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Wirtschaft

30.03.2020

Der Ausnahmezustand schlägt durch

Armin Brugger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neu-Ulm, nennt drei Aufgaben, die in der Krise garantiert bleiben müssen: die Bargeld-Versorgung, das Funktionieren des Zahlungsverkehrs und die Versorgung mit Krediten.
Bild: Alexander Kaya

Auch wenn die Sparkasse Neu-Ulm sich als systemrelevantes Unternehmen gut gerüstet sieht: Die Sorgen im Vorstand um die Zukunft der Unternehmen werden immer größer

Das Land ist im Ausnahmezustand und die Sparkasse Neu-Ulm Illertissen auch. Als systemrelevantes Unternehmen kommt dem öffentlich-rechtlichen Kreditinstitut in der größten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, so sagte es sinngemäß Kanzlerin Angela Merkel, eine Schlüsselrolle zu.

Drei zentrale Aufgaben nennt der Vorstandsvorsitzende Armin Brugger, die unter keinen Umständen zum Erliegen kommen dürfen: die Versorgung mit Bargeld, das Funktionieren des Zahlungsverkehrs und die Versorgung mit Krediten. Gerade die Versorgung von Firmen in Notlage mit Geld sei in den vergangenen Tagen geradezu explodiert. 207 Anträge von Firmenkunden landeten bis Freitagmittag auf dem Tisch des Sparkassen-Bosses. „Und das ist sicher erst der Anfang.“ Um ja kein Telefonat eines Not leidenden Kunden zu verpassen, lasse die Sparkasse alle Anrufe an die Durchwahlen der Berater in einer Zentrale ankommen. Dann werde an Spezialisten weitergeleitet, die oftmals im Homeoffice sitzen.

Frühzeitig habe die Sparkasse Beschlüsse von entscheidenden Gremien herbeigeführt, die eine schnellere Kreditgewährung garantieren. „Im Interesse des Großen und Ganzen“, wie Brugger sagt. Dies sieht Brugger angesichts der Ausmaße der Corona-Krise durchaus in Gefahr: Da müsse die Sparkassen als entscheidender Akteur einer historischen Notlage Rechnung tragen und ihrer Schlüsselrolle in der regionalen Wirtschaft gerecht werden. Die Spielregeln hätten sich durch die Pandemie massiv geändert. So orientiere sich die Sparkasse in Sachen Gewährung von Kreditanfragen an den Umsätzen vor Corona. Sonst übliche Sorgfaltsmaßstäbe wurden gelockert. Grundsätzlich gehe die Sparkasse aber davon aus, dass die Viren-Problematik von vorübergehender Natur sei.

Doch niemand wisse, ob die Beschränkungen noch Wochen, drei oder gar sechs Monate andauern. „Das wäre ein Albtraum“, sagt Brugger. Kaum ein Unternehmen könnte das überleben. „Ich hoffe, es werfen nicht viele Unternehmer die Flinte ins Korn.“

Auch die Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK) meldet beunruhigende Zahlen: Nach einer aktuellen Blitz-Umfrage spüren mehr als 90 Prozent der IHK-Mitglieder negative Auswirkungen des Coronavirus auf ihre Geschäfte. Die erwarteten Umsatzrückgänge sind dabei massiv: Etwa jedes zweite Unternehmen geht für das Jahr 2020 von einem Rückgang um mindestens 25 Prozent aus. Besonders betroffen: das Gastgewerbe, die Reisewirtschaft, personenbezogene Dienstleistungen und der Einzelhandel.

Über 3000 Anträge auf Hilfen seien bereits eingegangen. Soforthilfe als Alternative zum Unternehmenstod. Grundsätzlich sei die Wirtschaftsstruktur in der Region ja gesund, betont Brugger, der grundsätzlich optimistisch ist. Er habe ein „großes Grundverständnis“ für die harten Maßnahmen der Politik, weil sie Leben retten könnten. Zumindest die Neu-Ulmer Sparkasse hat in den vergangenen Jahren für Krisen vorgesorgt. „Wir können auch einen großen Schock verarbeiten.“ Doch derzeit fahre die Sparkasse auf Sicht, sämtliche planerischen Rechenspiele hätten über den Haufen geworfen werden müssen.

Mit dem vergangenen Jahr war Brugger zufrieden. Insbesondere mit dem Kreditgeschäft. Darlehen an Unternehmen und Privatpersonen lagen im Geschäftsjahr bei rund 234 Millionen Euro und damit 8,1 Prozent über dem Vorjahr. Das Volumen an Ausleihungen wuchs insgesamt auf 1,38 Milliarden Euro. Trotz niedrigster Zinsen verzeichneten die Kundeneinlagen einen Zuwachs um 2,9 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro. Aus Sicht von Brugger ein Beleg für das Kundenvertrauen und den Wunsch nach Sicherheit. Wie schon in den Vorjahren wurden hierbei kurzfristige oder täglich abrufbare Anlagen bevorzugt. Die Bilanzsumme stieg leicht von 2,0 Milliarden Euro auf 2,1 Milliarden. Das Betriebsergebnis (vor Bewertung) stieg auf 12,5 Millionen Euro (12,1 Millionen Euro). Nicht zuletzt durch weiteren Personalabbau (von 400 Mitarbeitern auf 372) fiel der Verwaltungsaufwand von 35,9 Millionen Euro auf 34,8 Millionen.

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