Wie geht es Ihnen und wobei stören wir Sie gerade?
SABRINA DEUBLER (VORSITZENDE DES VEREINS „DIE HONIGBIENE WERTACHTAL“): Jetzt ist die Bienensaison im Gange und ganz traditionell beginnen die Bienen im Mai schwarmtriebig zu werden, das heißt, sie bilden Nachschaffungszellen, um neue Königinnen heranzuziehen. Somit haben die Imker nun allerhand zu tun. Bei den regelmäßigen Kontrollen müssen sie beobachten: Wie agiert das Volk? Ist das Brutbild der Königin in Ordnung? Muss der Drohnenrahmen entfernt werden? Ich komme gerade von meinem Brutschrank, denn es sind schon ein paar Königinnen geschlüpft, die nun ein kleines Volk für ihren Hochzeitsflug benötigen und versorgt werden müssen.
Was fasziniert Sie an Ihren Bienen?
DEUBLER: Da gibt es viel zu erzählen: zum einen den Aufbau des Bienenvolks und wie alles mit der Königin und deren Pheromonen zusammenhängt. Auch wie die Bienen untereinander über Brut, Honig und die nächste Trachtquelle kommunizieren, ist faszinierend. Zum anderen beeindruckt aber auch die Vielfalt und Kraft der Api-Produkte, also von Propolis, Pollen, Honig und dessen Inhaltsstoffen. Ein Bienenvolk ist so vielfältig und mit nichts zu vergleichen. Das Faszinierendste am Imkern jedoch ist, dass wir versuchen, den Bienen alles recht zu machen und zu helfen, wo es nur geht – obwohl sie sich selbst schon gut genug regulieren können. Oft ist weniger dann doch mehr. So viel wie nötig, aber so wenig wie möglich am Bienenstock zu arbeiten, bringt am Ende meist den größten Erfolg.
Sehen Sie Honig mit anderen Augen, seit Sie selbst Bienen halten?
DEUBLER: Ja, auf jeden Fall. Eine Sommer-Biene kann in ihrem rund siebenwöchigen Leben gut einen Teelöffel Honig sammeln. In einem 500 g Glas steckt also das Lebenswerk von rund 100 Honigbienen. Das ist dann schon respekteinflößend. Zusätzlich gibt es so viele Unterschiede, was auch die Honigqualität anbelangt. Ab Juni dieses Jahres tritt eine neue EU-Honigrichtlinie in Kraft. Nun wird deklariert, zu wie viel Prozent der Honig aus welchem Herkunftsland stammt. Das ist schon ein guter Schritt zu mehr Klarheit. Trotzdem ist natürlich der Imker vor Ort immer noch der beste Ansprechpartner, was Honig anbelangt. Im heimischen Honig sind dann auch die hiesigen Pollen enthalten.
Was macht Bienen das Leben schwer?
DEUBLER: Seit vielen Jahren ist die Varroa-Milbe einer der Parasiten, mit denen die Bienen zu kämpfen haben. Hier hilft leider nur das Eingreifen des Imkers: zum einen mit Behandlungsmitteln wie der Ameisen- oder Oxalsäure, zum anderen aber auch durch verschiedene imkerliche Praktiken. Unter all diesen Maßnahmen leiden die Bienen jedoch. Nichtsdestotrotz sind die Varroa-Milbe und die von ihr übertragenen Viren für ein Volk weitaus schlimmer und können bis zum kompletten Völkerverlust führen. Aktuell ist zudem die Asiatische Hornisse auf dem Vormarsch. In Deutschland war sie bisher meist in den wärmeren Weinanbauregionen zu sehen, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie auch in unserer Region ankommt. Diese Hornisse hat aufgrund ihrer enormen Volksstärke einen weitaus größeren Jagdtrieb als die europäische Verwandte und kann im Herbst ganze Bienenvölker überfallen, was ebenfalls zu Totalverlusten führen kann.
Der Weltbienentag am 20. Mai will darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Bienen und ihr Schutz sind. Wie kann jeder von uns den Bienen helfen?
DEUBLER: Für alle Bienen, also auch für die Wildbienen ist ein Nahrungsangebot in unseren Gärten wichtig. Das heißt: kein reiner steriler Steingarten mit ordentlich kurzem Rasen, sondern auch Blühflächen und Möglichkeiten für Hummeln oder andere Bienenarten, um dort zu nisten. Im Sommer ist für die Bienen ebenso Wasser ein Grundnahrungsmittel. Zusammengefasst: Nahrung anbieten, Flächen zum Blühen bringen, Tränken aufstellen und wilde Ecken zulassen. Wenn sich dann im Garten oder am Haus Bienen eingefunden haben, ist es wichtig, nicht panisch zu reagieren, sondern erst zu recherchieren oder den nächsten Imker zu fragen, um welche Gattung es sich handelt. Meist sind es friedliebende Wildbienen, die ihren Nachwuchs versorgen wollen.
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