Ein weiß-blaues Segelboot wird von leichtem Wind geschaukelt, die Sonne lacht, Benjamin Adelwarth strahlt. „Das ist heute was Besonderes“, findet der BLSV-Kreisvorsitzende, „das gibt es nur einmal im Landkreis und ich hab richtig Bock drauf“. Seit 1964 setzt der Bad Wörishofener Segelclub die Segel auf dem Bad Wörishofener Stausee.
Die Spannung steigt: Benjamin Adelwarth vor seinem ersten Segeltörn
Die Schwimmwesten werden angelegt, die Segel ausgerollt, die Spannung steigt. Schon der Weg über den auf blauen Tonnen gelagerten Schwimmsteg ist eine recht wackelige Angelegenheit und animiert BLSV-Kreisvorsitzenden Benjamin Adelwarth zur Frage nach dem Umgang mit Seekrankheit. „Den Horizont fixieren“, rät der Vorsitzende des Bad Wörishofener Segelclubs Michael Flocken und lacht verschmitzt. Gemeinsam werden die Segel befestigt, der erste Kraftakt, der gelernt sein will. „Bis man segelt ist es ein bisschen anstrengend und es ist viel Fachwissen erforderlich“, resümiert Benjamin Adelwarth.
Nach einer kurzen Einführung in die Nutzung des Ruders, die Knotenkunde und typische Seemannsbegriffe wie Backbord (nach vorne blickend links), Steuerbord (nach vorne blickend rechts), Luv (dem Wind zugewandte Seite des Bootes) und Lee (dem Wind abgewandte Seite des Bootes) löst Michael Flocken die Bootsleine.
Der vereinseigene Kielzugvogel, ein offenes Kielboot mit holbarem Ballastkiel, gleitet sanft übers Wasser. Benjamin Adelwarth hat als Kapitän auf dem Bootsrand Platz genommen und hält das Ruder fest in der Hand. Das bewegliche Großsegel flattert im auffrischenden Wind und kommt ihm bedenklich nahe. „Schmeißt mich das jetzt um?“, fragt er etwas skeptisch, doch Michael Flocken beruhigt ihn. „Von diesem Boot hier runter zu fallen geht kaum“. Dennoch ist es für die nun anstehende Wende notwendig, das Großsegel komplett von einer Bootsseite auf die andere zu schwenken, Adelwarth schlüpft gekonnt unten durch und freut sich über die gelungene erste Aktion. Unter professioneller Anleitung von Michael Flocken steuert er das Segelboot über den Bad Wörishofener Stausee.
Für einen kurzen Moment darf sanftes Dahingleiten genossen werden, doch immer wieder werden Windböen zur Herausforderung. Das Segelboot neigt sich, korrektes Reagieren ist erforderlich. „Es ist sehr anspruchsvoll“, findet der Segelanfänger, „man muss auch dran bleiben und nicht nur schwelgen“. Der erfahrene Segler Michael Flocken freut sich über jede bereits an der Wasseroberfläche sichtbare Böe, das Segeln bei richtig starkem Wind mache ihm am meisten Spaß, „dann kannst du richtig Sport machen“. Er deutet auf eine im Wasser schwimmende Boje. „Klar zur Wende?“, fragt er und nach dem eindeutigen „Ja“ von Adelwarth biegt der Kielzugvogel auch schon nach links ab.
Optimale Verhältnisse auf dem Irsinger See
Der 1.250 Meter lange und 650 Meter breite Bad Wörishofener Stausee, auch als Irsinger See bekannt, bietet dank seiner drehenden und böigen Winde optimale Verhältnisse, um das Segeln zu erlernen. Benjamin Adelwarth lächelt vergnügt, „man fühlt sich irgendwie wie ein Kind auf Entdeckungstour“. Auch bei seiner 39. im Landkreis ausprobierten Sportart lernt er schnell. „Er hat Feingefühl und ist voll talentiert, ich würde ihn wieder mitnehmen“, lobt Miachael Flocken, als er auch das Anlegemanöver mit Bravour meistert. Der BLSV-Kreisvorsitzende strahlt. „Ich würde es jedem empfehlen mal auszuprobieren, weil´s Spaß macht“. Wer einfach mal vorbei schauen möchte dürfe dies bei schönem Wetter montags abends zum Feierabendsegeln gerne tun, betont Michael Flocken. Mit ein bisschen Glück sei ein Platz auf einem Boot frei und es könne mitgesegelt werden. „Es ist ein cooler Sport, vor allem bei uns vor der Haustür“.
Der Bad Wörishofener Segelclub zählt aktuell rund 120 Mitglieder. 16 Segelschüler aller Altersklassen lernen diesen besonderen Sport aktuell, nach 20 Stunden Theorie im ortsansässigen Clubheim und zehn Doppelstunden Praxis auf dem See kann die Prüfung abgelegt werden. Der Kurs beginnt einmal jährlich im Januar, das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Echte Könner gibt es bei den geplanten Wettbewerben zu sehen. Am 21. Juni ist ein Match-Race geplant, am 12. Juli ein Fun-Race und am 20. September eine Herbstregatta. Der Verein besitzt neben zwei Kielzugvögeln unter anderem mehrere Optiboote, um Kinder an das Segeln heranzuführen. Nähere Informationen zum Bad Wörishofener Segelclub sind im Internet unter bwsc-ev.de zu finden.
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