden weltweit unter Druck. In Afghanistan werde Frauen der Zugang zu Bildung versperrt. Im Iran hätten Frauen nur die Hälfte der Rechte von Männern. „Unser aller Hochachtung“ gehört den Protestierenden, die den Mut haben, dagegen auf die Straße zu gehen, so Lochbihler.

    Klar positionierte sich Lochbihler auch in der Flüchtlingsfrage. 100 Millionen Menschen müssten ihre Heimat verlassen. Sie forderte die Europäische Union auf, für legale Zugangswege zu sorgen.

    Es bestehe Hoffnung zum Besseren. Die Kinderrechtskonvention sei so ein Erfolg, auch dass heute uneheliche Kinder gleichgestellt sind. Man dürfe nicht locker lassen. Barbara Lochbihler, die gebürtige Ronsbergerin, will weiterkämpfen für die Rechte aller Menschen als Auftrag für eine friedliche Welt, auch im Ruhestand, den sie kürzlich angetreten hat. 

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