Auf Augenhöhe, nein, dieses Mal nicht mit Tieren, stattdessen mit Weggefährten der besonderen Art: mit Fahrzeugen. So nüchtern wie der Begriff auf den ersten Moment erscheinen mag, ist die Betrachtung seiner Motive für den Maler Michael Bahr natürlich nicht. Im Gegenteil, mit den allermeisten verbindet ihn eine langjährige Beziehung, auf jeden Fall immer eine Geschichte. Doch von vorne.
Mit der „Mindelheimer Zeitungs-Ente“ fing es an
2021 suchte die Mindelheimer Zeitung zum 140-jährigen Jubiläum nach Beiträgen für eine Sonderausgabe. Bahr hatte schnell eine Idee: die „Mindelheimer Zeitungs-Ente“. In sein Acrylbild der klassischen Wellblech-Ente aus den 50er Jahren hat er das Logo der MZ und originale Zeitungsausschnitte eingearbeitet. In den Folgejahren schuf Bahr weitere Porträts liebgewonnener Fahrzeuge, die nun in einer Ausstellung in den Räumen der VHS und passend zum 41. Jahrestreffen der Oldtimerfreunde an Pfingsten zu sehen sind. Zehn Porträts hat der Künstler gemalt, zwei davon erst kürzlich. Es ging ihm nicht darum, fotorealistisch ein Auto oder ein Motorrad abzubilden, sondern darum, den vorgestellten Fahrzeugmodellen eine wertschätzende Betrachtung zuteilwerden zu lassen. Der Malstil sei daher lockerer, der erste Eindruck vor allem ein nostalgischer.
Michael Bahr malt Objekte mit Geschichte
Die Modelle stammen zumeist aus den 50er Jahren, als Optik noch eine größere Rolle spielte. Das älteste porträtierte Modell ist die Vespa von 1947, deren Entwicklung im Jahr zuvor aus einer Mangelsituation heraus entstand: Die Flugzeugbauer-Firma Piaggio entwickelte nach dem Krieg mit einfachsten Mitteln ein alltagstaugliches Fahrzeug – es sollte den Siegeszug der Vespa einleiten. Natürlich ist der Künstler auch selbst Vespa gefahren, lange eine PX 200, schließlich die etwas bequemere Retro-Variante von 2016. Zu sehen ist auch eine BMW R25; mit diesem Motorrad ist der Künstler in den 70er Jahren bis nach Norwegen gereist. Mit dem Opel Olympia Rekord von 1953 verbinden sich für ihn hingegen Kindheitserinnerungen. Ein anderes Motorrad heißt NSU Max, und der ebenfalls vorgestellte VW Bus T 1 („Bulli“) wird bei Bahr zur Symbolfläche für die Position von Pazifisten in Kriegszeiten. Alle porträtierten Fahrzeuge haben auf die eine oder andere Weise mit dem Künstler zu tun, sie sind Abbild des Zeitgeistes, und dabei stets auf Augenhöhe.
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Die Ausstellung ist am Pfingstsonntag, 24. Mai von 11 bis 15 Uhr geöffnet. In dieser Zeit ist Michael Bahr auch anwesend und erzählt gern weitere Geschichten zu den Porträts. Die Ausstellung kann außerdem vom 8. Juni bis zum 30. Juli zu den Öffnungszeiten der VHS in Mindelheim, Maximilianstraße 60 besucht werden.
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