Herr Plepla, vereinzelt erreichen uns Anfragen von Seniorinnen und Senioren, die sich über Mängel beim „Essen auf Rädern“ oder in der Pflege beschweren, zuletzt aus Ettringen. Für solche Beschwerden ist die Redaktion der Mindelheimer Zeitung ja eigentlich nicht der richtige Ansprechpartner ...
Plepla: Nein, aber auch bei uns in der Seniorenabteilung des Landratsamtes kommen vereinzelt solche oder ähnliche Beschwerden an.
Und wohin sollten sich Seniorinnen oder Senioren wenden, wenn sie Probleme haben?
Plepla: Mein Rat: Immer zuerst das persönliche Gespräch suchen und in einer freundlichen Atmosphäre die eigenen Sorgen und Nöte schildern. Zu beachten ist, dass bei der Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst erst mal fremde Menschen in die eigene Wohnung kommen. Eine gewisse Eingewöhnungszeit sollten beide Seiten einplanen. Es ist auch zu beachten, dass Pflegedienste ihre Arbeit auf viele Kundenwünsche hin organisieren müssen. Die Personalsituation ist auch dort sehr angespannt und es kann leider oftmals nicht mehr jeder Wunsch erfüllt werden.
Aber wenn die Senioren dazu nicht mehr in der Lage sind oder sich nicht trauen?
Plepla: Es ist immer gut, wenn man ältere und hilfsbedürftige Menschen mit ihren Anliegen nicht alleine lässt und Angehörige oder nahestehende Personen sie unterstützen.
Und wenn dieses Gespräch nicht zum gewünschten Ergebnis führt?
Plepla: In fast jeder Gemeinde im Unterallgäu gibt es Seniorenbeauftragte oder Quartiersmanager. Die Kontaktdaten können in der jeweiligen Gemeinde oder bei uns im Landratsamt erfragt werden. Sie kennen die örtliche Situation und stehen den Ratsuchenden gerne zur Seite. Ist man mit der pflegerischen Versorgung des ambulanten Pflegedienstes unzufrieden, sollte man das direkt mit der jeweiligen Pflegeperson besprechen. Hilft dies nichts, ist der nächste Schritt das Gespräch mit der zuständigen Pflegedienstleitung. Gute Pflegedienste verstehen solche Hinweise oder Beschwerden zur Verbesserung der Situation als einen wertvollen Beitrag zur internen Qualitätssicherung.
Letztlich kann ein Pflegevertrag auch wieder gekündigt werden und man kann sich einen anderen ambulanten Pflegedienst suchen. Dann sollte man aber auf jeden Fall seine Pflegekasse über den Wechsel des Anbieters informieren.
Was, wenn das alles bei Problemen in der Pflege noch nicht hilft?
Und wenn das alles doch nicht hilft?
Plepla: Dann sollten Sie Kontakt mit ihrer zuständigen Pflegekasse aufnehmen. Die Pflegekasse ist als Kostenträger daran interessiert, dass die Leistungen ordnungsgemäß und in guter Qualität bei ihren Versicherten ankommen. Zudem ist die Pflegekasse verpflichtet, auf die Einhaltung des Versorgungsvertrages zu achten. Bei Empfängern von Sozialhilfeleistungen ist auch der Bezirk Schwaben als Kostenträger (Hilfe zur Pflege) der richtige Ansprechpartner.
Hören Sie häufig Klagen über Missstände in der Pflege oder bei der Essensversorgung.
Plepla: Nein, das gibt es nur vereinzelt. Bei „Essen auf Rädern“ wird oftmals über den hohen Preis geklagt, der je nach Anbieter bei ca. 10 Euro liegen kann. Im Falle von Pflegebedürftigkeit gibt es aber einen Zuschuss über den Entlastungsbetrag der Pflegekassen. Einige Anbieter liefern die Menüs auch tiefgekühlt, was flexibler und meist günstiger ist. Es lohnt sich auf jeden Fall verschiedene Anbieter auszuprobieren, denn auch über Geschmack lässt sich ja streiten. Die personelle Situation bei den Pflegediensten ist insgesamt sehr angespannt. Es gibt einfach zu wenige Pflegekräfte im gesamten System. Die Pflegekräfte leisten unglaubliche Arbeit und kompensieren die Situation wo es nur geht. Neben dem Zeitdruck haben sie auch immer noch ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Ich glaube, das sollte man bei der Versorgung auch immer berücksichtigen. Das heißt aber nicht, dass eine mangelhafte pflegerische Versorgung akzeptiert werden sollte.
Zum Glück leisten meist die pflegenden Angehörigen auch einen wertvollen Beitrag zur guten Versorgung. Ohne diese Hilfe würde sich die Situation nochmals drastisch verschärfen.
Was bei dringenden Fällen zu tun ist, erklärt der Plepla ebenfalls
Gibt es auch Hilfe bei dringenden Fällen?
Plepla: Die zuständige Pflegekasse des Versicherten wird sich sicherlich sehr schnell um das Anliegen kümmern. Darüber hinaus hat der Freistaat auch eine Beschwerdestelle beim Landesamt für Pflege eingerichtet. Der sogenannte Pflege-SOS Bayern hilft vor allem bei Beschwerden zur pflegerischen Versorgung in stationären Einrichtungen. Aber ich denke, wenn jemand in Not ist, kann man sich durchaus auch dorthin wenden. Die kostenfreie Telefonnummer ist die 09621/9669660.
Das klingt nach ziemlich Stress und Ärger?
Plepla: In begründeten Einzelfällen ist das nicht zu vermeiden. Ich rate immer dazu, mehrere Helfer oder Anbieter in die Versorgung von Pflegebedürftigen im eigenen Zuhause einzubeziehen. Durch einen guten Hilfemix kontrolliert sich das System meist von ganz allein. Angehörige, Nachbarschaftshilfen, Therapeuten, Hausärzte, Betreuungsgruppen oder Tagespflegen sind da unter anderem zu nennen. Aber mein wichtigster Rat bleibt: erst das klärende Gespräch suchen. So können Konflikte aus der Welt geräumt werden oder sie entstehen erst gar nicht.