"Die ganz fetten Jahre sind vorbei", fasste Michael Mussack seinen Vortrag knapp zusammen. Zuvor hatte der Kämmerer dem Gemeinderat des Marktes Tussenhausen seine Haushaltsplanung für die Jahre 2023 bis 2026 vorgestellt. Daraus ging hervor, dass der Markt deutlich höhere Schulden wird aufnehmen müssen, die sich vor allem auf zwei Investitionsfelder zurückführen lassen. Beide sind wichtig für die Infrastruktur in den drei Gemeindeteilen.
Dabei handelt es sich zum einen um die Feuerwehr. Nachdem in den vergangenen Jahren kräftig in das Feuerwehrhaus Mattsies investiert wurde, stehen für nächstes und übernächstes Jahr die Feuerwehrhäuser Tussenhausen und Zaisertshofen auf dem Zettel. In beide fließen jeweils zwei Millionen Euro. Dazu kommt das neue Feuerwehrauto für Mattsies mit gut einer Viertelmillion Euro in diesem und ein Mannschaftstransportwagen mit 140.000 Euro im nächsten Jahr.
Die Hebesätze im Markt Tussenhausen werden steigen
Der zweite große Kostenfaktor sind der Neubau bzw. die Erweiterung der Kindergärten von Zaisertshofen und Tussenhausen. So kostet der Neubau in Zaisertshofen in diesem und im nächsten Jahr zusammen rund 1,7 Millionen Euro und die Erweiterung des Kindergartens Tussenhausen sogar 3,1 Millionen Euro. "Ich sehe uns bei diesen Themen aber auch in der Pflicht", sagte Bürgermeister Johannes Ruf nach dem Bericht seines Kämmerers, "das Geld ist dann ja auch nicht weg, sondern in unserem Immobilienbestand".
Nichtsdestotrotz muss sich die Gemeinde Gedanken machen, wie sie diese Ausgaben in Zeiten von Inflation und steigenden Zinsen wird stemmen können. Kämmerer Mussack sprach dabei vor allem von steigenden Hebesätzen. Gewerbesteuern, Kita- und Friedhofsgebühren würden steigen müssen. Gemeinderat Andreas Schuster wollte darüber hinaus sowohl die Ausgaben ab sofort frühzeitiger überdenken und vor allem langfristige Einnahmequellen erschließen.
Die PV-Anlage in Zaisertshofen ist ein kleiner Schritt für langfristige Einnahmen
Eine dieser Einnahmequellen wird die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Sportheims vom TSV Zaisertshofen sein. Nach längeren Diskussionen mit den Vereinsverantwortlichen hat der Gemeinderat nun beschlossen, die PV-Anlage zu finanzieren. Die Vereinsmitglieder werden unter professioneller Anleitung die Montage übernehmen und ihren Eigenbedarf an Strom über die Anlage decken dürfen. Dafür bekommt der Gemeinderat zukünftig alle Einnahmen, die die Anlage nach Abzug dieses Eigenbedarfs generiert.
"Ein erster kleiner Schritt", wie es Gemeinderat Andreas Schuster nannte. Rund 30.000 Euro sollen in 20 Jahren nach Abzug der Finanzierungskosten übrig sein. Ab 2043 wirft die Anlage also jährliche Einnahmen ab. Um die zu erwartenden Schulden der nächsten Jahre aufzuhalten, wird das jedoch nicht reichen. Nach einer Gesamtverschuldung von rund 2 Millionen in diesem Jahr rechnet die Gemeinde im nächsten Jahr schon mit Schulden von 5,5 Millionen Euro und mit fast 8 Millionen Euro im Jahr 2025. Wie die vergangenen Jahre jedoch gezeigt haben, sind solche Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen. Wer hätte vor vier Jahren ahnen können, wie die Welt 2023 aussieht. Einen Trend gibt die Rechnung dennoch vor.