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Ulm

19.07.2020

Das Ulmer Münster wird in neuem Licht strahlen

Künstler Thomas Kuzio hat bereits das „Friedensfenster“ an der Südseite des Ulmer Münsters geschaffen, nun hat er acht weitere Fenster entworfen.
Bild: Thomas Kuzio (Visualisierung)

Plus Künstler Thomas Kuzio hat acht Fenster entworfen, die dem Inneren der Kirche eine neue Wirkung geben sollen. Großzügige Spender haben einen ersten, bedeutenden Schritt ermöglicht.

Thomas Kuzio weiß genau um die Größe der Aufgabe: „So einen Auftrag gibt es nur für jede dritte Künstler-Generation überhaupt“, sagt er. „Diese Aufgabe ist etwas absolut Unwiederholbares!“ Von einem „Kairos-Moment“ spricht Dekan Ernst-Wilhelm Gohl. Der altgriechische Begriff meint einen günstigen Augenblick einer Entscheidung, den verstreichen zu lassen nachteilig sein kann. Denn Thomas Kuzios Gesamtentwurf trägt die Handschrift des Künstlers, ohne sich dem Münster dominierend aufzudrängen – die Architektur des Gotteshauses selbst steht im Zentrum, die es durch leuchtendes Glas zur Wirkung zu bringen gilt. Acht große Fenster hat der Künstler gestaltet, sie sollen die Raumwirkung des Münsters verändern und gleichzeitig die ursprüngliche Gestaltung aufgreifen.

Bild: Dagmar Hub

Wobei Kuzio sich einer außergewöhnlichen Herausforderung stellt: Weil man nach Kriegsende froh war, immer wieder das Geld für ein neues Glasfenster auf der Südseite zu haben, entstanden dort die unterschiedlichsten Motive und Handschriften. Diese farblich aufzugreifen, zusammenzuführen und zu harmonisieren ist ein Ziel von Thomas Kuzios Entwurf.

Neue Fenster für das Ulmer Münster

Neben „Weltbetrachtung“ und „Lichtwerdung“ – die beiden Fenster, die dem Chor am nächsten an der Nordseite eingebaut werden – sollen „Paradiesgarten“, „Baum des Lebens“, „Menschenfischer“, „Gnade“, „ Pfingsten“ (als größtes Fenster) und „Übers Wasser gehen“ entstehen, schlug Thomas Kuzio vor. Ernst-Wilhelm Gohl findest es „ganz stark“, dass sich die Kanzel des Münsters zwischen den Fenstern „Gnade“ und „Pfingsten“ befinden wird. Die beiden Motive „Paradiesgarten“ und „Baum des Lebens“ werden die bislang monolithisch wirkenden, 2001 eingebauten Fenster von Johannes Schreiter farblich aufgreifen und damit besser in das Ensemble integrieren. Und: „Auch wenn Thomas Kuzios Fenster aus der Gegenwart stammen, so stellen wir doch ein Stück weit einen der ursprünglichen Raumwirkung ähnlichen Zustand her“, erwartet Ernst-Wilhelm Gohl. Denn zu seiner Bauzeit im 14. Jahrhundert war das Ulmer Münster mit bunten Fenstern verglast, wie es in der Gotik üblich war. Diese mittelalterlichen Fenster der Seitenschiffe sind im Gegensatz zu denen des Chorraums verloren, die sie ersetzenden Glasfenster des 19. Jahrhunderts gingen im Zweiten Weltkrieg unter.

Besonders das Maßwerk der Fenster des Nordschiffes werde durch das Leuchten der Farben von Kuzios Arbeiten eine neue Wirkung bekommen, schwärmt Gohl. Zudem habe die Gemeinde im Gottesdienst bislang auf die provisorisch wirkende Notverglasung geschaut. Die Leuchtkraft der Fenster werde die Raumwirkung des Münsters verändern – zum Positiven, dessen ist sich Gohl sicher.

Ulm: Spender finanzieren zwei große Fenster für das Münster von Künstler Thomas Kuzio

Die Fenster werden einzeln in Auftrag gegeben. Das bedeutet im schlimmsten Fall: Wenn überraschend etwas passiert, was die Realisierung unmöglich macht, oder wenn eines Tages kein Geld zusammenzubringen ist, bleibt das in sich schlüssige Bildprogramm unvollendet. Dieses Risiko besteht. Eine große Überraschung erlebte Gohl aber jüngst: Ein Ehepaar aus Ulm wird die kompletten Kosten für die ersten beiden Fenster in Höhe von 563000 Euro übernehmen – in Dankbarkeit für viel Gelungenes im Leben, verrät Ernst-Wilhelm Gohl, „und in bester ulmischer Tradition“. Denn auch die Glasfenster des Mittelalters wurden von Patrizierfamilien und Bürgern gestiftet.

Die an den Chorraum anschließenden Fenster werden etwa zu Weihnachten 2021 im Münster eingebaut sein, erwartet Thomas Kuzio. Wie es dann weitergeht? „Im glücklichen Fall, wenn sich Stifter finden, werden wir in fünf Jahren fertig sein. Realistisch sind eher acht Jahre.“

Für die Realisierung des Glasfenster-Zyklus steht im Ulmer Münster eine Spendenbox. Jeder Spender, verspricht Gohl, kommt auf eine Liste, die später im Ulmer Stadtarchiv aufbewahrt werden wird – und Stifter, die die Realisierung eines ganzen Fensters allein (oder mit jemandem zusammen) übernehmen, werden auf einer Plakette am Fenster für hoffentlich wiederum Jahrhunderte verewigt.

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