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Ausstellung

10.01.2012

Dada im 21. Jahrhundert

„Der Rudi und die Daisy“: In Florian Schröders frechen Vektorgrafiken spielen Pop-Ikonen und bekannte Motive die zentrale Rolle. Da kann schon mal das Schoßhündchen die Züge einer Star-Wars-Figur tragen.
Bild: Repro: Florian L. Arnold

Mit „Wokasoma“ von Florian Schröder startet die neue „Galerie 59:00“ im Roxy

Ulm Ein neues Galerieformat startet – und alle sind da. Großer Andrang herrschte bei der Doppeleröffnung der Ausstellung „Wokasoma“ von Florian Schröder und der „Galerie 59:00“ im Roxy. Der Designer und Multimedia-Dompteur Schröder präsentiert mit „Without A Reason“ den Auftakt für seine auf viele Zyklen ausgelegte „Wokasoma“-Reihe, die sich in durch alle Genres der Kunst arbeitenden Variationen als zeitgenössische Neu-Auffassung des Dadaismus, der Pop-Art und der Reproduktionskunst versteht. So ist „Wokasoma“ Schröders eigener Fantasiebegriff: Dada im 21. Jahrhundert.

Raubzug durch das weite Feld der Populärkultur

Schröder versteht sein Handwerk: Listig räubert er sich durch ikonische Motive der Popkultur und stellt dabei sich und seinem (bei der Vernissage) sehr jungen Publikum die Frage, was wohl der „König“ der Pop Art, Andy Warhol, mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts bewegen würde. Dabei ist der junge Künstler, der als freier Designer arbeitet, betont plakativ – das ist Absicht. Die Motive, die allesamt als Vektorgrafik entstanden sind und auf einem modifizierten Kopierer auf Büttenpapier gedruckt werden, sollen packen.

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Den Subtext freilich entschlüsselt man nur, wenn man sich in Film, Subkultur, Musik und Kunst der letzten 30 Jahre etwas besser auskennt. Dann eröffnet sich auch der Witz der Arbeiten. Da sieht man den „Rudi und die Daisy“ – Rudolf Mooshammer und sein verhätscheltes Schoßtier. Mit Daisy aber stimmt etwas nicht: Wer „Star Wars“ kennt, erkennt in ihr Chewbacca, das dauernörgelnde Pelzmonster. Auch Klaus Kinski kriegt sein Fett weg: Er blickt dem Betrachter übellaunig entgegen, soeben hat er sich in Schröders Version ein Donald-Duck-Kostüm ausgezogen: „Ich spiele diese Rolle nicht, ich bin das!“ Der Künstler gesteht: „Das sind noch die harmloseren Motive, zum Einstieg wollte ich die giftigeren Motive noch nicht auspacken.“

Der Giftschrank bleibt also zu – die karikaturhaften Motive machen trotzdem Spaß. Der Filmemacher, der mit „Nagira” ein B-Movie-Monster, halb Fisch, halb Hummer erschaffen hat, jongliert gewitzt mit Subkulturbegriffen, kreuzt Mensch und Maschine, Comic und Reality, zeigt sich fabulierlustiger Wort- und Sinnverdreher, der als Fan von Künstlern wie Andy Warhol, Raoul Hausmann, Jeff Koons, Roy Lichtenstein und Otto Dix mit „bedingungslosem Ehrgeiz“ die endlose Spielwiese der Popkultur abgrast. Dabei ist er ganz Kind seiner Zeit, der glaubt, dass Warhol den „Adobe Photoshop geliebt“ hätte und „die Kunst an die Maschine übergeben“ will. Konkret: Das Original hat ausgedient. Allenfalls dem Sammler exklusiver Kunst sei durch die Signatur des Künstlers die massenhaft reproduzierbare Kunst der Zukunft mit dem Stempel der „Einmaligkeit“ zu versehen.

Ein Bilderstürmer ist Schröder dennoch nicht. Er weiß genau, wie der Kunstmarkt funktioniert und was Kunstkäufer wünschen. Seine Grafiken sind ansprechend, frech, mitunter ein wenig subversiv, aber nicht schmerzhaft. Sie treffen der Nerv aller, die sich von der Sinnsuche in der Kunst abgenabelt haben und denen Kunst „Without a Reason“, also ohne Sinn, genügt. Den Premierentitel entlehnte Schröder aus dem Anfangsmonolog von Rubber, einem Experimentalfilm von Quentin Dupieux (auch bekannt als Musiker Mr. Oizo) der feststellt, dass das meiste im Leben ohne erkennbaren Sinn geschieht. „Warum soll das in der Kunst anders sein?”

Die Galerie 59:00, der Schröder als kreativer Kopf zur Seite steht, soll sich auf junge Kunst konzentrieren. „59:00 steht für Neuanfang. Egal ob Sekunden, Minuten oder Stunden, egal ob ein Jahr oder Jahrzehnt – immer springt der Zeiger von 59 auf 00, um einen Neuanfang einzuleiten”, so Roxy-Chefin Laurence Lachnit. Drei bis viermal im Jahr werden „zeigenswerte” Künstler eingeladen, dort ihre Arbeiten vorzustellen. Dabei soll es, so Schröder, „viel provokanter und frecher” zugehen als in seiner eigenen Ausstellung. Im Anschluss an die Vernissagen könne bei einer After-Show-Party kräftig gefeiert werden.

Geöffnet zu den Roxy-Öffnungszeiten. Der Besuch ist kostenlos.

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