Startseite
Icon Pfeil nach unten
Mindelheim
Icon Pfeil nach unten

Türkheim/Rammingen: Wie Schulkinder respektvoller miteinander umgehen können

Türkheim/Rammingen

Wie Schulkinder respektvoller miteinander umgehen können

    • |
    • |
    Stolz zeigen sie ihre Urkunden: die Klasse 1 c der Grundschule Türkheim, mit den beiden Trainerinnen Gitti Wagner (links) und Madleine Graf.
    Stolz zeigen sie ihre Urkunden: die Klasse 1 c der Grundschule Türkheim, mit den beiden Trainerinnen Gitti Wagner (links) und Madleine Graf. Foto: Sabine Schaa-Schilbach

    „Wie wir lernen können, uns besser zu verstehen und aufeinander zu achten?“ Um diese Frage ging es an insgesamt sieben Vormittagen in den Klassen der Grundschulen in Türkheim und in Rammingen. Schulleiterin Hildegard Ohlmann erläutert den Hintergrund für dieses Training zum besseren Miteinander: der soziale Umgang der Schulkinder untereinander sei schwierig geworden. Alltagskonflikte würden immer wieder zu riesigen Dramen führen, Grenzen würden verletzt und Rücksichtnahme müsse erst wieder gelernt werden.

    Die Corona-Zeit mit ihrer Isolierung habe eben nicht nur zu Lerndefiziten bei den Kindern geführt, sondern auch das Training im täglichen Umgang miteinander habe ihnen gefehlt. Zu Lösungsansätzen für dieses Problem hatten zwei Dozentinnen, Gitti Wagner und Madleine Graf, im Herbst zu einer Lehrerfortbildung und einem Elternabend eingeladen. Und weil das Kollegium die sozialen Defizite bei den Kindern in den Griff bekommen wollte, war die Idee des Projekts „Löwenruhe“ und „Alltagshelden“ entstanden, direkt für und mit den Kindern in den Klassen. Wagner und Graf waren wieder mit dabei. Für die insgesamt anfallenden Kosten von 5600 Euro kamen als Sponsoren die Firma Schwelle in Türkheim und der Allgäu Skyline Park Rammingen auf.

    Die Kinder in Türkheim und Rammingen erfahren spielerisch, was Rücksichtnahme ist

    Wie lief so etwas ab? Mit Regeln dafür, wie sich alle wohlfühlen könnten: „Wir hören zu, wir schauen uns in die Augen und wir bleiben bei uns.“ Dann durften die Kinder im Klassenzimmer herumlaufen. „Wie fühlt es sich an, wenn wir ohne aufeinander zu achten uns beim Drängeln anrempeln? Wie, wenn wir aufpassen und niemanden berühren?“

    Madleine Graf erzählte den Kindern der Klasse 1/2 in der Grundschule Rammingen die Geschichte von „Irgendwie Anders“.
    Madleine Graf erzählte den Kindern der Klasse 1/2 in der Grundschule Rammingen die Geschichte von „Irgendwie Anders“. Foto: Sabine Schaa-Schilbach

    Eindrucksvoll für die Kinder war das erst glatte, dann zerknüllte große Herz aus Papier, zerknittert von so vielen Beleidigungen. Auch wenn man sich entschuldigen würde mit „das tut mir Leid - war nicht so gemeint - wollen wir wieder Freunde sein?“ sei der Schaden schon entstanden und das Negative schon abgespeichert. Als dann ein Mädchen von sich und von genau dieser Situation erzählte - wie es in ihr aussah, und dass sie selbst angefangen habe, die Herabsetzung zu glauben - da war es auf einmal ganz still und ruhig im Klassenzimmer. Die Kinder hatten verstanden.

    Lehrerin Saskia Bader will dem Verlust von Werten begegnen

    Dieses Beispiel würde ihnen sicher lange in Erinnerung bleiben, erwartet Klassenlehrerin Saskia Bader. Ein Ziel des Projekts sei es, dass die Kinder verstehen, wie sie sich vor Beleidigungen und Verletzungen schützen könnten. Sie glaube, so Saskia Bader, dass Kinder heute weniger emotional geerdet seien als früher. Der Umgang miteinander sei weniger achtsam und weniger von Respekt geprägt. Das habe ganz unterschiedliche Gründe. In diesem Zusammenhang seien die sozialen Medien sicher ein Teil des Problems. Auch wenn es hier in einer Schule „auf dem Land“ noch nicht so sei wie in größeren Städten, spüre man doch auch hier einen Verlust von Werten. Diese müssten wieder vermittelt werden.

    Diskutieren Sie mit
    0 Kommentare

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Registrieren sie sich

    Sie haben ein Konto? Hier anmelden