1. Startseite
  2. Lokales (Neu-Ulm)
  3. Die Asylhelfer atmen auf

Flüchtlinge

25.09.2018

Die Asylhelfer atmen auf

Der afghanische Flüchtling Basir Sediqi darf bleiben, dafür haben zwei Helferkreise gekämpft.
Bild: Elena Flügel

Plus Wie der Elchinger Helferkreis und der Verein Menschlichkeit eine gewaltige Kampagne für einen jungen Afghanen aufzogen und damit tatsächlich erfolgreich waren

Das Ringen hat fast drei Monate gedauert und heftig an den Nerven der Beteiligten gezerrt – doch letztlich den kaum mehr für möglich gehaltenen Erfolg gebracht. Der Helferkreis Asyl in Elchingen ist froh und glücklich, dass der von der Abschiebung bedrohte Basir Sediqi nun doch bleiben und eine Ausbildung beginnen darf. Er wird in einem Hotel in Blaustein zum Hotelfachmann geschult. Dass sich die Bemühungen gelohnt haben, liegt auch an einer bayerischen Politikerin.

Sigrid Thelen vom Elchinger Freundeskreis sagt: „Wir sind natürlich echt begeistert.“ Schließlich sei der Kampf um Basir Sediqis Ausbildungserlaubnis mit einem „gigantischen Aufwand“ geführt worden. Nicht nur die Elchinger Asylhelfer, sondern auch der Ulmer Verein Menschlichkeit haben in der Angelegenheit am großen Rad gedreht. Sie schrieben Briefe an Politiker, an überregionale Medien, gaben zahlreiche Interviews und starteten eine Petition über die weltweite Online-Plattform Change.org. Dort hatten bis Montagnachmittag 48800 Menschen dafür unterschrieben, dass der junge Afghane hierzulande eine Ausbildung beginnen kann.

Der Abschiebeflug startete ohne ihn

Tatsächlich reagierten TV-Sender, Politmagazine und andere große Zeitungen, brachten Berichte über die Helferkreise und über Basir Sediqi – zusammen mit weiteren Schicksalen von abgeschobenen oder von Abschiebung bedrohten Asylbewerbern. Das hatte auch mit der bundesweiten Aufregung um jenen berüchtigten Abschiebeflug Anfang Juli zu tun – am Geburtstag von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Auch Basir Sediqi sollte in der Maschine nach Kabul sitzen, doch er war zufällig nicht in seinem Zimmer in der Flüchtlingsunterkunft Dammweg Unterelchingen, als am 3. Juli die Polizei anrückte. Seither bangte nicht nur er, sondern der gesamte Helferkreis, dass er möglicherweise bei einer späteren Abschiebeaktion nach Kabul geflogen würde. Eigentlich hatte er bereits einen Ausbildungsplatz in einem Gastronomiebetrieb in Leipheim, doch die Besitzerin kündigte ihm, bevor er dort anfangen konnte. Die Polizei hatte dort nicht nur einmal nach dem Flüchtling gefragt.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Große Hoffnung setzten die Asylhelfer dem Vernehmen nach in die CSU-Abgeordnete und ehemalige Staatsministerin Beate Merk, die in München gut vernetzt ist. Anfang September bewirkte sie, dass sich das bayerische Innenministerium noch mal des Falles annahm. Am Freitag traf sie sich mit Flüchtlingshelfern zum Stammtisch – und hatte eine gute Nachricht dabei: Basir Sediqi dürfe von Bayern nach Baden-Württemberg wechseln und dort eine Ausbildung beginnen. Gemäß der deutschen 3+2-Regelung darf er nun die Lehre im Hotel beenden und dort zwei Jahre arbeiten.

Wie Merk am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, könne in solchen Fällen nicht einfach pauschal entschieden werden, da solle im Einzelfall genau hingeschaut werden: „Wir müssen jungen Leuten, die sich integrieren, die sich engagieren, die mit uns leben wollen und die als Auszubildende dringend gesucht werden, den Rücken stärken.“ Was für den 24 Jahre alten Afghanen sprach, war demnach, dass er bereits einen neuen Ausbildungsplatz in jenem Blausteiner Hotel in Aussicht sowie die Hauptschule mit einem Notendurchschnitt von 1,4 abgeschlossen hatte, dass er Volleyball-Übungsleiter beim SV Thalfingen ist und in der Fahrradwerkstatt des Helferkreises mitarbeitet.

Behörden brauchen Ermessensspielraum

Solches Engagement müsse bei der Entscheidung über eine Ausbildungsduldung berücksichtigt werden, findet die Abgeordnete. Da bräuchten die zuständigen Ausländerbehörden auch einen „gewissen Ermessensspielraum“. Solche engagierten Menschen hätten eine Chance verdient. „Das muss man differenziert sehen.“ Auch im Fall eines anderen Afghanen, der sich zum Bäcker ausbilden lassen will, sei erreicht worden, dass er bleiben kann. Bei Basir Sediqi fehlt allerdings noch die formelle Zustimmung des Landes Baden-Württemberg, das den Wechsel über die Landesgrenze billigen muss.

Der Elchinger Helferkreis ist froh, dass sich der gewaltige Einsatz ausgezahlt und in der bayerischen Landespolitik ein Umdenken stattgefunden habe. Denn auch anderen Asylhelferkreisen im Freistaat sei es gelungen, für einzelne Schützlinge eine Ausbildungsduldung zu erreichen. Birgit Möller, Sprecherin der Elchinger Flüchtlingshelfer: „Wir werden uns weiterhin stark dafür engagieren, dass er nicht einer von wenigen bleibt, bei denen die bayerischen Behörden eine aus unserer Sicht richtige Entscheidung treffen.“ Bei den Elchingern kehrt nun wieder Ruhe ein, wie Sigrid Thelen sagt: „Mein Handy ist jetzt vergleichsweise tot.“

Lesen Sie auch: Kehrt in der Asylpolitik Vernunft ein?

Ihr Handy gibt keine Ruhe mehr

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren