Startseite
Icon Pfeil nach unten
Mindelheim
Icon Pfeil nach unten
Salgen
Icon Pfeil nach unten

Pfaffenhausen/Salgen: Sie wollen die Menschen rund um Pfaffenhausen „zam“ bringen

Pfaffenhausen/Salgen

Sie wollen die Menschen rund um Pfaffenhausen „zam“ bringen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Verbindungsglied zwischen Kirche und Kommune: Ulrike Daufratshofer (links) und Antonia Baur von der ILE Zam setzen sich für die Menschen rund um Pfaffenhausen ein. Das Büro der ILE befindet sich in Salgen, zwischen Rathaus und Kirche.
    Verbindungsglied zwischen Kirche und Kommune: Ulrike Daufratshofer (links) und Antonia Baur von der ILE Zam setzen sich für die Menschen rund um Pfaffenhausen ein. Das Büro der ILE befindet sich in Salgen, zwischen Rathaus und Kirche. Foto: Melanie Lippl

    Zam schaffen und zam etwas (er)schaffen: Das ist in wenigen Worten das Programm der ILE Zam – ein ganz besonderes Projekt, das es seit drei Jahren in und um Pfaffenhausen gibt und das nun in die zweite Runde gehen soll. Das Einzigartige daran: Hier wirken das Amt für Ländliche Entwicklung, die Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Pfaffenhausen und die Pfarreiengemeinschaft zusammen ... äh, „zam“! Und auch die Menschen in der ganzen Region bringt die Kooperation „zam“, auf ganz vielfältige Art und Weise.

    Die Gesichter, die dahinterstehen, sind die 29 Jahre alte Ulrike Daufratshofer und Antonia Baur, 27 Jahre alt, die sie seit einiger Zeit unterstützt. Sie sorgen dafür, dass die Leute „zam“ kommen: untereinander in einem Dorf, aber auch ortsübergreifend. Die jüngsten Projekte, die von der ILE Zam angestoßen wurden, sind Ratsch- und Mitfahrbänkle sowie die ersten Schritte auf dem Weg zu einer Nachbarschaftshilfe. Die Namen dafür – wie sollten sie auch anders sein: „Zam fahren“ und „Zam helfen“.

    Drei Jahre gibt es die ILE Zam in und um Pfaffenhausen

    Aber ILE Zam, was heißt das eigentlich? ILE steht für „Integrierte Ländliche Entwicklung“ und Zam ist die Abkürzung für „Zukunft aktiv meistern“. Drei Jahre gibt es diese Kooperation schon und man geht aktuell davon aus, dass sie noch einmal um diesen Zeitraum verlängert werden könnte. Eine perfekte Gelegenheit also für eine Zwischenbilanz mit den beiden Frauen und Salgens Bürgermeister Roland Hämmerle, der mit Pfarrer Josef Beyrer die Arbeitsgruppe leitet.

    „Hier ist noch viel Funktionierendes da“, bilanziert Ulrike Daufratshofer. „Es gibt noch viele Menschen, die sich engagieren.“ Und dennoch werde vieles anstrengender und schwieriger – sie sieht es deshalb auch als ihre Aufgabe, zu unterstützen, damit Ehrenamt nicht überfordere. „Gleichzeitig gibt es Personen, die hier leben und keinen Anschluss finden.“ Dabei hätten viele den Wunsch nach mehr Menschlichkeit. Doch Räume, in denen man sich zwanglos begegnen kann – und sei es nur die örtliche Bankfiliale – fallen immer öfter weg, Einsamkeit greift immer häufiger um sich. Pfarrer Beyrer beschreibt das gerne mit den Geranientöpfen vor dem Haus: Sie sind gepflegt, aber hinter den Kulissen läuft nicht alles rund. „Man merkt da auch einen gewissen Leidensdruck“, sagt Ulrike Daufratshofer. Und Salgens Bürgermeister Hämmerle bestätigt: „Der Bedarf ist auch auf dem Land da.“ Die ILE soll gegensteuern, Strukturen schaffen, damit Menschen nicht vereinsamen, und stattdessen die Menschlichkeit und damit auch die Lebensqualität vor Ort stärken. „Das ist ein wahnsinniger Mehrwert“, findet Roland Hämmerle.

    Was brauchen die Menschen vor Ort? Und wie können wir das gemeinsam umsetzen? Das sind zwei wichtige Fragen, die sich Ulrike Daufratshofer stellt, wenn sie Projekte angeht. „Viele Menschen haben den Wunsch, etwas zu tun, aber oft fehlt der Rahmen“, sagt sie. Den kann sie schaffen. Anfangs hat die 29-Jährige vor allem für die ILE geworben, sie bekannter gemacht. Auch heute noch läuft die Netzwerkarbeit mit. „Nicht wie eine Spinne im Netz, die alle Fäden in der Hand hält“, betont sie. Ihr ist viel wichtiger, dass andere untereinander ein Netz bauen. Wenn sich Engagierte gegenseitig unterstützen, wenn Informationen besser fließen, schont das gleichzeitig auch Ressourcen. Das funktioniere recht gut, sagt Roland Hämmerle. Und es beginnt schon im Entscheidungsgremium: Da sitzt etwa ein Teenager aus Loppenhausen mit einem Rentner aus Oberrieden zusammen. Zwei Menschen, die sich im normalen Leben vermutlich niemals getroffen hätten, nun aber ihre Sichtweisen austauschen. Etwas, das nicht mehr selbstverständlich ist: „Das Miteinanderreden geht oft verloren“, so Hämmerles Erfahrung.

    Diese Projekte hat es in der VG Pfaffenhausen schon gegeben

    Ulrike Daufratshofer betreut das Regionalbudget, das über die ILE läuft: Hier gibt es Geld für Projekte, die schnell umgesetzt sind und die die Gesellschaft bereichern, insgesamt 100.000 Euro pro Jahr. Das kann ein Grillplatz für Vereine sein, aber auch ein Verkaufsstand, der ausgeliehen werden kann, oder ein Toilettenhäuschen. In Bedernau ist mithilfe der ILE ein Internationales Dorffest entstanden, es gibt ein Ferienprogramm und ein Zeltlager mit 70 Kindern, das abwechselnd in der VG stattfindet. Daufratshofer hat unter anderem ukrainische Geflüchtete und Ehrenamtliche begleitet, es gab ein Benefiz-Fußballspiel mit Vertretern aus allen VG-Orten, Aktionen für Kinder und Jugendliche und ein neues Konzept der Firmvorbereitung. „Aber die Projekte sind nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Antonia Baur. „Dahinter stehen viele Gespräche, Telefonate, Förderung.“ Alles mache man schließlich nicht alleine, sondern „zam“.

    Und dann gibt es auch noch etwas anderes, um das sich Ulrike Daufratshofer kümmert. Menschen in der Not, die unvermittelt bei ihr aufschlagen, weil sie von Wohnungslosigkeit bedroht sind, zum Beispiel, oder Probleme in der Erziehung oder der Pflege eines Angehörigen haben. Etwa einmal im Monat komme so etwas vor, das Spektrum der Themen sei groß. „Da müssen andere Sachen hintenan stehen“, sagt Daufratshofer. Sie hilft, vermittelt weiter – und manchmal hört sie auch einfach nur zu, unterstützt und begleitet jemanden, indem sie einfach da ist für ihn oder sie. Roland Hämmerle beeindruckt „diese Art, das Menschliche, sich mit einem Lächeln um die Probleme der Menschen zu kümmern“.

    Was die ILE Zam für die kommenden Jahre plant

    Mit einem Strahlen im Gesicht berichten Ulrike Daufratshofer und Antonia Baur auch von ihren Plänen für die kommenden Jahre: Ein Repair-Café, weitere Begegnungsmöglichkeiten, mehr Kontakt mit dem Dominikus-Ringeisen-Werk oder Sozialgespräche wie in Salgen spuken als Ideen in ihren Köpfen. Auch eine Jung- oder Neubürgerversammlung, zum Beispiel mit den Vereinen, könnten sich die beiden vorstellen. Sie wollen in Zukunft noch mehr Menschen in der VG Pfaffenhausen „zam“ bringen und hoffen, dass diese Projekt auch andernorts Schule macht: „Nur wenn die soziale Gemeinschaft passt, fühlen sich die Leute wohl und machen mit“, sagt Ulrike Daufratshofer.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren