Pfaffenhofen Wenige Wochen vor dem Bürgerbegehren in Sachen Uferpromenade hat jetzt einer der erklärten Gegner des Vorhabens ein naturschützerisches Argument vorgebracht, das möglicherweise enormen Einfluss auf das Projekt hat. Laut Eberhard Rimböck, langjähriger Anwohner der Wehrstraße, hat in dem Uferbereich, an dem die Promenade entstehen soll, der „seltene und scheue Eisvogel Quartier bezogen und sogar gebrütet“.
Sollten die Pfaffenhofener sich am 15. Juli für den Bau einer Promenade an der Roth aussprechen, ist es deshalb noch längst nicht beschlossene Sache. Experten gehen davon aus, dass im Laufe des Genehmigungsverfahrens Naturschutzverbände als Träger öffentlicher Belange Einsprüche gegen das Vorhaben einlegen werden. Ausgang allerdings ungewiss.
Mündliche Vereinbarung mit Bürgermeister Erwin Bürzle
Dass der „Vogel des Jahres 2009“ sich an der Roth in Pfaffenhofen angesiedelt hat, sei auch ein Verdienst der Anwohner der Wehrstraße, so Rimböck. Seit rund 35 Jahren kümmern sich nach Angaben Rimböcks er und seine Nachbarn um den Streifen Natur, der zwischen ihren Grundstücken und der Roth liegt. Die Anlieger tun dies auf Bitten des früheren Pfaffenhofener Bürgermeisters Erwin Bürzle hin. Laut Eberhard Rimböck versprachen die Wehrstraßen-Anwohner damals der Gemeinde, sich um den in Marktbesitz befindlichen Uferstreifen zu kümmern. Als eine Art Köder, so Rimböck, habe der Bürgermeister angeboten, dass die Anwohner die Fläche benutzen dürfen – vorausgesetzt, entlang des Flüsschens werde ein Streifen so frei gehalten, „dass dieser von der Gemeinde betreten werden kann“. Rimböck: „An diese mündliche Vereinbarung halten wir und alle anderen Anwohner fest seit nunmehr 35 Jahren und pflegen das öffentliche Gelände ohne jegliche Aufwandsentschädigung. Auf diese Weise haben wir der Gemeinde sehr viel Aufwand und Kosten gespart und gleichzeitig für eine durchaus ansprechende Erscheinung des öffentlichen Geländes gesorgt.“ Herausgekommen sei aus Sicht der Anwohner ein „idyllischer Lebensraum“.
Eberhard Rimböck tritt damit mehr oder weniger offen vorgetragenen Vorwürfen entgegen, er und seine Nachbarn würden den gemeindeeigenen Uferbereich „ungerechtfertig nutzen“. Spätestens seit einem Ortstermin im April, als rund 80 Pfaffenhofener Bürger den Ort der angedachten Uferpromenade inspizierten, stehen diese Anwürfe im Raum. Angesichts von Gartenlauben, Beeten, Holzstapeln und Stegen staunten etliche Teilnehmer darüber, dass es einen der Allgemeinheit zugänglichen Weg bereits gibt. Beispielsweise sagte Markträtin Marlies Staudenecker: „Dass es ein öffentlicher Weg ist, ahnt ja keiner.“
Rimböck fühlt sich durch solche und andere Aussagen zu Unrecht an den Pranger gestellt. Er erinnert nochmals an die Vereinbarung mit dem ehemaligen Bürgermeister Erwin Bürzle: „Von einer wirklichen oder gar ungerechtfertigten Nutzung des Grundstücks durch die Anwohner kann und darf nicht gesprochen werden. Vielmehr wäre die Rede von im Ehrenamt praktizierter Landschafts- und Naturpflege deutlich zutreffender. Die Anwohner haben der Gemeinde sehr viel Aufwand und Kosten gespart und gleichzeitig für eine durchaus ansprechende Erscheinung des öffentlichen Geländes gesorgt.“
Im Übrigen macht Rimböck als einer der Initiatoren des Bürgerentscheids aus seiner Ablehnung der Uferpromenade kein Hehl. „Pfaffenhofen erlebt gerade, was passiert, wenn Visionen, gegen den Willen der Bevölkerung umgesetzt werden soll. Zum Glück verhalten sich die Bürger bei gewissen Projekten vernünftiger als so mancher gewählte Vertreter einer verschuldeten Gemeinde. Wie sonst ist es zu erklären, dass weit mehr als 15 Prozent der Bevölkerung Pfaffenhofens sich an einem Bürgerbegehren gegen die Uferpromenade und deren Kosten beteiligen, aber kaum ein Prozent Interesse an den Gemeinde-Workshops zu diesem Thema zeigt.“ (kr)