Ihr gemeinsames Schicksal verbindet sie. Sie leiden zusammen, sie helfen sich gegenseitig. Und sowohl Sebastian Holzmann als auch Manuel Schmid haben das Ziel, nach ihrer Verletzungspause noch stärker zurückzukommen. Beide Alpin-Skifahrer verletzten sich in der Vorbereitung auf die Olympia-Saison 2021/2022, für beide ist der Ski-Winter vorbei, bevor er richtig begonnen hat.
Für den 28-jährigen Holzmann hat der Zeitpunkt aber auch etwas Gutes. „Mein Weltcup-Status bleibt gleich“, sagt der Slalom-Spezialist. „Und ich muss mir keinen Druck machen, sondern kann mich voll auf die Reha konzentrieren. Ich will nach dieser Verletzung noch stärker zurückkommen.“ Diese positive Einstellung ist nach den jüngsten Rückschlägen nicht selbstverständlich. Beim Aufwärmen am Stilfser Joch in den italienischen Alpen – gespielt wurde Fußball-Tennis – sprang Holzmanns Kniescheibe heraus. „Mein Bein war gerade in Bewegung, nach vorne gestreckt“, erzählt der gebürtige Bad Wörishofener. „Ich wusste am Anfang gar nicht, was Sache ist. Dann ist mein Kreislauf zusammengesackt.“
Mit dem Hubschrauber ging es ins Krankenhaus nach Innsbruck
Holzmann wurde mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus nach Innsbruck gebracht, wo ein Knorpelschaden im Knie festgestellt wurde. „Es dauert sechs Monate, bis das ausgeheilt ist“, sagt Holzmann. In einem speziellen Verfahren wurde der Knorpel zerkleinert und mit Blutplasma durchmischt. Der OP-Termin verschob sich dann auch noch, weil der auf Knie-Operationen spezialisierte Mannschaftsarzt Manuel Köhne noch nicht zur Verfügung stand. „In dieser Phase waren meine Laune und meine Motivation richtig im Keller“, sagt Holzmann. Sechs Tage stand der 28-Jährige auf Skiern, das nächste Mal wird es – wenn die Reha nach Plan läuft – Anfang April 2022 wieder auf die Piste gehen.
Diese Rechnung würde auch Manuel Schmid sofort unterschreiben. Der Speedfahrer ist gut mit Holzmann befreundet. „Die Nachricht von Manus Verletzung hat mich noch mal richtig mitgenommen. Ich habe ihn gleich angerufen“, sagt Holzmann. Beide waren nach Holzmanns Operation Zimmergenossen im Krankenhaus in München, treffen sich zwischen den Terminen bei ihren Physiotherapeuten regelmäßig zum Zocken an der Playstation oder unterhalten sich. Schmid, der in Fischen wohnt, sagt: „Ich wohne ja nur ein paar Kilometer entfernt, da lasse ich mich schon mal gerne bei Sebi abliefern.“
Manuel Schmid kann sich an den Sturz nicht erinnern
Ans Autofahren darf er noch nicht denken. Beim Abfahrtstraining in Saas-Fee zog sich der Weltcup-Fahrer einen Kreuz- und Innenbandriss im rechten Knie sowie Verletzungen an den Brustwirbelfortsätzen zu. „Ich kann mich an den Sturz selber nicht erinnern. Es war jedenfalls die fünfte Trainingsfahrt an diesem Tag. Die mentale Verfassung ist gerade bei den Abfahrern wichtig, und ich habe mich gut gefühlt“, sagt Schmid. In einem flachen Abschnitt stürzte er und landete auf dem Rücken. „Rückenprotektor und Airbag haben sich ausgezahlt“, sagt der 28-Jährige. Die Wirbelverletzung fühle sich beim Aufstehen oder Drehen wie ein „richtig krasser“ Muskelkater an. „Für die Stabilität der Wirbelsäule sind diese Dornfortsätze zum Glück nicht relevant.“
Auch Schmid wurde bereits operiert, nun motivieren sich die Skifahrer gegenseitig. „Sowohl Sebi als auch ich haben diese Bewegungsschienen, die das Knie mobilisieren“, sagt Schmid. „Wir liefern uns Duelle, wer das Knie weiter strecken kann.“ Natürlich artet das Ganze bei den Allgäuern nicht in unvernünftige Wettkämpfe aus, dafür sind die Verletzungen viel zu schwerwiegend. „In Gesellschaft tut man sich jedenfalls wesentlich leichter und der Heilungsprozess schreitet besser voran“, sagt Schmid. „Wir bauen uns gegenseitig auf.“
Jetzt drücken die Allgäuer ihren Teamkollegen die Daumen
Der Fischinger hofft, dass er seine Krücken Mitte Oktober ablegen kann. Danach wollen beide mit der gemeinsamen stationären Reha beginnen. „Wir sehen den Zeitfaktor ganz gelassen. Wenn wir im Frühjahr in die Vorbereitung auf die nächste Saison einsteigen können, wäre das super“, sagt Schmid. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass man sich in solchen Fällen Zeit nehmen muss. „Im linken Knie hatte ich 2013 einen Patellasehnenriss, danach bin ich fast zweieinhalb Jahre keine Rennen gefahren“, sagt Schmid. „Man darf einfach nichts überstürzen, auch wenn eine lange und zähe Pause ansteht.“
Bei den Weltcup-Rennen dieser Saison, die am 23./24. Oktober in Sölden (Österreich) beginnt, und bei den Olympischen Spielen in Peking (4. bis 22. Februar 2022) drücken Schmid und Holzmann ihren Teamkollegen die Daumen. Schmid schaut dabei besonders auf seinen Bruder Alexander. „So viele Allgäuer haben wir ja jetzt nicht mehr im Weltcup-Zirkus“, sagt Schmid schmunzelnd.