"Wir wollen die Krebsforschung interdisziplinär gestalten", macht Buske deutlich, sieht sich und sein künftiges Team zugleich als "Bindeglied zwischen vorklinischer, klinischer und Grundlagenforschung". Wichtig für ihn vor allem: "Wir werden nicht im Elfenbeinturm forschen, sondern uns translational ausrichten." Das heißt, Laborergebnisse sollen mit klinischen Erkenntnissen verknüpft werden, Beobachtungen in der Klinik sogar direkt in die Forschungsarbeit einfließen.
Das neue Institut beschäftigt sich inhaltlich insbesonders mit der Tumorentstehung und versteht unter anderem Tumoren als Stammzell- und Alterserkrankung. Der Institutschef gilt schon seit Jahren als anerkannter Experte für die Entstehung der akuten myeloischen Leukämie (AML). "Wir wollen Ansätze entwickeln, um krankhafte Funktionen von Zellen zu neutralisieren", beschreibt Professor Buske ein Ziel seiner Arbeit. Dabei konzentriere er sich auf die AML als sogenannte Modellerkrankung, auch um genetische Veränderungen zu analysieren, die zu Leukämie führen. Am Beispiel der leukämischen Stammzelle als Tumorstammzelle wollen die Forscher Buske zufolge sowohl mit zellbiologischen als auch molekularen Ansätzen verstehen, "wie Krebs entsteht, wie eine Tumorstammzelle tickt". Der nächste Schritt wäre dann: "Eine Therapie entwickeln, die Tumorstammzellen zerstört, intakte Blutstammzellen aber nicht abtötet." Denn: "Man muss die Tumorstammzellen entfernen, sonst kommt der Krebs wieder." Bis dahin seien freilich noch viele Mausmodelle und auch Untersuchungen an Leukämiezellen von Patienten nötig, ist sich der Wissenschaftler bewusst.
"Wir arbeiten auch an menschlichen Zellen", erklärt er ergänzend, erwähnt dabei die "hervorragende Biobank unserer Klinik mit eingefrorenen Patientenproben", anonymisiert versteht sich und sicherlich führend in Deutschland. Ein weiterer Schwerpunkt seines Instituts sei der Lymphdrüsenkrebs (Lymphom). Wenngleich inzwischen teilweise heilbar, so Christian Buske, bestehe auch hier noch immenser Handlungsbedarf.
Das Institut soll bis Jahresende ein Dutzend Beschäftigte haben, Fernziel sind bis zu 50. Eine Hochdurchsatz-Gensequenziermaschine, die es ermöglicht, mit zuvor unerreichter Geschwindigkeit Erbmaterial zu charakterisieren, ist beantragt. "Das gibt es bisher in Ulm nicht", sagt Professor Buske. Trotz des hohen Aufwands, der betrieben wird, um in der Krebsforschung voranzukommen, sei Geduld nötig, meint der Mediziner. Krebsforschung werde erst seit einem relativ kurzen Zeitraum betrieben, mit vielen ermutigenden Ergebnissen. "Der Krebs dagegen hatte Jahrmillionen, um sich zu entwickeln."