Jeder, der schon einmal umgezogen ist, weiß: Die Kisten mit den Büchern sind die unbeliebtesten. Kaum hat man ein paar Schmöker im Umzugskarton, lässt sich der kaum noch tragen. Doch was macht man, wenn man nicht nur mit ein paar Büchern, sondern gleich mit einer ganzen Bücherei umziehen muss? In dieser Situation steckt gerade Claudia Rothermel, die Leiterin der Mindelheimer Stadtbücherei: Weil das Gebäude saniert werden muss, zieht die Bibliothek übergangsweise in die Museen im Colleg. Für Rothermel und ihr Team bedeutet das viel Arbeit – und doch bleibt die Diplom-Bibliothekarin optimistisch. Auch deshalb, weil das neue Gebäude Vorteile bietet, vor allem für die Leserinnen und Leser.
Als Claudia Rothermel vor dreieinhalb Jahren ihre Stelle in Mindelheim antrat, war ihr schon klar, welch große Aufgabe sie erwartete. In die Planungen für die neue Stadtbücherei und für den Umzug war sie eng eingebunden. Sie strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie davon erzählt: „Es ist eine Riesenchance, die nur wenige Bibliothekare im Lauf ihres Lebens haben.“ Mit jeder Entscheidung werde die neue Bücherei konkreter. Doch zunächst einmal steht der Umzug ins Übergangsquartier an: Drei Jahre soll die Stadtbibliothek in den Museen im Colleg in der Hermelestraße ein Zuhause finden.
Der Umzug der Stadtbücherei Mindelheim steht im Januar an
So ein Umzug will gut organisiert werden. „Ob er gelingt, steht und fällt mit der Vorbereitung“, da ist sich Rothermel sicher. Weil im Colleg nur halb so viel Platz zur Verfügung steht, habe sie schon vor zwei Jahren damit begonnen, Bücher auszusortieren. „Ich habe den Bestand radikal reduziert“, sagt sie. Wurde ein Buch vier Jahre lang nicht ausgeliehen, hieß es: raus damit! Nur ein paar Klassiker durften bleiben. So schaffte es die Bibliothekarin, den Bestand von 31.000 auf 21.000 Bücher zu reduzieren. Jedes Jahr werden etwa 2500 neue Medien angeschafft und genauso viele müssen auch wieder gehen. Rothermel fällt das nicht schwer, sagt sie. Sie richte sich nach den Wünschen der rund 2500 aktiven Nutzerinnen und Nutzer. „Ich bin nur die Verwalterin der Bücher – das Maßgebliche sind die Kunden.“
Auf das Aussortieren folgte das Sortieren: In den vergangenen Monaten hatte Rothermel jedes Buch in der Hand und entschied darüber, ob es im Colleg ins Erdgeschoss kommt und damit in die direkte Ausleihe, oder ins Magazin, aus dem es nach einer Bestellung geholt werden kann. Hinzu kommt: Die bisherige Bücherei hat vier verschiedene Regalsysteme, die nicht miteinander kompatibel sind. Also plant Rothermel genau, welches Regal im Übergangsquartier an welche Stelle kommt. Jeder einzelne Regalboden wird beschriftet, damit beim Umzug wirklich alles funktioniert. Die Umzugsfirma, die schon Erfahrungen mit Büchereien hat, plant dafür sechs Werktage ein. Anfang Januar geht es los.
Zum 1. Januar ändert sich einiges in der Bücherei
Zum Umzugsstress kommen weitere Aufgaben für die Büchereichefin. Überall müssen Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten geändert werden. Neue Flyer müssen gedruckt werden und dann ändern sich zum 1. Januar auch noch die Gebühren, weshalb die Software umgestellt werden muss. Zum 21. Januar will Rothermel wieder öffnen. „Ich bin Optimistin“, sagt sie und lacht. Überhaupt habe ihr der Umzug wieder einmal gezeigt, welche tollen Leserinnen und Leser die Bücherei habe. Dem Aufruf, möglichst viel auszuleihen, seien sie nämlich nachgekommen. 5900 Bücher haben sie ausgeliehen, was 150 Kartons und 2,5 Tonnen Gewicht entspricht, die schon mal nicht umziehen müssen. Manche Nutzerinnen hätten sogar gefragt, ob sie helfen sollen oder sie haben das Büchereiteam mit süßer Nervennahrung überrascht.
Auch im Übergangsquartier sollen Veranstaltungen wie die beliebte Vorlesestunde oder das Kasperletheater angeboten werden. Rothermel hofft auch auf Synergieeffekte mit den Museen, sie könnte sich zum Beispiel eine Lesung über die Urzeit im Archäologiemuseum vorstellen. Worauf sie sich ganz besonders freut: „Man kann die Open Library ausprobieren.“ Das heißt: Die Bücherei hat auch dann geöffnet, wenn kein Personal vor Ort ist – möglich machen das die Öffnungszeiten der Museen. Ausgeliehen werden können Medien dann über das Selbstbedienungsterminal. Bislang hatte die Bücherei 24 Stunden in der Woche geöffnet. Künftig sind es mit 38 Stunden deutlich mehr: Von Dienstag bis Freitag ist sie von 10 bis 17 Uhr durchgehend geöffnet, an den Samstagen von 10 bis 12 Uhr. Hinzu kommen acht Stunden „Open Library“ zu den Museumsöffnungszeiten am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr.
Doch bis es so weit ist, steht noch einiges Arbeit bevor. „Ich freue mich, dass es jetzt endlich losgeht“, sagt Rothermel. Die Räume im Museum seien sehr schön geworden, „wie in einem Schloss“, sagt sie. Jetzt müssen nur noch die Regale und Bücher dorthin kommen.
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