Am 12. Mai ist der Internationale Tag der Pflegenden – ein Datum, das leicht im Kalender übersehen werden kann, dessen Bedeutung jedoch kaum größer sein könnte. Weltweit sind es rund 30 Millionen Menschen, die in Pflegeberufen arbeiten. 30 Millionen, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen. Für andere. Für unsere Gesellschaft. Für uns alle.
Pflege ist mehr, als man sieht
Dass dieser Tag auf den Geburtstag von Florence Nightingale zurückgeht, ist kein Zufall. Sie war es, die im 19. Jahrhundert den Grundstein für die moderne Pflege legte – mit dem festen Glauben daran, dass Fürsorge, Fachwissen und Menschlichkeit untrennbar zusammengehören. Ein Gedanke, der heute aktueller ist denn je.
Denn: Pflege ist nicht nur Hilfe beim Anziehen oder beim Essen. Sie ist medizinische Versorgung, sie ist Beobachtung, Verantwortung, Organisation – und oft auch das, was sich nicht messen lässt: ein aufmunterndes Wort, ein Moment der Anteilnahme, ein Stück Würde in schwierigen Lebenssituationen. Spätestens seit der Corona-Pandemie ist deutlicher geworden, was Pflegekräfte leisten. Als das Gesundheitssystem an seine Grenzen stieß, waren sie es, die den Betrieb aufrechterhalten haben. Unter enormem Druck, mit langen Schichten, oft bis zur Erschöpfung – und nicht selten unter einem erhöhten gesundheitlichen Risiko.
Pflege braucht Unterstützung
Viele sind geblieben, andere haben aufgegeben: Tausende kehrten ihrem Beruf enttäuscht den Rücken. Das sollte uns zu denken geben. Denn während der Bedarf an Pflege stetig wächst, fehlt es gleichzeitig an Menschen, die diesen Beruf ausüben. In Deutschland arbeiten aktuell rund 1,7 Millionen Menschen in der Pflege – rund 200.000 Fachkräfte werden bereits heute gesucht. Mit Blick in die nahe Zukunft wird das enorme Ausmaß des demografischen Wandels eklatant: Laut Studien der Bertelsmann Stiftung und der Barmer Krankenkasse werden in der Bundesrepublik bis zum Jahr 2030 bis zu 500.000 Pflegekräfte fehlen.
Die Gründe dafür sind vielschichtig, doch einer ist offensichtlich: Wir werden älter. Mit steigender Lebenserwartung wächst auch die Wahrscheinlichkeit, auf Pflege angewiesen zu sein. Während unter allen 70- bis 74-Jährigen hierzulande rund elf Prozent pflegebedürftig sind, benötigen bei den Menschen über 90 Jahren fast 90 Prozent Unterstützung. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes werden rund 86 Prozent der Pflegebedürftigen in Deutschland durch Angehörige in der Familie versorgt. Mit professioneller Unterstützung versteht sich.
Pflege betrifft alle
Pflege ist damit längst nicht mehr nur ein Thema für Einrichtungen und Fachkräfte. Sie betrifft Familien, Kommunen, eine ganze Gesellschaft. Bessere Bezahlung, neue Ausbildungsstrukturen, gesetzliche Reformen – all das sind wichtige Schritte, die aber das Grundproblem nicht lösen. Denn was Pflegekräfte brauchen, ist mehr als Anerkennung. Sie brauchen Zeit. Verlässlichkeit. Arbeitsbedingungen, die es ihnen ermöglichen, ihren Beruf so auszuüben, wie er gedacht ist: mit Sorgfalt und Menschlichkeit. Das Motto des diesjährigen Aktionstags bringt es auf den Punkt: „Our Nurses. Our Future. Empowered Nurses Save Lives“ – sinngemäß: „Unsere Pflegekräfte sind unsere Zukunft. Gestärkte Pflegekräfte retten Leben“.