Neu-Ulm So viel Mais wie man auf etwa 2000 Fußballfeldern anbauen könnte, würde die im Pfuhler Steinhäule geplante Biogasanlage pro Jahr verschlingen. 70000 Tonnen Biomasse – vor allem Mais und angeblich auch die neue Energiepflanze Silphie – würden darin zu 13 Millionen Kubikmeter Biogas umgewandelt werden. Mit solchen Dimensionen wäre die Anlage die größte ihrer Art weit und breit. Wie der Investor, die Eco-Projektentwicklungsgesellschaft, verspricht, sollen dort 15 Arbeitsplätze entstehen, der Stadt Gewerbesteuereinahmen von einer Viertelmillion Euro winken und sogar die örtlichen Landwirte am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden. Das klingt vielversprechend, doch bei den Bürgern regt sich bereits Widerstand.
Geruchs- und Verkehrsbelästigung befürchtet
Was ihnen – neben der befürchteten Geruchsbelästigung – an der geplanten Anlage stinkt, hat Jochen Urban auf einer eigens angefertigten Homepage zusammengefasst. Sorgen bereitet dem Familienvater, der im Striebelhof und damit in unmittelbarer Nähe zum vorgesehenen Standort wohnt, vor allem das drohende Verkehrsaufkommen. Schließlich muss nicht nur tonnenweise Biomasse angeliefert werden. Das am Ende der Energiegewinnung übrig bleibende Substrat muss natürlich auch wieder abtransportiert werden. Dass es bei sechs bis sieben Anlieferfahrten – wie die Stadtverwaltung in der Stadtratssitzung Anfang März verkündete – bleiben wird, glaubt Urban nicht. Er habe selbst nachgerechnet und komme auf 50 Einzelfahrten pro Tag. „Und das kann doch ökologisch nicht sinnvoll sein“, schimpft er.
Selbst wenn die Laster und Traktoren nicht durch Pfuhl rollen, sondern den Weg am Pfuhler Baggersee vorbei nehmen, ist in Urbans Augen mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen – sowohl im angrenzenden Naherholungsgebiet, wo viele Spaziergänger und Ausflügler unterwegs sind, als auch in den umliegenden Wohngebieten und auf dem nahen Sport- und Golfplatz. Im Sommer sei die Zufahrtsstraße zum Baggersee zudem oft zugeparkt, sodass große Laster vielleicht gar nicht mehr durchkämen. Bei Regen hingegen ist Ärger wegen verschmutzter Straßen vorprogrammiert. „Es wäre also doch viel sinnvoller, das irgendwo in die Pampa zu bauen, wo es keinen stört“, meint Urban. Zum Beispiel in die Nähe der Autobahn bei Seligweiler.
Und noch eine andere Befürchtung hat Jochen Urban: Monokulturen. Den Berechnungen der Stadtverwaltung zufolge müssten 25 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Flächen auf Neu-Ulmer Flur verwendet werden, um die erforderliche Menge an Energiepflanzen zu produzieren. „Wenn die hiesigen Landwirte nur noch Mais oder Silphie anbauen, ist das äußerst bedenklich.“
Durch knapper werdende Flächen könnte die Pacht steigen
Der Burlafinger CSU-Stadtrat Erich Niebling, der Anfang März gegen die Anlage gestimmt hatte, hegt ähnliche Befürchtungen. „Die Pacht wird steigen“, sagt er. Denn wenn die Flächen knapper werden, steigt die Konkurrenz unter den Landwirten – und das dürfte insbesondere den kleinen Bauern zu schaffen machen. Zudem sei ein solches Vorhaben aus ethischer Sicht problematisch. „Da werden ja sozusagen Lebensmittel vergast.“ Otto Herrmann, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands, kritisiert indes die schlechte Ökobilanz einer so großen Anlage. „Die wollen den Mais aus einem Umkreis von 30 Kilometern herfahren.“ Und danach müsse das Substrat wieder auf die Felder ausgebracht werden. „Da ist doch der CO2-Ausstoß so hoch, dass das nicht sinnvoll sein kann“, sagt Herrmann. Auch dass die Landwirte als reine Rohstofflieferanten fungieren sollen – ohne an der Wertschöpfungskette beteiligt zu werden –, kann er nicht gutheißen. Stattdessen sollten sich zwei oder drei Landwirte zusammentun und kleine Anlagen bauen. Damit könnten die Bauern auch ihre Gülle verwerten. „Und dann bringt es auch für die Umwelt was.“ Jochen Urban will nun erst mal die betroffenen Mitbürger informieren – und zwar frühzeitig, damit sie ihre Sorgen dann zu gegebener Zeit im Stadtrat oder bei der Stadtverwaltung vorbringen können. Sollte der Flächennutzungsplan tatsächlich geändert werden und die Biogasanlage damit grünes Licht bekommen, will Urban konkrete Aktionen starten. Erste Mitstreiter hat er – zumindest online – schon gefunden. „Es ist eine Schande, dass Neu-Ulm überhaupt darüber nachdenkt, das schöne und erfolgreiche Naherholungsgebiet zu zerstören“, schreibt etwa Inge Eitele auf der von Urban ins Leben gerufenen Website.
www.biogasanlagepfuhl.de