Judo: Judo: So wird der BLSV-Kreisvorsitzende aufs Kreuz gelegt
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Judo: So wird der BLSV-Kreisvorsitzende aufs Kreuz gelegt
Benjamin Adelwarth hält Wort: Der BLSV-Kreisvorsitzende will sämtliche Sportarten „seines“ Kreises ausprobieren. Seine erste Station führt ihn zum TSV Bad Wörishofen – auf die Judo-Matte.
Die erste Herausforderung ist gleich das Schnüren des Gurts.Foto: Axel Schmidt
Ein Mann, ein Wort: Als Benjamin Adelwarth zum neuen Vorsitzenden des BLSV-Kreises Memmingen/Unterallgäu gewählt wurde, lautete eine seiner Vorhaben, sämtliche Sportarten, die es in „seinem“ BLSV-Kreis gibt, selbst auszuprobieren. Der Anfang ist gemacht – mit einer Trainingsstunde bei den Judokas des TSV Bad Wörishofen.
Die Dreifachsporthalle in Bad Wörishofen gibt es seit etwas mehr als sechs Jahren. Geht man in den Keller der Sporthalle, wo die Judokas ihre Heimstatt haben, wirkt es, als ob man eine Zeitreise machte: Bilder an den Wänden von Judo-Kampfformen sind noch in schwarz-weiß gehalten und haben einen Sponsor, der darauf wirbt, die Mannschaft für die Olympiade in Tokio 1964 auszustatten. Der Bezug der Hantelbank ist an mehreren Stellen aufgeplatzt, an einer Wand hängt einsam eine japanische Flagge.
Erste Aufgabe: die Einkleidung
Selbst der braune Gurt von Matthias Kerler ist schon ziemlich abgewetzt. Er ist Abteilungsleiter und an diesem Abend der Trainer der kleinen Gruppe von drei Männern und zwei Frauen, die sich an diesem Abend zum Judo-Training eingefunden hat. Bevor es aber losgeht, muss ein Gast eingekleidet werden. Benjamin Adelwarth kommt zwar in Sportkleidung, hat aber bei seiner Judo-Premiere noch keinen Judo-Anzug. Der 39-jährige Dirlewanger ist seit November vergangenen Jahres Vorsitzender des Sportkreises Memmingen-Unterallgäu im Bayerischen Landessportverband (BLSV). Als solcher hatte er sich auf die Fahnen geschrieben, sämtliche Sportarten, die in „seinem“ Kreis angeboten werden, während seiner Amtszeit selbst auszutesten.
Die erste Herausforderung ist gleich das Schnüren des Gurts.Foto: Axel Schmidt
Die erste Station ist nun also die Judo-Halle in Bad Wörishofen. Matthias Kerler nimmt sich Zeit für den Neuling, reicht ihm den weißen, aus festem Stoff genähten Anzug. Dann wird der Gurt geschnürt. Auch das ist, für Nicht-Judoka, schon eine Wissenschaft für sich.
Dann geht es an die traditionelle Begrüßung: In einer Reihe, der Gurtfarbe nach geordnet, knien sich die Judokas vor ihrem Trainer nieder, stehen nacheinander auf und verbeugen sich. Es folgt das Aufwärmprogramm. Und wer glaubt, dass sich das mit dem Warmlaufen und Dehnen einer Fußballmannschaft vor dem Training vergleichen lässt, irrt gewaltig. Denn das Aufwärmprogramm nimmt zeitlich locker die Hälfte des 90-minütigen Trainings ein.
Das Aufwärmprogramm ist schweißtreibend und lang
Warmlaufen, Dehnen und dann ein Zirkeltraining, das es in sich hat: Liegestützen, Sit-Ups, Planking – der Schweiß tropft Adelwarth von der Stirn. Doch er hält wacker mit. Erstmals kommt Judo-Feeling auf, als es um die Fallschule geht, sprich: Wie lasse ich mich richtig fallen oder abrollen? Matthias Kerler nimmt sich Adelwarth zur Seite und zeigt dem Kreisvorsitzenden, wie man ohne Hände und dennoch verletzungsfrei nach vorne abrollen kann. Und Adelwarth liefert. „Das sieht gar nicht schlecht aus“, lobt Kerler. „Für einen Anfänger machst du das gut, da hatten wir schon Schlechtere.“
Das richtige Fallen und Abrollen will gelernt sein.Foto: Axel Schmidt
Trotz des Lobes findet die nächste Judo-Übung ohne Adelwarth statt: Vorwärts- und Rückwärtswürfe. Stattdessen darf er die Stoppuhr bedienen. Eine Minute lang schultern oder heben sich immer je zwei Judokas nacheinander. Das schnellste Trainingspaar kommt auf je zehn Würfe in dieser Zeit. „Alle sechs Sekunden fliegt einer“, staunt Adelwarth.
Der BLSV-Kreisvorsitzende Benjamin Adelwarth hat angekündigt, während seiner Amtszeit sämtliche 44 Sportarten im BLSV-Kreis zu testen. Seine erste Station: Judo.
Für ihn ist nach dem 50-minütigen Aufwärmprogramm Schluss. Nun feilen die „Profis“ auf der Matte an ihren einstudierten Wurf- und Kampftechniken. „Judo ist eher wie Raufen“, beschreibt Matthias Kerler den Sport, den er seit seiner Kindheit betreibt.
Früher traten Wörishofer Judoka in der Bayernliga an
Beim TSV Peiting ist Kerler ebenfalls Judoka und kämpft dort mit der Mannschaft in der Bezirksliga um Punkte. Das ist beim TSV Bad Wörishofen nicht mehr möglich. Bis zum Jahr 2008 stellten die Wörishofer Judokas ebenfalls eine Mannschaft, feierten mit dieser durchaus große Erfolge, wie dem schwäbischen Mannschaftstitel 1979 und dem anschließenden Sieg beim Qualifikationsturnier zur Landesliga. Es folgten unter dem langjährigen und umtriebigen Abteilungsleiter Dieter Hanisch (1977 bis 2017) stolze 29 Jahre im Ligabetrieb, darunter gar fünf Jahre in der Bayernliga, und einige Landesliga-Meisterschaften.
Mit der richtigen Technik können Frauen auch Männer bezwingen.Foto: Axel Schmidt
Doch mittlerweile sei die Bereitschaft der Sportler, an Meisterschaften oder Wettkämpfen teilzunehmen, gesunken, sagt Hanischs Nachfolger Matthias Kerler. „Selbst die Kinder oder deren Eltern wollen das oft nicht mehr.“ So bleibt es letztlich beim Trainingsbetrieb. Der – immerhin – wird in Bad Wörishofen aber regelmäßig und vor allem im Kinder- und Jugendbereich gut angenommen. „Wir haben aktuell rund 20 Kinder im Kindertraining und 15 Judokas bei den Jugendlichen“, sagt Kerler.
Judo ist für alle Altersklassen und Geschlechter geeignet
Das Schöne am Judo sei, dass es keine Alters- oder Geschlechtergrenzen gibt. So könnten etwa Vater und Sohn ebenso trainieren, wie Mann gegen Frau. „Was man braucht, ist eine Grundfitness und die Begeisterung für Sport mit Körperkontakt“, sagt Kerler, ehe er das Training nach 90 Minuten beendet und seine Schützlinge mit dem traditionellen Abgrüßen entlässt.
Judo TSV Bad Wörishofen - Training mit dem BLSV-Kreisvorsitzenden
BLSV-Kreisvorsitzender Benjamin Adelwarth löst sein Versprechen ein: Er wollte sämtliche 44 Sportarten, die in den Vereinen "seines" BLSV-Kreises Memmingen/Unterallgäu angeboten werden, selbst testen. Seine erste Station waren nun die Judoka des TSV Bad Wörishofen um Matthias Kerler.
Foto: Axel Schmidt
Und Adelwarths Fazit? „Es war spannend, den Sport zu erleben. Ich befürchte nur, dass ich morgen einen ziemlichen Muskelkater haben werde.“