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Ulm

07.07.2019

Batterieforschung in Ulm: Ministerpräsident ist „angefressen“

Beim Besuch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann an der Uni ging es auch am Rande um Batterieforschung.
Bild: Elvira Eberhardt/Uni Ulm

Kretschmann spricht von einer Fehlentscheidung, weil Forschungsfabrik nicht nach Ulm kommt. Ein Quantenforschungsgebäude steht schon.

Zwei Termine hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag in Ulm: Die 175-Jahrfeier bei Seeberger und die Übergabe des Zentrums für Quanten- und Biowissenschaften (ZQB) an der Universität Ulm. Doch ein Thema überragte: Der Streit um ein neues Batterieforschungszentrum. „Ich bin angefressen“, sagte der Grünen-Politiker. Denn es sei eine Fehlentscheidung, das neue Batterieforschungszentrum nicht nach Ulm sondern Münster zu geben. Dies sage er nicht, weil es ihm darum gehe, eine baden-württembergische Stadt zu stärken. Ulm sei im Sinne des „Standorts Deutschlands“ nun mal am besten geeignet. Bei für die Zukunft extrem wichtigen Innovationsprojekten komme es darauf an, an die vorhandenen Stärken anzuknüpfen und „Cluster“, also Schwerpunktregionen zu bilden.

Forschung an Batterietechnologie: Ulm könnte sofort loslegen

Der Bund will wie berichtet die Forschung im Bereich der Batterietechnologie fördern und vor allem den Vorsprung von Ländern wie China in diesem Segment reduzieren. 500 Millionen Euro sollen dafür zur Verfügung gestellt werden. Eine Expertenkommission hatte Ulm empfohlen, den Zuschlag bekam aber Münster. „Mit der Entscheidung für Münster, die wohl einen langwierigen Aufbau neuer Strukturen nach sich zieht, wird wertvolle Zeit im Wettlauf gegen Deutschlands Wettbewerber verloren“, heißt es in dem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag und auch Kretschmann unterzeichnete.

Ulms Oberbürgermeister Gunter Czisch betonte am Freitag, dass in Ulm „sofort“ losgelegt werden könne. Ein Gebäude (Ex-AEG-Mis) inklusive Reinräume stehe bereit. Czisch fordert von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek „Transparenz und Redlichkeit“. Denn die Entscheidung sei so nicht nachvollziehbar. Auch wenn nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) offenbar nichts von der Entscheidung der Expertenkommission pro Ulm mit bekommen hat und von fachlichen Gründen zugunsten Münsters sprach.

Persönlich wolle Czisch die Bundesministerin übernächsten Montag darauf ansprechen: Da hat Karliczek, die aus der Nähe von Münster stammt, einen Termin in Ulm beim Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung. Dass hier, wie berichtet, nun eine Forschungsfabrik für Brennstoffzellen und Wasserstoff für insgesamt 75 Millionen Euro errichtet werden soll, habe damit nichts zu tun. „Das sind zwei paar Stiefel.“

Ein einzigartiges Gebäude: Im Zentrum für Quanten- und Biowissenschaften wird eine interdisziplinäre Forschergruppe hochleistungsfähige Sensoren entwickeln oder bildgebende Verfahren verbessern.
Bild: Elvira Eberhardt/Uni Ulm

Zentrum für Quanten- und Biowissenschaften (ZQB) an die Universität Ulm

Gute Nachrichten für den Standort Ulm hatte Kretschmann bei seinem Besuch an der Uni trotz dem Ärger über die Bundesforschungsministerin im Gepäck, als er das Zentrum für Quanten- und Biowissenschaften (ZQB) an die Universität Ulm übergab: „Auf der ganzen Welt verfügt nur Ulm über ein Gebäude wie dieses.“

Auf 2800 Quadratmetern hochsensible und hochgenaue Mess- und Labortechnik der Extraklasse bedeute Forschen auf Spitzenniveau. Bund, Land und Universität haben gemeinsam rund 22 Millionen Euro in das ZQB investiert. In dem Neubau auf dem Eselsberg werden Arbeitsgruppen der Physik, der Chemie und der molekularen Medizin interdisziplinär zusammenarbeiten. Das Ziel ist die Übertragung von quantentechnologischen Verfahren und Konzepten in die biomedizinische Forschung. Unter anderem wollen die Forschenden hoch-leistungsfähige Sensoren entwickeln und bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomographie verbessern.

Die hochsensiblen Messeinrichtungen benötigen eine besondere Umgebung: Daher wurden die Laserlabore im Untergeschoss als Raum-in-Raum-Konstruktion auf Fundamenten gebaut, die auf Luftfedern gelagert sind. Äußere Einflüsse wie Schall, Erschütterungen oder Elektromagnetismus werden gedämpft. „Quantentechnologie bildet die Grundlage vielversprechender Anwendungen, vom Quantencomputer über den abhörsicheren Datentransfer bis zu hochsensiblen Sensoren“, sagte der Ulmer Universitätspräsident Professor Michael Weber. Ulmer Forschende zählten in der Quantentechnologie zur Weltspitze.

Einen „Leuchtturm der Quantentechnologie“ nannte die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer den Bau. Czisch und Kretschmann fehlt in diesem Zusammenhang noch ein auch von der Bundesministerin anerkannter Leuchtturm der Batterieforschung.

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