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Mindelheim: Lässt sich der Hungerbach noch retten?

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Lässt sich der Hungerbach noch retten?

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    Nördlich von Großried wird ein kleiner Teil des Wörthbachs in Richtung Mindelheim abgeleitet, wo er den Hungerbach speist.
    Nördlich von Großried wird ein kleiner Teil des Wörthbachs in Richtung Mindelheim abgeleitet, wo er den Hungerbach speist. Foto: Johann Stoll

    Nur dem beherzten Eingreifen von ein paar Anliegern war es zu verdanken, dass am Montag nicht mehr Fische im Mindelheimer Hungerbach verendet sind als ein paar Dutzend. Überraschend war der Hungerbach am Vormittag plötzlich bis auf ein dünnes Rinnsal nahezu ausgetrocknet. In dem verbliebenen Nass zappelten Fische, die um ihr Leben kämpften. Warum der Bach plötzlich weniger Wasser führte, konnte die Flussmeisterstelle des Wasserwirtschaftsamtes Kempten nicht klären. Der Fachberater des Bezirks Schwaben für das Fischereiwesen, Dr. Oliver Born, vermutet „menschliches Zutun“.

    Der Pegel des Hungerbaches ist fast um die Hälfte gefallen

    Was aber kann getan werden, um den Hungerbach künftig mit ausreichend Wasser zu versorgen, damit es zu einer solchen Tiertragödie nicht mehr kommt? Das Wasserwirtschaftsamt in Kempten hat extra einen Mitarbeiter nach Mindelheim geschickt, damit dieser sich ein Bild von der Lage machen konnte. Auch Born war vor Ort. Das Wasserwirtschaftsamt stellte fest, dass der Hungerbach gleich nach der Autobahn nur noch sehr wenig Wasser führt. Der Pegel sei fast auf die Hälfte gefallen, sagte der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Karl Schindele.

    Der Hungerbach macht der Behörde schon seit vielen Jahren Kummer. Immer wieder komme es vor, dass der Bach ganz austrocknet. Für Flora und Fauna bedeutete das jedes Mal den Tod. Karl Schindele sagt, daher komme auch der Name Hungerbach. Dieser Bach ist im gesamten Gebiet des Wasserwirtschaftsamtes das Fließgewässer, das am meisten gefährdet ist.

    Theoretisch wäre es möglich, dem Bach mehr Wasser zuzuführen. Rund eineinhalb Kilometer nördlich von Großried (Gemeinde Baisweil im Ostallgäu) gibt es eine Ableitung des Wörthbachs. Ein kleiner Teil des Wassers fließt von dieser Stelle ab in Richtung Mindelheim und speist letztlich den Hungerbach.

    An der Stelle besteht ein Wehr. Das ist aber fest eingestellt und wird nicht verschoben. Schindele sagt, wasserrechtlich sei es nicht möglich, hier mehr Wasser abzuleiten. Denn auch der Wörthbach braucht ausreichend Wasser. Etwas weiter bachabwärts gibt es eine Fischzucht. Und noch weiter nördlich leitet die Kläranlage gereinigtes Brauchwasser in den Bach. Dabei darf der Pegel des Baches auch nicht zu niedrig sein.

    Wasser aus dem Wörthbach umzuleiten wäre "nicht zielführend"

    Eine Überleitung von Wasser aus dem Wörthbach ist auch aus Sicht von Dr. Born „nicht zielführend“. Da in dem Überlaufgerinne vom Ableitungswehr aus dem Wörthbach das Wasser in erheblicher Menge im grobkiesigen Untergrund versickert, müsste dem Wörthbach-System eine relativ große Wassermenge entzogen werden, damit diese im Hungerbach überhaupt ankommen würde.

    Dies hätte wiederum spürbare negative Auswirkungen auf die Gewässerökologie im Wörthbach. Zudem stehen auch rechtliche Rahmenbedingungen gegen die Ableitung.

    „Somit ist eine dauerhafte Lösung für die Wasserführung im Hungerbach derzeit leider nicht greifbar“, so Born. Die Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben wird gemeinsam mit der Stadt Mindelheim und dem Wasserwirtschaftsamt weiter daran arbeiten, das Problem zumindest abzumildern. Insbesondere der innerstädtische, unterste Abschnitt des Hungerbachs steht dabei im Fokus, da dort Fische in größerer Zahl aus dem Mindelmühlbach einwandern und bei Wassermangel verenden.

    Keine Lösung sei, den Hungerbach baulich so auszubauen, dass nicht mehr so viel Wasser versickert, erklärt das Wasserwirtschaftsamt. Das wäre nicht nur sehr teuer, sagt der Leiter der Behörde, es würde auch wasserwirtschaftlich keinen Sinn machen. Denn das Wasser, das im Boden versickert, speist das Grundwasser, das sich seit einem Jahr immer mehr abbaut.

    Im Zweifel müssen die Fische umgesetzt werden

    Was also hilft den Fischen im Hungerbach? Aus Sicht des Wasserwirtschaftsamtes gibt es nur einen Weg: Die Fischereivereine müssen handeln, wenn es kritisch wird, und die Fische in andere Gewässer umsetzen.

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