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Kommentar

29.09.2018

Der Erfolg der fleißigen Frauen

Der afghanische Flüchtling Basir Sediqi darf bleiben, dafür haben zwei Helferkreise gekämpft.
Bild: Elena Flügel

Sind wir wirklich so machtlos gegen „die da oben“? Nein, das sind wir nicht

Es ist schon erstaunlich, was eine kleine Gruppe von Menschen erreichen kann. Das hat der Helferkreis Asyl in Elchingen zusammen mit dem Ulmer Verein Menschlichkeit jetzt beispielhaft gezeigt. Es war im Grunde genommen nur eine recht kleine Gruppe von Frauen, die dafür kämpfte, dass der afghanische Flüchtling Basir Sediqi im Lande bleiben und eine Ausbildung beginnen durfte. Sie hat knapp drei Monate lang wenig anderes getan, als sich in diese Sache reinzuhängen, Politiker, Medien, Entscheidungsträger zu bearbeiten, um ihr Ziel zu erreichen. Wie zu hören war, trübte das massive Engagement zuweilen gar den häuslichen Frieden ein. Der Erfolg gab den fleißigen Frauen recht und zeigt: Wenige können viel bewirken, auch gegen die angeblich übermächtige Politik.

Harte Rhetorik und harte Haltung

Denn die Frauen aus Elchingen und Ulm waren nicht alleine: In vielen Teilen des Landes setzten sich Gruppen dafür ein, dass Flüchtlinge, die sich integrieren und hier arbeiten wollten, eine Ausbildung beginnen oder zu Ende führen können. Dieses Engagement haben Horst Seehofer und seine CSU völlig unterschätzt in ihrem Bemühen, mit harter Rhetorik und harter Haltung den Polit-Emporkömmlingen der Alternative für Deutschland das Wasser abzugraben. Doch damit vergrätzen sie nachhaltig die bürgerliche Mitte, die keine „AfD light“ haben will, sondern eine Partei, die das „C“ nicht nur als unverbindlichen Namensbestandteil ansieht, sondern auch als Verpflichtung zur Nächstenliebe. Das Christliche darf sich nicht darin erschöpfen, Kreuze in Behördenstuben zu hängen.

Vernunft in der Asylpolitik

Dass sich die CSU-Abgeordnete Beate Merk beim Innenministerium für Basir Sediqi und einen weiteren Afghanen verwendet hat, ist sicherlich einem gewissen gesellschaftlichen Druck geschuldet, denn die Partei musste sich an der Basis sehr wohl sagen lassen, dass sie im Asylstreit inhaltlich und rhetorisch völlig überzogen hatte. Doch diese Sichtweise allein wäre ungerecht. Wer Beate Merk in den letzten Jahren erlebte, hat sicher gemerkt, dass ihre vielen Reisen als „Bayerns Außenministerin“ in Krisen- und Elendsgebiete ihre Wirkung nicht verfehlten. Das hat sie sichtlich beeindruckt.

Gut, dass in der bayerischen Asylpolitik Vernunft eingekehrt scheint und nicht mehr ausgerechnet die abgeschoben werden, die hier etwas leisten wollen und das auch tun.

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