Bad Wörishofen Etwas verloren stand sie da, mitten in der Coachingzone, die um die Bank des FC Bad Wörishofen gezogen ist: eine blecherne Gießkanne, deren Alter nur schwer zu bestimmen war. Normalerweise ziert sie das Wappen des FC Bad Wörishofen. Beim Kreisligaderby gegen den FSV Amberg erhoffte man sich von dem grauen Metallkorpus wohl heilende Kräfte, die den Abstieg des FCW verhindern sollten.
Anfangs schien das auch zu funktionieren, denn die Wörishofer hatten mehr vom Spiel. Die Taktgeber waren Sebastian Schmid und Ricardo de Pascalis. In der Sturmmitte sorgte Kapitän Tim Dames immer wieder für Gefahr. So auch in der 13. Minute, als er mit dem Hinterkopf den Ball nur knapp am langen Pfosten vorbei setzte. Fünf Minuten später hatte er die größte Chance. Schön frei gespielt von Benedikt Singer stand Damen vollkommen frei vor FSV-Keeper Andreas Schaudt – und scheiterte an dessen Fußabwehr. Die Kanne brachte einfach kein Glück.
In der Folge wurde das Spiel zunehmend zerfahrener. Viele Fouls und noch mehr Stockfehler führten dazu, dass man das Gefühl hatte, eine Tischkickerpartie hätte mehr Spielfluss. Erst kurz vor der Pause blitzte wieder etwas Spielkultur auf: Doch bezeichnenderweise stand Wörishofens Matthias Heinrich am Ende des schönsten Spielzugs mit schnellen Kurzpässen im Abseits. Und plötzlich hatte auch Amberg seine ersten Torchancen. Zunächst schlenzte Andreas Bleyer den Ball nach einem schnell ausgeführten Freistoß über das Tor (42.), dann vergab Tobias Sirch nach einem schnellen Konter allein vor FCW-Torhüter Ricardo Morano.
Das Tor fiel vollkommen überraschend
Im ähnlichen Stil ging es in der zweiten Hälfte weiter. Amberg spielte zwar gefällig aus der Abwehr heraus, spätestens an der Mittellinie war jedoch Schluss und der FCW hatte sich den Ball erkämpft, diesen aber auch schnellstmöglich wieder verloren. Die Führung für den FSV Amberg fiel quasi aus heiterem Himmel. Nach einem Eckball landete der Ball irgendwie bei Andreas Bleyer, der mit dem Rücken zum Tor zum Fallrückzieher ansetzte – und den Ball tatsächlich im langen Eck unterbrachte (60.). Nur eine Minute später sah Ambergs Reinhard Klaus die Rote Karte. Er hatte seinen Gegenspieler umgestoßen.
Anschließend zog sich Amberg zurück, überließ dem FCW das Mittelfeld. Doch dieser konnte, selbst mit Unterstützung ihres eingewechselten Spielertrainers Marian Argintaru die Überzahl nicht nutzen. Ilian Ribic scheiterte in der 65. Minute mit einer Direktabnahme, anschließend zeichnete sich FSV-Torhüter Schaudt noch bei drei gefährlichen Freistößen aus.
„Kanne leer“, könnte man frei nach Giovanni Trapattoni sagen. Denn für einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf war das zu wenig, am Ende blieb es beim glücklichen 1:0-Sieg für den FSV Amberg. Die Gießkanne hatte ihre Schuldigkeit offenbar nicht getan. Vielleicht wird sie dennoch in zwei Wochen herausgeholt, wenn der FCW den TSV Kirchheim zum Abstiegsduell empfängt.
So haben sie gespielt:
FC Bad Wörishofen Morano, K. Dillian, Oberstaller, Konieczny, Singer, Tasic, De Pascalis, Ribic, Dames, Schmid, Heinrich, (Lutzenberger, Dietrich, Argintaru)
FSV AmbergA. Schaudt, Klaus, A. Bleyer, Müller, Hartung, Schneider, Sirch, Belm, Th. Bleyer, Zink, R. Schaudt, (T. Aschner, Ph. Aschner)
Tor 0:1 Andreas Bleyer (60.)
Rote Karte Reinhard Klaus (Amberg/61.) wg. Tätlichkeit
Zuschauer 70
Schiedsrichter Jürgen Schneider (SRG Augsburg)